Langzeitfotografie: Nachtfahrt auf der Autobahn - So geht's

© Blende, Anna Betz, Ausfahrt Oberpfalz
© Blende, Anna Betz, Ausfahrt Oberpfalz
Dieses Bild bereitet kniffligen Rätselspaß: Wie viele Autos sind da durchgefahren? Wie viele haben geblinkt und sind runter von der Autobahn? Ein Wimmelbild, das aber auch einfach nur eine schöne Stimmung wiedergibt. Langzeit- und oder Mehrfachaufnahmen bei Dunkelheit sind aus mehreren Gründen faszinierend: Weil sie Atmosphäre verdichten und Vorgänge zusammenführen, die nacheinander abgelaufen sind, aber auch, weil sie Bewegung zeigen, die auf kurz belichteten Aufnahmen eingefroren wären.

Langzeitbelichtungen sind ein weites Feld für Experimente, für die eine belebte Straße ein lohnendes Feld darstellt: Die Lichter von Autos sind hell genug, um kräftige Spuren zu hinterlassen. Dreh- und Angelpunkt der Technik ist die Aufstellung der Kamera. Für allererste Tests mag es reichen, die Kamera einfach auf einem stabilen Untergrund abzulegen. Aber wer seinen Apparat sicher bedienen und den Bildausschnitt frei wählen will, der kommt um ein Stativ nicht herum. Ein weiteres sehr sinnvolles Zubehörteil ist ein Fernauslöser, der es ermöglicht, den Fotoapparat zu verwenden, ohne ihn direkt zu berühren und damit Verwacklungen zu provozieren. Anfangs tut es aber auch die Möglichkeit der Zeitvorwahl („Timer“), bei der die Kamera erst nach wenigen Sekunden der Ruhe auslöst.

Soll das Motiv von vorne bis hinten scharf sein, muss man das erzwingen. Die Vollautomatik neigt dazu, bei Dunkelheit die Blende weit zu öffnen, um die Belichtungszeit kurz zu halten. Das sorgt aber für geringe Schärfetiefe. Also verwendet man die Kamera in Zeitautomatik mit weit geschlossener Blende (= hohe Blendenzahl 8 oder 11) oder gleich im manuellen Modus, bei dem Blende (wieder weit geschlossen) und auch Zeit vorgegeben werden. Um die Lichter fahrender Autos über einen größeren Bereich zu „verschmieren“, braucht man je nach Fahrgeschwindigkeit und Objektivbrennweite mehrere Sekunden Belichtungszeit. Diese ermöglichen die meisten Kameras ohne Probleme – oft ist bei 30 Sekunden Schluss. Die meisten DSLR-Modelle und viele kompakte Systemkameras lassen sich mit Fernauslösern bedienen, die noch längere Verschlusszeiten steuern. Eine weitere Möglichkeit, sofern die Kamera die Funktion hat: Belichten mit der „B“-Einstellung („Bulb“). Dabei dauert die Belichtung so lange, wie der Auslöser gedrückt wird. Noch ein Tipp zum Motiv: Bei genügend Verkehr reichen einzelne Belichtungen. Was aber, wenn nur sporadisch Autos auftauchen? Dann bricht man die Aufnahme einfach ab, entweder mit einer Mehrfachbelichtungsfunktion, die einige Kameras an Bord haben, oder mit der so genannten Hutmethode. Dabei wird das Objektiv einfach während der Belichtung mit einer dunklen Kappe oder einem Tuch abgedeckt (Vorsicht Verwacklungsgefahr!). Kommt das nächste Auto in Sichtweite, wird die Abdeckung wieder entfernt. Für Bildbearbeitungsbastler gibt es noch einen Weg: Mehrere Fotos schießen und per Software zusammenfügen.

Experimentieren lohnt sich in jedem Fall, und die gewonnenen Kenntnisse lassen sich zum Beispiel auch auf das Fotografieren eines Feuerwerks übertragen.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2016

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