Tierfotografie: Bellos Bremsmanöver - So geht's

Schnappschüsse von Tieren können irrsinnig lustig sein. Wenn auf der eingefangenen Aufnahme nicht das rüberkommt, was man selbst mit dem Vierbeiner erlebt hat, liegt es meist an zu großer Entfernung zum Tier, einer wenig spannenden Perspektive oder auch Bildfehlern wie zu starker Bewegungsunschärfe.

© Blende, Stefanie Kisbauer, Don´t fall!
© Blende, Stefanie Kisbauer, Don´t fall!
Das Bremsmanöver des Hundes, eingefangen von der Blende-Teilnehmerin Stefanie Kisbauer, dagegen spricht den Betrachter sofort an und das liegt vor allem der scheinbaren Nähe. Diese wiederum entsteht zunächst durch tatsächliche Nähe. Der Hund als Hauptmotiv geistert nicht irgendwo klein durchs Bild, sondern dominiert die Szene. Die Sehgewohnheiten im Alltag täuschen uns gerne, gaukeln vor, dass wir Dinge viel näher sehen. Dabei konzentriert sich das Gehirn bloß auf das Objekt und sorgt für eine Art „Tele-Blick“. Aufnahmen mit Normalbrennweiten und vor allem mit Weitwinkeloptiken, wie sie auch in Smartphones den Standard bilden, zeigen dann erschreckend viel Drumherum – und ein kleines Hauptmotiv, das eben noch so groß gewirkt hat. Die Lösung: Entweder noch näher ran ans Motiv gehen oder – wenn möglich – dieses heranzoomen. Hier bitte nur den optischen Zoom verwenden und nicht den Digitalzoom, der nur die Bildpixel rechnerisch vergrößert.

Ebenso wichtig für die gefühlte Nähe zum Hund ist die Perspektive aus einem tiefen Standpunkt. Der Hund ist nicht „von oben herab“ fotografiert, sondern „auf Augenhöhe“. Die Begriffe, die üblicherweise zwischenmenschlichen Beziehungen beschreiben, verdeutlichen, worum es geht: Der Standpunkt schafft eine Aussage. Hier ist es Nähe und Dynamik, die dadurch entstehen, dass sich der Betrachter scheinbar in der Bewegungsebene des Hundes befindet. Tipp am Rande: Auch bei Kinderbildern so oft wie möglich in die Hocke gehen, um genau diese Nähe zu schaffen.

Das Bild ist noch aus einem weiteren Grund ansprechend: Technische Fehlerfrei ist ein wichtiges Gestaltungsmittel, denn die Schärfe ist perfekt eingesetzt. Die Schärfetiefe, als ein Aspekt der Schärfe, ist so gewählt, dass der wichtigste Teil des Hundes, also Augen und Schnauze, knackscharf sind. In den Hintergrund übergehend wird das Bild leicht unscharf. Das konzentriert den Blick auf den Ausdruck des Hundesgesichts. Man erreicht es durch weites Öffnen der Blende (= kleine Blendenzahl). Zudem ist die Bewegungsunschärfe so dosiert, dass der Kopf mitsamt der Mimik eingefroren ist, aber der Sand, den die Beine aufspritzen lassen, leicht in Bewegung zu sein scheint. Das verstärkt die Dynamik im Bild und lässt sich erreichen durch eine kurze, aber nicht zu kurze Belichtungszeit. Überhaupt muss man für solche Schnappschüsse mit den Kameraeinstellungen herumexperimentieren und in der „Dauerfeuer“-Einstellung möglichst viele Bilder in einer solchen Sequenz schießen. Lange Fotostrecken und eine hohe Ausschussquote sind in der Action- und Sportfotografie üblich. Deswegen gehört in den Karten-Slot immer eine ordentlich große Speicherkarte und in die Fototasche ein Ersatzakku. Wenn unter 1.000 Bildern ein solcher Glücktreffer ist, hat sich die Mühe schon gelohnt.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2016

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