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SW-Crashkurs - In fünf Schritten zum entwickelten Negativ

Viele gestandene Photographen können sich noch gut daran erinnern, wie es war, den ersten selbst entwickelten Film auf die Entwicklungs-Spirale zu ziehen und die Negative auf dem noch nassen Streifen zu betrachten. Dahin zu kommen ist gar nicht so schwer. Immer mehr Hobbyphotographen gehen auch wieder ins Labor, denn Filme selbst zu entwickeln ist nicht schwer, sondern ein Erlebnis und braucht nur wenig Platz. Bis zum ersten Negativ sind es nur fünf Schritte.

Die Zutatenliste ist denkbar kurz. Einen Schwarzweiß-Negativfilm, Entwickler, Stoppbad, Fixierer, Netzmittel, ein Liter demineralisiertes Wasser, eine Entwicklungsdose samt Filmspirale, ein Thermometer - mehr braucht es nicht. Am besten wird das temporäre Labor irgendwo aufgebaut, wo Chemiespritzer keine hässlichen Flecken im Teppich hinterlassen und fließendes Wasser bereit steht. Am besten also in der Küche oder im Bad, wenn kein geeigneter Hobbyraum in der Nähe ist. Der Raum muss nicht abdunkelbar sein, denn Dunkelheit wird nur beim allerersten Schritt benötigt.

Der Film muss aus der Dose in die Filmspirale gewickelt werden. Nur dieser eine Schritt muss im Dunkeln geschehen, da ist es egal, ob der Photograph dazu auf dem Klapphocker im dunklen Heizungskeller sitzt oder im Schrank. Möglich ist das auch in einem ausreichend großen Wechselsack, wie er im Photohandel angeboten wird.

Für Einsteiger in die Filmentwicklung sind Trockenübungen ratsam. Heißt also: einen Film opfern und im Hellen probieren. Zuerst muss der Film aus der Patrone mittels eines speziellen Filmlaschenherausziehers. Anschließend wird das Filmende mit der Schere rund abgeschnitten und in die Filmspirale eingeführt. Danach wird die Spirale gegeneinander gedreht und so der Film aufgewickelt. Je älter der Film, desto widerspenstiger ist er. Wer es sich also leicht machen möchte, nimmt möglichst „frische“ Filme. Ist der Film auf der Spirale, wird das Ende mit dem Kern der Patrone abgeschnitten, das ganze in die Filmentwicklungsdose gepackt und der Deckel aufgesetzt. Dann kann im Hellen weitergemacht werden.

Zuerst wird der Entwickler benötigt. Es sind verschiedene Entwicklerkonzentrate oder Pulverentwickler auf dem Markt, die unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Zum Ausprobieren beziehungsweise für Einsteiger ist ein Konzentrat zunächst besser. Bei Pulver muss immer die gesamte Menge angerührt werden. Wie der Entwickler anzusetzen ist, ist auf der Verpackung angegeben beziehungsweise dem Filmdatenblatt zu entnehmen. Für verschiedene Verdünnungen gelten unterschiedliche Entwicklungszeiten. Alle Filmhersteller bieten die Datenblätter auf ihren Internetseiten zum Download an. Bei der Mengenangabe wird angegeben, wie viele Teile Konzentrat zu wie vielen Teilen Wasser kommen. Bei 1+4 beispielsweise ergeben 100 ml Konzentrat und 400 ml Wasser einen halben Liter Gebrauchslösung. Entwickelt wird in der Regel bei 20 Grad. Vorher also die Temperatur des Konzentrats überprüfen und dann die Temperatur des Wassers so wählen, dass beides am Ende 20 Grad ergibt. Im Bedarfsfall kann die Lösung im Wasserbad angewärmt oder gekühlt werden.

Dann kann es losgehen. Den Entwickler zügig eingießen, Deckel auf die Dose und dann auf den Kopf stellen. Nicht zu schnell, sonst schäumt der Entwickler. Zum Ausprobieren sollten die ersten 30 Sekunden durchgehend gekippt werden, dann die ersten zehn Sekunden jeder Minute Entwicklungszeit. Wichtig ist nicht das genaue Einhalten der Zeit, sondern einen gleichmäßigen und wiederholbaren Rhythmus zu finden. So erhält der Photograph immer die gleichen Ergebnisse. Der Kipprhythmus hat entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Films.

Zehn Sekunden vor Ende der Entwicklungszeit den Entwickler ausgießen und sofort Stoppbad eingießen (natürlich auch vorher entsprechend der Vorschrift angesetzt, kein Konzentrat einfüllen!). Saures Stoppbad unterbricht die Entwicklung augenblicklich. Eine knappe Minute ständig langsam kippen. Dann Stoppbad ausgießen (kann wieder verwendet werden) und den Fixierer eingießen. Beim Fixieren sollte hin und wieder gekippt werden. Die Fixierzeit ist je nach Produkt unterschiedlich und in der Regel auf der Verpackung angegeben. Flachkristallfilme sollte man etwa ein Drittel länger fixieren lassen. Die Fixierzeit ist auch leicht selbst zu ermitteln. Man nimmt (bei Tageslicht) ein Stückchen unentwickelten Film. Das kann die zu Beginn abgeschnittene Lasche sein. Dieses Stück gibt man in den Fixierer und misst die Zeit, bis der Film klar ist (Klärzeit). Fixierzeit ist die doppelte Klärzeit, bei Flachkristallfilmen die dreifache Klärzeit. Auch das Fixierbad kann mehrfach verwendet werden. Die Kapazität ist jeweils angegeben und sollte nicht überschritten werden. Stoppbad und Fixierbad sollten etwa 20 Grad haben, gleiches gilt für die Wässerung.

Jetzt fehlt nur noch die Schlusswässerung. Anstatt der früher üblichen Wasserfall-Methode mit riesigem Wasserverbrauch wird heute nach der so genannten Ilford-Methode gewässert. Dazu wird Wasser eingefüllt, fünfmal gekippt, ausgegossen. Dann neues Wasser nehmen, zehnmal Kippen, das gleiche noch mit 15 und 20 Mal Kippen, jeweils mit frischem Wasser, fertig. Zur Schlusswässerung wird der Film aus der Dose genommen und in Netzmittelbad mit demineralisiertem Wasser (gibt es in Supermärkten und Drogerien) gebadet. Nach einer Minute kann der Film tropfnass an einem staubfreien Platz aufgehängt werden. Den nassen Film nicht abstreifen! Es gibt zwar Filmabstreifer, aber schon ein Sandkorn kann einen riesigen hässlichen Kratzer („Telegraphendraht“) hinterlassen und den ganzen Film ruinieren. Jetzt heißt es nur noch warten bis der Film trocken ist und dann kann es an das Vergrößern gehen. Nach dem Entwickeln Hände waschen nicht vergessen und die gebrauchte Chemie der Schadstoffsammlung zuführen.
 

Fotografieren in der Praxis 01 / 2008

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