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Sankt Martin - Ran an die Kamera

Am 11. November ist es wieder soweit mit dem alljährlichen Martinstag, der Gedenktag des heiligen Martin von Tours. In Mitteleuropa ist dieser Tag von zahlreichen Bräuchen, wie dem Martinsgansessen, dem Martinszug und dem Martinssingen, geprägt. Ein Eldorado für jeden Fotografen.

Zum geschichtlichen Hintergrund

Schaut man in die Bücher, so lag der Martinstag zunächst am Beginn der vierzehntägigen Fastenzeit ab dem 11. November, die vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein – in den orthodoxen Kirchen teilweise heute noch – vor Weihnachten begonnen wurde. Daneben war der Martinstag auch der traditionelle Tag des Zehnten – die Steuern wurden früher in Form von Naturalien, wie unter anderem Gänsen, beglichen, da die bevorstehende Winterzeit das Durchfüttern der Tiere nur in einer eingeschränkten Zahl möglich machte. Landpachtverträge beziehen sich auch heute noch häufig auf „Martini“ als Anfangs- und Endtermin der Bewirtschaftungsperiode.

Bräuche – Lohnende fotografische Motive

In vielen Regionen Deutschlands sind Umzüge zum Martinstag üblich. Kinder ziehen in Gedenken mit Laternen durch die Straßen der Dörfer und Städte. Begleitet werden sie vielfach von einem auf einem Schimmel sitzenden und als römischer Soldat verkleideten Reiter, der mit einem roten Mantel den Heiligen Martin darstellt. Laternenumzüge in überzeugenden Aufnahmen abzulichten, ist nicht ganz so leicht. Die größte Herausforderung für den Fotografen liegt darin, die natürliche Stimmung von sehr schwachem Kerzenlicht einzufangen. Eigentlich ist das Licht viel zu schwach zum Fotografieren.

Auf den Blitz sollte nach Möglichkeit verzichtet werden. Stattdessen sollte man sich der Herausforderung stellen, aus dem vorhandenen Licht das Beste zu machen. Das Zauberwort heißt Available-Light-Fotografie. Die hohen Empfindlichkeiten moderner Sensoren, in Verbindung mit den weit verbreiteten Bildstabilisatoren in Kameras, erlauben durchaus ein paar Versuche, den Martinszug aus der Hand zu fotografieren. Wichtig auch hier: ISO-Einstellung hochsetzen und „ran ans Motiv“. Wenn zum Schein der Laterne ein wenig zusätzliches Licht, etwa von einer Straßenlampe oder aus einem Schaufenster, kommt, könnte es für ein gelungenes Bild ausreichen. Es ist dabei gar nicht schlimm, wenn sich ein Teil des Zuges bewegt. Die Wischeffekte bringen Dynamik ins Bild. Hauptsache, das zentrale Motiv – das eigene Kind – hält einen Moment still. Gar nicht aus der Mode sind für solche Einsätze Stative. Gerade zu Beginn und am Ende eines Martinsumzugs, wenn die Kleinen noch stillstehen, können Aufnahmen vom Stativ die besten Ergebnisse bringen. Da die Kamera ruht, spielt Verwacklung keine Rolle, die Belichtungszeiten können so lange wie nötig sein und sorgen garantiert für eine tolle Nachtstimmung. Lediglich die Eigenbewegung der Kinder kann noch zu Unschärfen im Bild führen. Wie immer beim Fotografieren gilt hier: Viele Bilder machen und später die besten raussuchen.

Natürlich kann auch der Blitz zum Einsatz kommen. Damit erhält man dann zwar scharfe Aufnahmen ohne Verwacklungen, aber der Frontalblitz bei Nacht führt dazu, dass die Kinder in der ersten Reihe stark angestrahlt wirken, und alle dahinter in der Finsternis untergehen. Zudem wird gerade das Kerzenlicht der Laternen, das man einfangen möchte, leicht weggeblitzt. Damit die Stimmung nicht ganz verloren geht, sollte der Fotograf so nah wie nur möglich ans Motiv herangehen. Dann versucht die Kameraautomatik auch nicht, die gesamte Straße mit Licht zu fluten, sondern stimmt die Lichtmenge auf die Kinder ab, die das Bildformat möglichst ausfüllen sollten. Eine hohe Empfindlichkeitseinstellung (ISO) sorgt dafür, dass viel vorhandenes Licht genutzt werden kann. Sofern es die Kamera zulässt, lohnt es sich auch, die Blitzleistung beziehungsweise die gesamte Belichtung etwas zu drosseln. Leichte Unterbelichtungen können bei Nachtaufnahmen natürlicher erscheinen. Direktes Blitzlicht wirkt oft kalt und hart. Für externe Blitzgeräte gibt es Aufsätze (Weichmacher), die das Licht streuen (soften) und sogar die Farbgebung zu wärmeren Gelbtönen verändern können.

Wenn es die Verkehrssicherheit erlaubt, sollte man seinem Kind während des Umzugs eine Oberbekleidung ohne Reflektoren anziehen oder die Leuchtstreifen notfalls vorübergehend mit schwarzem Klebeband überkleben. Reflektoren sind nämlich Gift für jede Blitzaufnahme. Diese werfen so viel Licht zurück ins Objektiv, dass grellweiße Flecken auf den Aufnahmen entstehen.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2011

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Franz Cavallo

Franz Cavallo