Bildleiste

Wasser - Ein Element, unendliche Möglichkeiten

Der größte Teil unseres Planeten ist mit Wasser bedeckt. Rund zwei Drittel der Landfläche liegt unter den Weltmeeren und einigen großen Seen verborgen. Wasser begegnet uns überall - morgens beim Zähneputzen, im Regen und am Strand sowieso. Und Wasser bietet tausend Möglichkeiten, es zu fotografieren.

Wasser sieht selten gleich aus. Ein schäumendes Meer wirkt ganz anders als ein ruhiger See im Morgenlicht, ein reißender Wasserfall hat Wucht und Kraft, ganz anders als ein tropfender Wasserhahn mit seiner Eleganz einzelner Tropfen. Es liegt also am Fotografen, das Wasser so ins Bild zu bringen, wie es auch in echt wirkt. Der Schlüssel dazu liegt in der Verschlusszeit.

Die möglichen Verschlusszeiten bei den meisten Kameras liegen zwischen unendlich (Bulb) oder zumindest 30 Sekunden und 1/4.000 Sekunden, manchmal sogar nur 1/8.000 Sekunde. Und genau im Bereich dieser Extreme liegen die Verschlusszeiten, die für das Fotografieren von Wasser interessant sind. Dazu bedarf es etwas Zubehör: Filter, Stativ, manchmal ein Schutz gegen die Nässe.

Ein Wasserfall beispielsweise fließt schnell, er rauscht und wirkt oft gewaltig. Nun gehört das Rauschen in den Bereich der Filmerei (wohl dem, dessen Kamera auch Videos aufnehmen kann), dennoch kann diese Bewegung des Wassers mit simplen Mitteln eingefangen werden: mit einer langen Verschlusszeit. „Lang“ heißt in diesem Fall etwa ab einer halben Sekunde aufwärts. Je länger, umso verwischter wird das Wasser. Irgendwann verliert der Wasserfall seine Kraft wieder und erscheint nur noch als feiner Nebelschleier in der Landschaft.

Lange Belichtungszeiten werden in erster Linie durch das Schließen der Blende (hohe Blendenzahl) erreicht. Klar, dass die Empfindlichkeit von Sensor oder Film möglichst tief gewählt wird. Ein stabiles Stativ tut not und wenns auch bei geschlossener Blende noch zu hell ist, muss ein Filter her. Ein normales Polarisationsfilter schluckt bis zu zwei Blenden, wer noch längere Verschlusszeiten will, greift zu einem neutralgrauen Filter (ND). Qualitativ gute Filter verursachen dabei keinen Farbstich. Damit lassen sich dann auch am Meer vom Wasserschleier überzogene Steine bei tief stehender Sonne fotografieren.

Ruhiges Wasser wirkt vor allem dann ruhig, wenn der Fotograf eine tiefe Position einnimmt. In Verbindung mit einem Weitwinkelobjektiv vergrößert sich die fotografierte Fläche optisch noch. Und auch bei stillem Wasser ist ein Polarisationsfilter überaus hilfreich. Zum einen kann mit ihm auf den Grund eines Gewässers fotografiert werden, indem die Spiegelung von der Wasserfläche eliminiert wird. Andererseits kann es aber auch dazu genutzt werden, die Spiegelung auf der Wasseroberfläche zusätzlich zu verstärken. So kann das Wasser als Projektionsfläche für den Himmel, Berge oder eine Skyline genutzt werden.

Geht der Horizont waagerecht durch das Bild (was er in jedem Fall sollte, sonst sieht es später so aus, als würde das Wasser auslaufen) kann überdies noch ein Verlaufsfilter eingesetzt werden, um große Helligkeitsunterschiede zwischen Wasser und Himmel auszugleichen.

Der oben beschriebene Effekt eines Weitwinkelobjektivs funktioniert natürlich auch bei bewegtem Wasser. So kann aufspritzende Gischt aus der Nähe fotografiert sehr eindrucksvoll wirken. Allerdings sollte dann die Kamera in ein wasserdichtes Gehäuse gepackt werden. Sonst kann die nächste Welle die letzte sein. Wenn Gischt, beispielsweise auch von landenden Wasservögeln, fotografiert werden soll, muss die Verschlusszeit möglichst kurz gewählt werden. Dazu wird die Blende weit geöffnet (kleine Blendenzahl) und gegebenenfalls die Empfindlichkeit von Sensor oder Film erhöht.

Wasser ist zwar vor allem im Sommer ein Thema, kann aber auch im Winter fotografiert werden. Eiszapfen sind überaus fotogene Objekte. Bei denen lohnt es sich auch, ein wenig mit künstlichem Licht zu experimentieren. Ein entfesselter Blitz, der über Funk ausgelöst wird und gegebenenfalls auf einem Stativ steht, bietet hier viele Gestaltungsmöglichkeiten. Und wenn es nur regnet, dann sind Wassertropfen das eine oder andere Bild wert. Am besten mit einem Makroobjektiv beziehungsweise der Makroeinstellung an der Digitalkamera aufgenommen.
 

Fotografieren in der Praxis 08 / 2010

Bewerten 67

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren






* Diese Felder müssen ausgefüllt werden

Moritz Maler

Moritz Maler

Moritz Maler

Moritz Maler