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Grundlagen der ästhetischen Aktphotographie

Jenseits aller Klischees ist gute Aktphotographie ästhetisch und erotisch zugleich, niemals aber anrüchig. Sie erfordert nicht nur eine Bildidee, sei sie klassisch oder experimentell, sondern viel Einfühlungsvermögen gegenüber der abgebildeten Person. Auf jeden Fall sollte der Photograph schon vor der Photosession wissen, was für Bilder er machen möchte. Das gilt sowohl für Innen- als auch für Außenaufnahmen.

Die geplanten Posen und Aufnahmen sollte der Aktphotograph vor dem Photoshooting mit seinem Modell besprechen. Das Ambiente mit seinen Requisiten sollte auf den Stil und die Art der Aufnahmen abgestimmt sein und schon vor der Photosession stehen. Genauso verhält es sich mit der Photoausrüstung, die funktionsbereit sein sollte, wenn das Modell den Aufnahmeort betritt.

Für bestechende Aktaufnahmen ist eine gute Kommunikation zwischen Photograph und Modell unerläßlich. Um dies zu erreichen, ist es ratsam, während des Photoshootings Testaufnahmen auf Sofortbildmaterial beziehungsweise auf digitalen Datenträgern zu machen, die man dann gemeinsam mit dem Modell am Kamera- oder PC-Monitor bespricht. Spontaneität verhilft zu unverkrampften Aufnahmen.

Weibliche oder männliche Aktmodelle findet man in seinem Bekannten- oder Freundeskreis. Modellagenturen sind teuer und diverse Inserate nicht immer seriös. Ein Modellvertrag ist in jedem Fall zu empfehlen, in dem die Konditionen und die Zustimmung zur Veröffentlichung der Bilder festgehalten sind.

Für Aktaufnahmen können Kompaktkameras eingesetzt werden, doch wer alle aufnahmetechnischen Parameter im Griff haben möchte, kommt um eine Spiegelreflexkamera nicht herum. Das gilt sowohl für die analoge als auch für die digitale Photographie. Für höchste Ansprüche an die Bildqualität sind analoge Mittelformatkameras erste Wahl, die auch durch Sofortbildmagazine die Kontrolle der Lichtführung und der Belichtung ermöglichen. Bei Digitalkameras sind Modelle mit einer Auflösung ab 6 Megapixel optimal, mit einer Auflösung zwischen 4 und 5 Megapixel gelingen aber auch ausdrucksstarke Aktaufnahmen. Gerade im digitalen Bereich sind Spiegelreflexkameras aufgrund der minimalen Auslöseverzögerung und der freien Objektivwahl unerläßlich für gekonnte Aktaufnahmen. Eine Synchronbuchse für den Anschluß einer externen Studioblitzanlage erleichtert die professionelle Arbeit.

Für die Wahl der Objektive gibt es keine festen Regeln, wohl aber immer wieder gut gemeinte Ratschläge wie "Anstand erfordert Abstand", das heißt mittlere Teleobjektive. Anstand ist jedoch nicht eine Frage der Brennweite, sondern der inneren Haltung. Natürlich sollte man dem Anfängermodell nicht bei der ersten Aufnahme mit einem extremen Weitwinkelobjektiv "zu Leibe rücken", doch ansonsten gibt es keine Bedenken gegen den Einsatz kurzer Brennweiten in der Aktphotographie. Jeanloup Sieff, um nur ein Beispiel zu nennen, hat wunderbare Aktaufnahmen mit extremen Weitwinkelobjektiven gemacht, die Erotik und Würde ausstrahlen.

Die Fokussierung auf die nackte Haut kann weniger leistungsfähige Autofokussysteme aufgrund des geringen Kontrasts irreführen. Dann ist die manuelle Scharfeinstellung nach Sicht erforderlich. Sehr wichtig ist die visuelle Überprüfung der Schärfentiefe mit der Abblendtaste der Spiegelreflexkamera. Aufnahmen bei natürlichem Licht können in Innenräumen zu langen Verschlußzeiten führen. Ein stabiles Dreibeinstativ mit Kugelkopf und ein Drahtauslöser schaffen Abhilfe. Bei sehr langen Verschlußzeiten kann aber trotzdem eine Art "Bewegungsunschärfe" schon allein durch das Atmen des Modells oder die Anspannung bei einer Pose entstehen.
 

Fotografieren in der Praxis 07 / 2004

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