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Wem gehört die Stadt? Fotografieren - erlaubt, verboten?

Über Jahrhunderte haben Maler die Abbilder der schönsten Schlösser, Burgen oder Kirchen mit Pinsel und Farbe auf Leinwand gebannt. Albert Weisgerber malte im 19. Jahrhundert den Englischen Garten in München, Johann Georg Hamilton ein Ölgemälde der Rebhühner im Park Schönbrunn oder Carl Blechen das Palmenhaus auf der Pfaueninsel bei Potsdam. Dafür ernteten sie viel Lob und die Öffentlichkeit kann ihre Werke bis heute in Sammlungen und Museen bewundern.

Herrliche Zeiten wie sie lange Zeit auch die Fotografen genossen, wenn sie Bauwerke oder Parks mit ihrer Kamera abbildeten. Doch seit einigen Jahren setzt sich vermehrt die Praxis durch, dass viele Gebäude und Einrichtungen nicht ohne Erlaubnis fotografiert und schon gar nicht deren Bilder verwertet werden dürfen. Kann man diese Verbote bei Privatbesitz noch nachvollziehen, ist diese Verfahrensweise bei öffentlichen Einrichtungen schwer zu verstehen. Ein Beispiel ist der Englische Garten in München: Ihn verwaltet die Bayerische Seen- und Schlösserverwaltung, die ausschließlich das Fotografieren zu privaten Zwecken erlaubt und es ansonsten nur nach Genehmigung gestattet. Dabei hatte es doch Kurfürst Karl Theodor einst so gut gemeint, als er den einstigen Militärgarten nach seiner Anordnung in einen Volksgarten umwandeln ließ.

Über die Fotografiererlaubnis kam es zwischen der staatlichen Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und Fotografen zum Rechtsstreit. Die Fotografenseite wird dabei unter anderem von Verbänden und der Gewerkschaft verdi unterstützt. Es geht dabei um die Frage, ob der Staat öffentliches Eigentum in eine Stiftung überführen darf, um damit zu verhindern oder zu regulieren, wer auf dem Gelände welche Fotos macht und was mit diesen Fotos geschieht. Nach Meinung der Rechtsvertreter überwiege bei einer staatlich getragenen Einrichtung wie der Schlösserstiftung im Zweifel die im Grundgesetz garantierte Pressefreiheit über etwaige privatrechtliche Schutzansprüche.

Erlaubt, verboten?

Wer heute mit seiner Kamera unterwegs ist, sollte nicht nur sein Motiv im Auge haben, sondern auch die Bildrechte, die er eventuell mit der Aufnahme verletzt. Für Gebäude, Parks oder beispielsweise Tiergärten gilt das Hausrecht, das es der Institution oder dem Besitzer erlaubt, das Fotografieren zu verbieten. Das Verbot greift aber nicht, wenn das Gebäude oder der Park von öffentlichen Straßen aus fotografiert wird. Hier gilt die Panoramafreiheit. Sie ist aber auch eingeschränkt, wenn Kunst fotografiert wird, die nicht auf Dauer installiert ist, wie es zum Beispiel bei dem von Christo verhüllten Reichstag in Berlin der Fall war. Dauerhaft an öffentlichen Straßen und Plätzen befindliche Werke dürfen ohne Genehmigung auch für gewerbliche Zwecke fotografiert werden.

In den Innenräumen von Museen, Schlössern und Kirchen darf selten ohne Genehmigung fotografiert werden. Dort gibt es auch generelle Fotografier- oder Blitzverbote, die oftmals aus Erhaltungsüberlegungen resultieren. Ein Fotografierverbot besteht ebenfalls an vielen Bahnhöfen und in U-Bahnen – mit der Begründung, es seien Sicherheitsbereiche.

Wer für sein privates Album fotografiert, der wird – außer bei einem generellen Verbot – keine weiteren Probleme bekommen, wenn er seine Erinnerungsfotos vom Park des Schlosses oder im Tiergarten seine Kinder vor dem Elefantengehege aufnimmt. Aber schon beim Einstellen einer solchen Aufnahme in einer Internetcommunity oder bei einer Veröffentlichung im Rahmen eines Fotowettbewerbs kann es theoretisch zu Problemen kommen.

Wer seine Bilder kommerziell verwerten will, ob im Internet, in einem Kalender, einem Buch oder einer anderen Publikation, dem ist anzuraten, sich mit einer Genehmigung abzusichern.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2010

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1 Kommentare

Ulrich Baum
28. Oktober 2013, 14:31:38 Uhr

Gut zu wissen, dass man sich über die Bildrechte Gedanken machen muss! Handelt es sich aber um ein herkömmliches Fotobuch wie man es beispielsweise bei Cewe erstellen kann und zu Weihnachten an die Familie verschenkt, braucht man sich keine Sorgen um die Rechte machen, da das Produkt ausschließlich privat genutzt wird.
LG Ulrich

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