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Panoramafotografie - Zylinder-, Flächen-, Reihen- oder Kugelpanoramen

Die in der Fotografie am häufigsten angewendeten Panoramatypen sind Zylinder-, Flächen-, Reihen- oder Kugelpanoramen. Von Zylinderpanoramen ist die Rede, wenn die Kamera praktisch einen Rundblick erfasst, bei dem sich der Aufnahmestandpunkt in der Mitte eines gedachten Zylinders befindet. Je größer der Bildwinkel, umso größer werden auch die Verzeichnungen zu den extremen Bildenden. Zylinderpanoramen können einen Rundumblick bis zu 360 Grad aufweisen. Flächenpanoramen haben Bildwinkel bis maximal 180 Grad, meist sogar nur bis etwa 100 oder 120 Grad. Sie haben den Vorteil, dass die Linien parallel verlaufen. Flächen- und Zylinderpanoramen lassen sich auch problemlos zu Papier bringen. Sie können aber auch interaktiv auf Displays oder Monitoren ablaufen. 360 Grad Kugelpanoramen sind im Grunde nur digital erlebbar. Sie bieten sich an für virtuelle Führungen durch Räume, Stadien oder auch für Theater und Konzertsäle.

Damit sich die Einzelaufnahmen, beispielsweise für ein Zylinderpanorama einer Landschaft, später optimal zusammensetzen lassen, muss beim Schwenken der Kamera für die versetzt aufzunehmenden Einzelbilder eine Parallaxenverschiebung von Vorder- und Hintergrund vermieden werden. Um sicherzustellen das Vorder- und Hintergrund in den sich überlappenden Teilbildern auch beim Schwenken deckungsgleich abgebildet werden, benötigt der Fotograf ein stabiles Stativ mit Panoramakopf, mit dem sich Kamera und Objektiv um das Zentrum der Eintrittspupille des Objektivs schwenken lassen. In der Panoramafotografie wird fälschlicherweise die Eintrittspupille häufig als Nodalpunkt bezeichnet, um den sich das optische System für eine versatzfreie Aufnahme schwenken lassen sollte. Für die Panoramafotografie ist jedoch das Zentrum der Eintrittspupille der entscheidende Dreh- und Angelpunkt.

Dieser wichtige Punkt muss für jedes optische Aufnahmesystem zunächst einmal ermittelt werden. Dies ist mithilfe relativ einfacher Experimente ziemlich leicht herausfinden und muss für jede Kameraobjektivkombination nur einmal vorgenommen werden. Bei Weitwinkelobjektiven befindet sich die Eintrittspupille meist nur wenige Millimeter hinter der Frontlinse, mit zunehmender Brennweite wandert sie weiter nach hinten. Bei dem experimentellen Herausfinden des Zentrums der Eintrittspupille werden durch Probeschwenks und Verschieben der Kamera auf der horizontalen Achse des Panorama-Adapters senkrechte Strukturen im Vordergrund mit solchen im Hintergrund in Deckung gebracht.

Da die Eintrittspupille sich selten direkt über dem Stativgewinde befindet, werden für die Erstellung verzerrungsarmer, präziser Panoramen spezielle Panoramaköpfe beziehungsweise Nodalpunktadapter zur genauen Positionierung für das versatzfreie Schwenken des Aufnahmesystems benötigt. Mit diesem zwischen Stativ und Kamera montiertem, Zubehör kann die Schwenkachse exakt festgelegt und der Drehpunkt des Aufnahmesystems frei gewählt werden.

Die Größe der Eintrittspupille eines Objektivs, in deren Zentrum ja die Schwenkachse bei der Panoramafotografie verlaufen sollte, erhält man durch das Teilen von Brennweite durch den kleinsten Blendenwert (sprich die größte Blende) des verwendeten Objektivs. Die Lage der Eintrittspupille muss der Fotograf per Experiment erst ermitteln.

Bei aus großer Distanz aufgenommenen Panoramen spielt die genaue Festlegung der Schwenkachse eine untergeordnete Rolle. Die durch den Versatz der Teilbilder entstehenden Geisterbilder lassen sich meist sehr effektiv durch eine gute Stitching-Software eliminieren. Schwierig wird es bei Objekten mit kürzerem Abstand zur Kamera. In jedem Fall ist aber für eine exakte Ausrichtung der Kamera eine integrierte oder eine Aufsteckwasserwaage unentbehrlich. Für natürlich wirkende Panoramen ist es ebenfalls wichtig, Entfernungseinstellung, Blende, Verschlusszeit und Weißabgleich konstant zu halten, also manuell vorzunehmen. Wenn Schärfentiefe oder Farbe in den Teilbildern variieren, fehlt dem zusammengesetzten Fotos, die Homogenität.

Für die sogenannten Reihenpanoramen, einer Variante der Zylinderpanoramen, werden zusätzlich zu den einfachen horizontalen Schwenks auch noch Schwenkreihen mit nach oben gerichteter und/oder nach unten gerichteter Kamera erzeugt. Sehr aufwändig sind die mit HDR-Technik erstellten Panoramen, wo von Teilaufnahmen zusätzlich Belichtungsreihen erstellt werden.

Besonders genau muss der Fotograf den optimalen Schwenkpunkt für die Aufnahmeeinheit bei der Herstellung von Kugelpanoramen wählen. Optimal eignen sich dazu Fisheye-Objektive, mit denen er nur wenige Änderungen der Kameraposition benötigt, um den Rundumblick einzufangen. Gute Panoramaköpfe liefern Rastungen für bestimmte Schrittweiten bei den Schwenks. Damit wird eine ausreichende und gleichmäßige Überlappung der Einzelaufnahmen gewährleistet. Neben der horizontalen Schwenkung der Kamera wird für das Kugelpanorama auch eine nach oben und nach unten benötigt. Da bei einem 360 Grad Rundumblick mit extremen Kontrasten zu rechnen ist, empfiehlt es sich, für besonders beeindruckende Ergebnisse, ebenfalls eine HDR-Reihe zu erstellen.

Aller Anfang in der Panoramafotografie ist leicht. Meist verhilft die Kameraautomatik der jüngsten Modelle schon automatisch zu ansprechenden Ergebnissen. Wer allerdings tief in dieses faszinierende Medium vordringen möchte, der benötigt nicht nur eine manuell einstellbare Kamera, sondern vor allem präzise und stabile Ausrichthilfen als Zubehör.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2012

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