Landschaftsfotografien sind wie Seelenzustände

© Blende, Harry Reim, Morgenstimmung
© Blende, Harry Reim, Morgenstimmung
Landschaften begeistern auch, weil sie so wandelbar von einer Sekunde auf die nächste sind. Der ein oder andere mag es nicht nachvollziehen können, warum viele Landschaftsfotografen x-mal die gleichen Orte aufsuchen bis sie das Bild so im Kasten haben, wie es ihrer Vorstellung entspricht. Die Gründe sind vielschichtig und einer davon dürfte sein, dass es auch ein Stück weit mit unserem Seelenzustand zusammenhängt, wie wir Landschaften inszenieren. Fotografien sind nämlich weitaus mehr als nur Abbilder der Realität. Sie transportieren auch unsere eigene Emotionalität, erst recht dann, wenn wir uns auf das Gesehene einlassen, in Landschaften eintauchen, Geduld mit uns und den Begebenheiten haben und wenn wir die Klaviatur des Bildermachens beherrschen. Dabei sollten wir all die Möglichkeiten des Aufnahmegerätes für uns nutzen und auch im Experiment den Erfolg suchen. Nehmen wir hier als Beispiel nur einmal den Weißabgleich – wenn wir manuell in diesen eingreifen, so können sehenswerte visuelle Reize geschaffen werden. Ein weiteres Beispiel sind die kamerainternen Filter – diese richtig eingesetzt, können das Besondere ausmachen.

© Blende, Josef Kister, Schwan am See
© Blende, Josef Kister, Schwan am See
Fotografien von Landschaften mit visueller und emotionaler Nachhaltigkeit sind kein Selbstläufer. Landschaften müssen erlebt werden. Das bedeutet, sich Zeit für sie zu nehmen, sie zu entdecken und Visionen entwickeln. Neben der verwendeten Ausrüstung spielen der Standort, die Uhrzeit und die Perspektive eine, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle. Die Fototechnik ist Mittel zum Zweck. Zunächst kommt es auf das Auge, die Komposition des Gesehenen und natürlich auf den richtigen Zeitpunkt an.

© Blende, Ramona Wälter, Einsamkeit
© Blende, Ramona Wälter, Einsamkeit
Die beste Zeit, eine Landschaft zu fotografieren, ist der Moment, in dem das Licht wechselt. Also wenn die Nacht zum Tag wird oder wenn die Sonne langsam untergeht. Deshalb ist es wichtig, sich rechtzeitig auf den Weg zu machen und auch einen Zeitpuffer einzuplanen. Gleiches gilt übrigens bei schlechtem Wetter. Am dramatischsten werden Fotos, die aufgenommen werden, wenn sich das Wetter gerade wieder bessert. Das heißt: Der Fotograf muss losgehen, so lange es noch regnet.

© Blende, Rudolf Mester, Pappeln im Nebel
© Blende, Rudolf Mester, Pappeln im Nebel
Wichtig in der Landschaftsfotografie ist, sich Gedanken darüber zu machen, was das Hauptmotiv sein soll. Dieses sollte dann auch prominent im Bild platziert sein. Das heißt nicht, dass das Hauptmotiv das ganze Bild ausfüllen oder gar in der Bildmitte sein muss, aber es sollte dem Betrachter sofort klar sein, was wichtig ist. Vorder- und Hintergrund sollten nicht vernachlässigt werden – sie sind fast so wichtig wie das Hauptmotiv. Störendes gilt es zu eliminieren – hier reicht es oftmals schon aus, die Position ein wenig zu verändern, um einen anderen Bildwinkel zu erhalten. Besonders störend sind vor allem Objekte, die vom Hauptmotiv ablenken, also alles was besonders hell, farbig oder glänzend ist.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2016

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1 Kommentare

Es stimmt genau so, wie Sie es beschrieben! Die Gestaltungsregeln sind die eines Landschaftsmalers, der dabei auch geschickt den Goldenen Schnitt beim Horizont oder die Diagonale eines Weges oder Highways platziert. Alles nur eine Frage des Kamerastandpunktes. Achtung: Nie den Himmel teilen! Das heißt, ein Bildelement darf nicht durch den Bildrand abgeschnitten werden, z. Bsp. Baumwipfel, Turmspitzen, Berggipfel etc. müssen sichtbar sein und nicht in den Bildrand hinein ragen. LG www.diablaich.de

von Erich Blaich
03. Februar 2016, 13:16:23 Uhr

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