Fotografieren: Übung macht den Meister

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

© Blende, Jörn-Peter Dau, Gleich gehts los !!
© Blende, Jörn-Peter Dau, Gleich gehts los !!
Fotografieren kann jeder – nun, anders sind die heutigen Bilderberge auch kaum zu erklären. Diese sind übrigens nicht nur dafür ein Indiz, sondern auch Ausdruck über den Spaß am aktiven Bildermachen. Beflügelt wird dieser durch die Selbstverständlichkeit der grenzenlosen Bildkommunikation – ein wichtiger weiterer Impulsgeber. Bilder sind unschlagbar und Worte vermögen sie mit ihrer Emotionalität nicht zu ersetzen. Immer wieder ist heute zu hören „ich kann nicht fotografieren“ und das, obwohl aktuell nahezu jeder auf den Auslöser drückt. Welch ein Widerspruch, der wohl zum Ausdruck bringen soll, solche tollen Bilder bekomme ich nicht hin, ich bin kein Fotograf und fotografiere ja nur mit dem Smartphone oder einer kleinen Digitalknipse. Im Gegensatz zu vielen anderen Disziplinen, wie beispielsweise dem Gesang, kann heute jeder mit sehenswerten Fotografien die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch, wenn natürlich das Aufnahmegerät schon Einfluss auf die Bildqualität hat, so ist es nur ein Teil in der Kette des kreativen Schaffensprozesses. Die deutsche Fotografin Gisèle Freund (1912 – 2000) brachte es treffend auf den Punkt: „Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera.“

© Blende, Astrid Wildhirt, Stopp!!! kein Schritt weiter, sonst ....
© Blende, Astrid Wildhirt, Stopp!!! kein Schritt weiter, sonst ….
Fotografieren heißt, sehen zu lernen und man kann dieses wirklich lernen. Entscheidend ist im ersten Schritt, sich zu überlegen, worauf es einem ankommt und wie man sein Motiv am wirkungsvollsten in Szene setzen könnte. Das Aufnahmegerät ist hier an dieser Stelle erst einmal zweitrangig. Es geht erst einmal darum, durch die Schulung des eigenen fotografischen Blickes eine Bildsprache zu entwickeln, die dem Motiv gerecht wird. Übung macht hier den Meister und steht dementsprechend für den eigenen Erfolg. Mit der Zeit werden Sie feststellen, wie Sie mehr und mehr die Formensprache verinnerlichen und die Welt durch den Sucher/das Display der Kamera betrachten – auch, wenn diese gerade nicht mit von der Partie ist.

© Blende, Jens Voß, Wasserspiele
© Blende, Jens Voß, Wasserspiele
Fotografieren heißt auch, sich Zeit zu nehmen und sich auf seine Motive einzulassen, mit ihnen zu spielen. Es gilt, immer und immer wieder den Auslöser zu betätigen und damit den eigenen fotografischen Blick zu schulen. Oftmals entscheiden Nuancen – ein Stückchen nach rechts, ein wenig nach links … Am Anfang wird es viel Ausschuss geben – zu analogen Zeiten galten fünf gelungene Aufnahmen bei einem 36 Film als grandios. Helmut Newton sagte übrigens einmal, dass die ersten 10.000 Aufnahmen die schlechtesten sind.

Hilfreich ist zudem für den eigenen fotografischen Schaffungsprozess, sich auch Werke von Malern zu betrachten, Fotoausstellungen zu besuchen und/oder sich zum Beispiel Anregungen in Bildgalerien wie unserer, mit aktuellen Bildeinsendungen zu Blende 2015 zu holen und sich Gedanken darüber zu machen, warum einen bestimmte Aufnahmen fesseln.

© Blende, Dirk Hoffmann, Gletschersuppe.
© Blende, Dirk Hoffmann, Gletschersuppe.
Wir alle kennen das Sprichwort „Glück hat der Tüchtige“ – auch dies trifft auf alle zu, die fotografieren. Oftmals führt der Augenblick Regie und Glück hat derjenige, der in diesem Moment den Auslöser betätigt.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2016

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