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Schlechtes Wetter, brillante Bilder

Die Photographie kennt kein schlechtes Wetter. Sturm, Regen, Schnee, Dunst oder Nebel - vielfach Synonyme für mieses Wetter - sind oftmals erst die Garanten für stimmungsvolle Bildkompositionen. Wenn es eine Regel für den Einfluß des Wetters auf die Photographie gibt, dann diese, sich über alle hinwegzusetzen. Es kann ruhig gegen die Sonne photographiert werden, auch wenn die Aussichten auf brillante Aufnahmen zunächst als nicht optimal erscheinen. Auch wenn das Licht schwach ist und die Gefahr einer eventuellen Unterbelichtung besteht, lohnt es sich, den Auslöser zu betätigen. Erst recht sollte man sich durch Schnee, Regen oder Nebel nicht vom Photographieren abbringen lassen. Diese Witterungsbedingungen verlangen mitunter vom Photographen viel ab, garantieren aber auf der anderen Seite eine einzigartige Atmosphäre in den Aufnahmen.

Bekannt ist, daß es die Kamera vor Feuchtigkeit zu schützen gilt. Durch Wasser in jeder Form, als Nebel, Regen, Schnee oder als Brandungsgischt, kann die Kameraelektronik Schaden erleiden. Metallteile können rosten, der Film kann fleckig werden oder die Optik verschmutzt, um nur einige Beispiele zu nennen. Unterwassergehäuse stellen den besten Schutz für Kameras dar und gewährleisten ungetrübten Photospaß. Viele Photographen greifen bei Regen oder Schnee zum Regenschirm, um die Photoausrüstung zu schützen. Das Photographieren mit Regenschirm kann mitunter als pure Akrobatik angesehen werden, denn man hat nur eine Hand für die Bedienung der Kamera frei - kommt dann zum Regen oder Schnee auch noch Wind, ist man gänzlich überfordert. Andere wiederum bevorzugen eine weite Jacke, unter der die Kamera vor Feuchtigkeit geschützt wird. Spätestens wenn die Kamera aber zum Photographieren hervorgeholt wird, ist es mit dem Schutz vorbei. Manch einer sieht in der Plastiktüte die Lösung. Davor kann nur abgeraten werden. Hält sich der Regen oder Schnee in Grenzen, so stellt die Gegenlichtblende einen sicheren Schutz für das Objektiv dar. Sie sorgt in der Regel dafür, daß kein Tropfen auf das Objektiv fällt und das Photo unscharf macht. Wird die Kamera trotz vorsichtiger Handhabung naß, weil sie nicht durch ein Unterwassergehäuse geschützt ist, dann sollte sie so bald wie möglich mit einem fusselfreien Tuch trocken gewischt werden, um beispielsweise einer möglichen Korrosion vorzubeugen.

Im Winter kommt zu der Feuchtigkeit auch noch die Kälte hinzu. Linsen können, je nach Minustemperaturen, vereisen, die Ermittlung von Blende und Belichtungszeit wird schwierig, der Photograph läuft, sofern er sich nicht schützt, Gefahr, sich Erfrierungen zuzuziehen, wenn er die eiskalte Kamera berührt. Handschuhe, die eine Bedienung der Kamera sicherstellen, sind oberstes Gebot und garantieren unbeschwertes Vergnügen. Ein weitverbreiteter Fehler ist, eine warme Ausrüstung aus dem Haus oder Wagen in die klirrende Kälte hinauszunehmen und gleich zu photographieren. Schneeflocken fallen auf die Kamera, schmelzen und frieren dann fest. Eine solche Eiskruste läßt sich nur entfernen, wenn man die Kamera wieder ins Warme bringt. Verhindern läßt sich das Problem, wenn man der Kamera die Zeit einräumt, sich abzukühlen. Selbst wenn sich die Kamera niedrigen Außentemperaturen angepaßt hat, so kann die Frontlinse vereisen, wenn Atem darauf fällt. Der Eisbelag läßt sich entfernen, indem die Linse erneut angehaucht wird und die Feuchtigkeit mit einem speziellen Objektivtuch abgewischt wird. Batterien werden durch niedrige Temperaturen stärker beansprucht, deshalb sind Ersatzbatterien Pflicht. Diese sollten am besten in der Innentasche aufbewahrt werden, damit sie durch die Körperwärme ihre Leistungsfähigkeit behalten.

Kameras zeichnen sich durch einwandfrei funktionierende Programmautomatiken aus. Gerade bei Aufnahmen im verschneiten Gelände besteht jedoch die Gefahr der Überbelichtung, weil die Lichtreflexion durch den Schnee viel stärker ist. Wenn jedoch das Motiv ein relativ dunkles Objekt mit einschließt - zum Beispiel eine Person, die im Schnee steht - ist Unterbelichtung wahrscheinlicher als Überbelichtung. Die Helligkeit des Schnees beeinflußt das Meßergebnis des Belichtungsmessers, die Person wird zu dunkel und weist zu wenig Zeichnung auf. Um in solchen Fällen eine Unterbelichtung zu vermeiden, sollte bei der Belichtungsmessung die Person anvisiert werden. Die sicherste Methode aber ist, von allen Motiven mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungskombinationen zu machen. Ein Skylight-Filter ist übrigens ein praktisches Hilfsmittel zur Korrektur der Belichtung bei Winteraufnahmen. Es ist beinahe farblos, hält aber das unsichtbare ultraviolette Licht zurück, das durch die Luftmoleküle in der Atmosphäre gestreut wird. Das Dämpfen der ultravioletten Strahlung hilft, Überbelichtungen zu vermeiden, läßt den Himmel auf vorteilhafte Weise dunkler erscheinen und verhindert außerdem, daß der Schnee bei Farbaufnahmen unnatürlich blau wirkt - ein Effekt, der auf die Reflexion des Lichts durch die Schneekristalle zurückzuführen ist.

Die Kamera muß also nicht zum Winterschlaf verdonnert werden. Die kalte Jahreszeit hat traumhafte Motive zu bieten. Kräftige Farben liegen in der schneereichen Jahreszeit zwar nicht vor, dafür aber fast monochrome Muster, die gerade Landschaften in einem besonderen Licht erscheinen lassen.
 

Fotografieren in der Praxis 12 / 2005

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