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Tiefenstaffelung - Bildaufbau - Tiefenwirkung

Die reale Welt hat drei Dimensionen - wenn man Einsteins (inzwischen mehrfach bewiesene) Relativitätstheorie berücksichtigt, sogar mindestens vier. Ein Foto hingegen kennt nur zwei Richtungen: lange und kurze Seite. Trotzdem ist es möglich, durch geschickten Bildaufbau in Aufnahmen Tiefe zu suggerieren. Lichtet man beispielsweise Bäume ohne Tiefenwirkung ab, so sind nur noch Stangen im Bild - Eine neben der anderen, alle irgendwie gleich und dazwischen ein bisschen Unterholz. Das sieht oft mehr nach Gefängnis als nach Wald aus. Wer aber den Wald selbst zeigen will, der muss sein Bild gestalten, indem Vorder- und Hintergrund bewusst ins Bild mit einbezogen werden. Nur so entsteht Tiefe - die dritte Dimension.

Raum schafft zunächst einmal das richtige Objektiv. Ein Weitwinkel erzeugt Aufnahmen, die Größe vermitteln. Für großräumige Aufnahmen sollte der Fotograf also eine kurze Brennweite wählen und lieber einige Schritte näher ans Motiv rangehen. Eine Diagonale im Bild ist nicht nur eine Standard-Empfehlung, sie sorgt außerdem dafür, dass sich vor dem Betrachter die Tiefe des Raums öffnet. Die Diagonale bringt die dritte Dimension ins Foto. Klassische Beispiele für Diagonalen sind schräg ins Bild laufende Zäune oder auch Straßen. Verstärken lässt sich die Wirkung solcher Diagonalen zudem durch Schatten, die zum Beispiel Zäune werfen.

Zurück im Wald sind Schatten ein eher untaugliches Mittel. Bevorzugtes Licht für Fotos im Wald ist bedeckter Himmel, denn die Schatten der Bäume bei Sonnenschein sind so gut wie nicht kontrollierbar. Durch sie entstehen helle und dunkle Flächen im Bild, die eine Gestaltung fast unmöglich machen. Es gibt aber ein anderes natürliches Hilfsmittel, um die dritte Dimension im Bild sichtbar zu machen: Nebel. Denn wenn die entfernten Baumreihen immer blasser werden und schließlich im Nebel verschwinden, ist das geradezu die perfekte Situation für eine wirkungsvolle Tiefenstaffelung.

Das Betonen eines weiten Vordergrunds kann ebenfalls Tiefe vermitteln. Wenn die Bäume erst in einiger Entfernung auftauchen sieht der Betrachter des Bildes, dass sie weit weg sind, er sieht den Raum. Auch das bewusste Anschneiden von Bildinhalten verdeutlicht Größe. Allerdings darf dabei kein Bildrätsel entstehen - das Hauptmotiv muss auch mit Beschnitt noch klar erkennbar bleiben.
 

Fotografieren in der Praxis 01 / 2010

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Tiefenstaffelung, Moritz Maler

Moritz Maler