Bildleiste

Schlechtes Wetter gibt es nicht - Photographieren bei Nebel

Über das Wetter schimpfen viele, mal ist es zu heiß, mal zu kalt, dann kein Regen oder wieder zuviel davon. Nebel empfinden viele als unangenehm, alles ist klamm und der Blick ist getrübt. Landläufig ist man der Ansicht, die Kamera bleibt zu Hause, Bilder gelingen eh nicht. Ein Irrtum! Gerade wenn ein Nebelschleier über einer Landschaft liegt, ergeben sich außergewöhnliche Motive die bei Blende 8, wenn die Sonne lacht - eine alte Photographenregel -, wirkungslos erscheinen würden.

In den frühen Morgenstunden, die der Langschläfer nur in Ausnahmesituationen außerhalb seines Bettes erlebt, ist die Natur vielfach durchzogen von Nebelschwaden. Alles um einen herum wirkt unberührt und man wird das Gefühl nicht los, vollkommen alleine mit seiner Kamera zu sein. Einfach ist es nicht, diese Stimmung in Bildern festzuhalten, denn gerade bei kontrastarmen Motiven ergeben sich bei der Fokussierung Schwierigkeiten. Sofern man über eine Kamera verfügt, die manuelles Scharfstellen zulässt, sollte dieses auch gewählt werden, um zu brillanten Aufnahmen zu gelangen. Belichtungsreihen sind in jedem Fall angesagt, denn auch auf den Belichtungsmesser kann man sich bei dichtem Nebel nicht unbedingt verlassen. Belichtungsreihen gelingen auch mit Kompaktkameras, sofern diese nicht nur mit einer Programmautomatik ausgestattet sind. Auch wenn man durch den Nebel die Sonne spürt, so ist eine relativ lange Belichtungszeit notwendig, sollen die Aufnahmen nicht unterbelichtet sein. Wird beispielsweise mit einem 300 mm Objektiv an der Spiegelreflexkamera gearbeitet, sollte die Spiegelvorauslösung gewählt werden, da geringste Schwingungen durch den hochklappenden Spiegel bei einem Aufnahmeabstand um die 100 Meter und Belichtungszeiten von 1/60 oder 1/30 Sekunde sonst unscharfe Bilder zur Folge hätten. Ein Stativ erweist sich bei längeren Belichtungszeiten in jedem Fall als sehr nützlich. Digitalphotographen haben zudem auf den Weißabgleich zu achten. Die vorherrschenden Lichtbedingungen machen es gegebenenfalls notwendig, den Weißabgleich manuell zu verändern, damit Farbverfälschungen ausgeschlossen werden können.

Nebel ist übrigens nicht gleich Nebel. Ist er zu dicht und steht er zwischen Photographen und Motiv, dann ist es eine große Herausforderung zu beeindruckenden Photographien zu gelangen. Mystische Aufnahmen verlangen nach viel Fingerspitzengefühl und man muss sich darüber bewusst sein, dass nicht jede Aufnahme ein Volltreffer sein kann. Wenn hingegen die Sonne oder der Wind es schaffen, den Nebel aufzureißen, spätestens dann sollte sich der Photograph in Position gebracht haben. Je nach Sonnenstand färbt sich der Nebel zartgelb, rosa, leuchtend orange oder bläulich - ein Naturschauspiel. Die frühen Morgenstunden sind die beste Zeit für Exkursionen in die Nebelwelt, denn dann reicht das Licht in jedem Fall aus. Wird hingegen am Abend der aufsteigende Nebel photographiert, so sind die Lichtverhältnisse alles andere als optimal und es ist noch schwieriger, die richtige Belichtungszeit zu finden.

Frühes Aufstehen, auch wenn es mitunter Überwindung kostet, lohnt sich in jedem Fall, garantiert es nicht nur unvergessliche Momente in der Natur, sondern auch tolle Aufnahmen. Küstenregionen und Berglandschaften sind vielfach über einen längeren Zeitraum in Nebel gehüllt, was für den Photographen durchaus von Vorteil ist, da man sich deutlich mehr Zeit für seine Motive nehmen kann. Bauwerke, wie Kirchen, die in Nebel gehüllt sind, oder auch Friedhöfe bieten sich für stimmungsvolle, ja mystische Aufnahmen geradezu an. Aber auch Brücken über Flüsse, die langsam vom Nebel freigegeben werden, sind es wert, dass der Auslöser betätigt wird. Die Serienbildfunktion ist oftmals anzuraten, denn die Stimmungen ändern sich bisweilen innerhalb von Sekundenbruchteilen. Der Nebel kann das Motiv umhüllen oder aber den Hintergrund zieren. Letzteres bietet den großen Vorteil, dass der Blick auf das Motiv dadurch frei ist und es erst richtig zur Geltung bringt. Oftmals zeigen die Nebel-Photographien mehr, als man mit den Augen zu diesem Zeitpunkt wahrnehmen durfte.

Für den Photographen gibt es kein schlechtes Wetter. Manchmal ist es ihm sogar lieber, wenn die Sonne nicht lacht, denn dann kann aus einem gewöhnlichen Motiv ein außergewöhnliches werden.
 

Fotografieren in der Praxis 07 / 2006

Bewerten 68

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren






* Diese Felder müssen ausgefüllt werden

Mutterkühe in den Elbauen

Blende ,"Mutterkühe in den Elbauen"
Otto Bleich

Flußnebel

Blende ,"Flußnebel"
Helmut Anger