Smartphone-Fotografie 10 Tipps für bessere Bilder

In der Sekunde macht es allein in Deutschland über 2.000 Mal „Klick“. Viele dieser Klicks stammen von Smartphones, die als „Immer-Dabei-Kamera“ gelten und mit denen heute Motive eingefangen werden, die zuvor nie festgehalten worden wären, weil man seine Kamera nicht mit dabei hatte. Wie unsere Smartphone-Verbraucherumfrage im Sommer 2013 ergab, an der knapp 1.400 Personen aller Altersklassen teilgenommen haben, nutzen 82 Prozent der Smartphone-Besitzer die Fotofunktion. Auch, wenn Kompaktkameras mit einem großen Zoombereich, kompakte System- oder Spiegelreflexkameras den Smartphones technisch völlig überlegen sind, so lassen sich mit Smartphones tolle Impressionen einfangen, wenn das Maximum an Leistung aus der kleinen Linse herausgeholt wird. Folgende 10 Smartphone-Fototipps, die das Experten-Team von www.leinwandfoto.de zusammen gestellt hat, wurden von uns noch etwas erweitert.

1. Linse säubern mit weichem Tuch

Typische Smartphone-Objektive haben meist nur ein paar Millimeter Durchmesser. Die kleinste Unreinheit wirkt sich hier schon störend aus. Ein kurzer Blick auf die Linse vor dem Knipsen ist wichtig, da das Gerät in der Tasche auch mal dreckig wird. Zum Säubern eignen sich weiche Tücher, wie feine Mikrofaser, nicht-fusselnde Baumwolle oder flauschige Brillenputztücher vom Optiker. Bitte keine Papiertaschentücher, denn die zerkratzen die Optik.

2. Auflösung und Bildqualität auf Maximum

Damit die Fotos später auf größeren Displays oder als Fotodruck nicht pixelig wirken, sollte das Gerät immer auf maximale Auflösung und höchste Bildqualität eingestellt sein. Die bessere Bildqualität erleichtert auch eine spätere Nachbearbeitung mit Fotosoftware. Tipp für Smartphones mit SD-Speicherkarten-Slot: Am besten für Situationen, in denen viel geknipst wird, eine leere Speicherkarte zum Wechseln dabei haben.

3. Mehrmals knipsen und hinterher aussortieren

Am besten immer gleich mehrere Fotos vom selben Motiv schießen und später die Nieten aussortieren. Manche Smartphones oder Foto-Apps bieten auch die Möglichkeit, eine automatische Bilderserie mit einem Knopfdruck aufzunehmen – auch Rapid-Fire oder Burst-Modus genannt.

4. Smartphone immer zweihändig bedienen

Smartphone mit zwei Händen stabilisieren
Ein sehr häufiges Problem sind verwackelte oder verwischte Fotos. Deshalb sollte das Smartphone möglichst mit beiden Händen festgehalten werden. Im Querformat lässt sich das Smartphone sehr gut mit beiden Händen stabilisieren und mit einem Daumen bedienen. Dabei mit den Augen etwas näher ans Display, um den Bildausschnitt genau zu prüfen. Ruhig ein und ausatmen, ergonomische Körperhaltung wahren und abdrücken. Tipp: Es gibt auch kleine Stative für Smartphones, die in jede Jackentasche passen.

5. Licht und Kontrast: Blitzeinstellung und ISO nicht der Automatik überlassen

Die Hauptlichtquelle sollte sich grundsätzlich hinter dem Fotografen befinden. Smartphone-Kameras sind besonders von der Lichtsituation abhängig. Bei wenig Licht führt das Bildrauschen zu einer Art digitalem Schneesturm, der das Bild körnig und unsauber erscheinen lässt. Wer dennoch eine schummerige Stimmung einfangen möchte, sollte möglichst auf den Blitz verzichten und den ISO-Wert herunter regeln. Die Lichtempfindlichkeit (ISO) lässt sich auch bei vielen Smartphone-Kameras über „Helligkeit +/-“ entsprechend einstellen. Bei Dunkelheit kann das Restlicht durch einen Nachtmodus oder eine entsprechend längere Belichtungszeit verstärkt werden. In diesem Fall das Smartphone beim Auslösen auch länger ruhig halten oder ein kleines Stativ einsetzen. Wenn nur die Personen oder Objekte im Vordergrund wichtig sind, besser ohne Nachtmodus den Aufhellblitz verwenden – der beleuchtet wie eine LED-Taschenlampe das Motiv vor und nach dem Auslösen.

High Dynamic Range und Makrofotos: Mit der App HDR Camera können Android-Smartphones sogar softwaregestützt hohe Bildkontraste ausgleichen. Die App errechnet automatisch aus zwei Fotos ein Bild, was z. B. den sehr hellen Himmel im Hintergrund und das dunklere Gebäude im Vordergrund in Einklang bringt. Ambitionierte Smartphone-Fotografen können schöne Effekte erzielen, wenn sie gezielt eine kleine LED-Lampe einsetzen. Diese wirkt bei Nahaufnahmen mit der Einstellung „Makros“ besonders gut.

6. Zoomen mit den Beinen

Wenn ein Motiv zu weit weg ist, sollte man nach Möglichkeit näher ran, das heißt „mit den Beinen zoomen“. Vom eingebauten digitalen Zoom am besten ganz die Finger lassen, denn dieser bringt nichts, weil die Aufnahmen nur hochgerechnet und dadurch pixliger werden. Hat das Smartphone bereits ein Miniobjektiv, vergrößert der optische Zoom hingegen das Bild ohne Verlust an der Auflösung. Immer mehr Hersteller bieten übrigens kleine Objektive an, die vor die Smartphone-Optik gesetzt werden kann und mit denen sich der fotografische Spielraum vergrößern lässt.

7. Porträts auf Augenhöhe

Schauen die Personen in die Linse, sollten sie mit den Augen einen Punkt knapp darüber fixieren. Kinder und sitzende Personen immer auf gleicher Augenhöhe fotografieren, also „auf die Knie“. Für Porträts möglichst weiches, warmes und indirektes Licht verwenden, um ungewollte Schatten oder geblendete Augen vorzubeugen.

8. Das Motiv: Weniger ist mehr

Je einfacher die Bildkomposition, desto ansprechender wirkt das Foto auf den Betrachter. Wichtige Details gehen im großen Bildausschnitt verloren. Also nicht versuchen, zu viele Personen, Gegenstände und Eindrücke auf ein Foto zu quetschen. Ein Hingucker pro Aufnahme reicht oft. Tipp zum Maßstab: Wenn das Motiv ein großes Kunstwerk oder ein Monument wie das Brandenburger Tor ist, wirken die wahren Größenverhältnisse erst, wenn eine Person oder ein Gegenstand mit im Bild sind. Dadurch wird für den Betrachter erst klar, welche Dimension das große Objekt hat.

9. Bildkomposition: Klassische Drittelregel

Berlin-Motiv Drittelraster
Fotos wirken langweilig, wenn das Hauptmotiv genau in der Mitte liegt. Bei der Drittelregel teilt man das Display gedanklich horizontal und vertikal in jeweils drei Drittel: Es entstehen 3 × 3 gleichgroße Felder. Nun orientiert sich der Fotograf an einem der vier Eckpunkte des mittleren Feldes, um dort in der Nähe das Hauptmotiv zu positionieren. Im Gesamtmotiv bereits vorhandene natürliche Linien wie der Horizont oder ein Baum im Vordergrund sollten idealerweise an den Drittellinien des gewählten Eckpunkts ausgerichtet werden. Im Beispielbild wirkt das Bild interessanter, wenn der Berliner Fernsehturm etwas weiter links, noch näher an der senkrechten Linie liegt. Tipp: Symmetrische Formen und Muster oder sich wiederholende Linien bilden manchmal einen schönen Blickfang. Türen, Fenster oder Toreinfahrten etc. wirken als natürlicher Rahmen oft interessant.

10. Fokuspunkt und gewollte Unschärfe

Manche Smartphones oder Foto-Apps bieten die Möglichkeit, den Belichtungspunkt unabhängig vom Fokus zu setzen. Diese Funktion verhindert zusätzlich, dass in schwierigen Lichtsituationen Bereiche über- oder unterbelichtet werden. Wer ein sogenanntes Bokeh erzeugen möchte, kann diese ästhetisch-unscharfen Bildbereiche durch Fokussieren auf Objekte im Vordergrund mit mindestens zwei bis drei Metern Abstand erzeugen. Trend-Thema Tilt-Shift: Diese Funktion bieten neuere Apps und ermöglichen gezielte Unschärfen, die ein Stadt-Panorama wie eine Modellbaulandschaft aussehen lassen.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2013

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