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Tierfotografie - Insekten im Flug

Insekten üben auf den Menschen eine große Faszination aus – auch, wenn der eine oder andere mit Unbehagen auf die Sechsbeiner reagiert. Fotografisch stellen Insekten eine Herausforderung dar, denn es ist kein Leichtes, sie in ihrer vollen Bracht wirkungsvoll abzubilden. Der Fotograf hat mit der Problematik zu kämpfen, dass sich viele Insekten im Flug enorm schnell bewegen, weshalb kurze Belichtungszeiten ein Muss sind. Hinzu kommt, dass der Einstellweg der Objektive im Nahbereich zu lang ist, als dass der Autofokus dem Tier folgen könnte. Ein weiteres Problem für den Fotografen ist zudem, dass es extrem schwer ist, dem Insekt im Sucher zu folgen. Um seinem Ziel einer wirkungsvollen Aufnahme näher zu kommen, gibt es drei Methoden.

Viele Fotografen greifen auf die Fokusserie zurück, wenn sie Insekten im Flug ablichten. Wer diese Methode wählt, dessen Kamera sollte über eine hohe Bildwiederholungsfrequenz von mindestens fünf Bildern pro Sekunde – besser sind jedoch acht oder mehr Aufnahmen pro Sekunde – verfügen. Hinzu kommt ein großer Pufferspeicher, damit in Serie aufgenommen werden kann. Der Autofokus wird nicht benötigt, denn das Fokussieren sollte der Fotograf übernehmen. Dieser sollte zunächst auf die gewünschte Stelle fokussieren, die vor oder auch hinter dem fliegenden Insekt liegen kann. Die Fokussierung muss nicht genau erfolgen. Anschließend wird der Auslöser betätigt und manuell fokussiert während die Kamera die Aufnahmen macht. Bei dieser Vorgehensweise wird mit etwas Glück sicherlich die ein oder andere Aufnahme dabei sein, die zu überzeugen versteht.

Eine weitere Methode, Aufnahmen von Insekten im Flug zu erhalten, ist die Verwendung einer stationären Lichtschranke. Diese sind erhältlich als fertige Sets oder als Baukasten. Die Kamera löst dann aus, wenn das Insekt die Lichtschranke durchfliegt. Die Belichtung erfolgt hierbei durch Blitzgeräte wodurch kurze Belichtungszeiten gewährleistet sind. Mit dieser Methode gelingen beeindruckende Aufnahmen. Ethisch Fragwürdig ist diese Methode in jedem Fall denn die Insekten müssen gefangen und in der Konstruktion eingesperrt werden bis sie wieder durch einen Tunnel mit Lichtschranke in Freiheit gelangen. Ratsamer ist da eine mobile Lichtschranke in Eigenbau bestehend aus Kamera, Blitzträger, Schwanenhälsen für die Blitzgeräte, einem Rahmen für die Bildfeldbegrenzung und einer Lichtschranke. Zur Aufnahme wird die Konstruktion sozusagen über das Insekt gestülpt. Sobald das Tier durch die Lichtschranke fliegt, löst die Kamera aus. Beim Einsatz von vielen Blitzgeräten – die Blitzautomatik sollte ausgeschaltet sein – kann auch die Serienbildfunktion verwendet werden. Der Einsatz von mobilen Lichtschranken hat den Nachteil, dass der Fotograf nur geringen Einfluss auf die Bildgestaltung hat. Hinzu kommt, dass je nach Lichtverhältnissen die Belichtung des Hintergrunds, die durch das Umgebungslicht erzeugt wird, und die Belichtung des Vordergrunds, die durch die Blitzgeräte erzeugt wird, oftmals nicht harmonieren. Aber auch der Weißabgleich zwischen Vorder- und Hintergrund ist getrennt, der mit Masken im Photoshop optimiert werden muss.

Eine weitere Option für den Fotografen stellt die Vorfokussierung da. Sie bietet den großen Vorteil der Bildgestaltung, die mit der Fokusserie und der Lichtschranke nicht möglich sind. Bei dieser Methode der Vorfokussierung muss zunächst der passende Kamerastandort gewählt werden. Am besten sind Stellen geeignet an denen die Insekten immer und immer wieder vorbeikommen. Wird mit Stativ fotografiert, was bei Brennweiten von mehr als 200 mm mehr als ratsam ist, so sollte bevorzugt ein Kugelkopf zum Einsatz kommen der nicht verriegelt ist. Dies bietet den großen Vorteil von sehr schnellen Kamerabewegungen. Sind die Vorbereitungen abgeschlossen so wird manuell auf die Stelle fokussiert, an der das fliegende Insekt immer wieder vorbei kommt. Anschließend wird der Autofokus aktiviert und dann heißt es warten, bis sich das Tier im Bildfeld befindet. Je nachdem wie gut der Fotograf geschätzt hat ist das Insekt relativ scharf und der Autofokus muss nur noch wenige Millimeter oder Zentimeter scharfstellen. Die Methode der Vorfokussierung bietet sich besonders für das Ablichten von Libellen an. Beim fotografieren von Bienen sollte bei dieser Methode der Autofokus am besten deaktiviert werden, da die Einflugschneise der Bienen meist in Richtung Blüten erfolgt und so schon genau fokussiert werden kann. Für Schmetterlinge ist das Verfahren ungeeignet, da der Autofokus durch den Flügelschlag irritiert ist.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2011

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Herbstmosaikjungfer im Flug

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Hummel in Startposition

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Norbert Volkmann

Radarkontrolle

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