Fototipp: Stillleben - So geht's

© Blende, Wolfgang Kern
© Blende, Wolfgang Kern
Das Thema „Zahn der Zeit – Ästhetik des Verfalls“ hat viele Teilnehmer unserer „Blende“ begeistert und zu Erkundungstouren in die verborgensten Winkel des Landes geführt. Landschafts- und Architekturfotografen kamen dabei auf ihre Kosten, aber auch für Stillleben war das Thema bestens geeignet, wie diese Aufnahme vom „Blende“-Teilnehmer Wolfgang Kern eindrucksvoll beweist. Anders als viele Motive für Stillleben, kann man dieses nur mit viel Aufwand an x-beliebiger Stelle arrangieren. Einfacher ist es, sich eine natürliche Umgebung zu suchen, an der es eben so aussieht: eine alte Werkstatt, ein landwirtschaftliches Gehöft, ein aufgelassener Industriebetrieb. Wichtig: Ohne Genehmigung des Besitzers darf man sich nicht in dessen Räumlichkeiten tummeln, auch wenn diese Leerstehen sollten. Also besser fragen – das Versprechen, später ein paar Bilder vorbeizubringen, wirkt oft Wunder. Heimat- oder Industriemuseen eignen sich nur bedingt, weil die dortigen Exponate meist doch irgendwie arrangiert wirken und nicht so, als hätte tatsächlich jemand an diesem Ort vor langer Zeit gelebt und ihn irgendwann einfach verlassen.

Das bedeutet nicht, dass Fotografen solche Stillleben nicht auch komponieren oder nachbearbeiten dürfen. Manchmal stört ein Gegenstand, manchmal fehlt ein Blickfang. Dann ist Kreativität erlaubt. Spinnweben von echten Spinnen sind natürlich eine Einladung zum Fotografieren. Wer nachhelfen möchte, kann mit Deko-Spinnennetzen experimentieren, aber dezent, denn deutlich platziert fällt der Unterschied auf.

Für Stilleben bieten sich Objektiv-Brennweiten an, die dem normalen menschlichen Sehen nahekommen. Das reicht von leichten Weitwinkel-Brennweiten über Normalbrennweiten bis zu leichten Teleobjektiven. Wenn so eine Szenerie, wie hier in allen Bereichen scharf abgebildet werden soll, so ist gerade mit leichten Teleobjektiven und bei dieser nahen Distanz starkes Abblenden erforderlich. Weniger als Blende 11 sollte man dafür nicht wählen und das Ergebnis auch immer am Kameradisplay kontrollieren.

Da sich bei natürlichem Licht relativ lange Belichtungszeiten ergeben, gehört die Kamera auf ein Stativ. Moderne Stativsysteme und entsprechendes Zubehör erlauben alle möglichen Verrenkungen, mit denen nahezu jeder Untergrund und jeder Betrachtungswinkel beherrschbar sind. Dieses „Blende“-Bild lebt vom satten Schwarzweiß und kräftigen Kontrasten. Ob sich Farbe besser eignet, hängt vom Motiv ab. Ein buntes Detail kann den Gesamtcharakter zerstören. Das muss man später in der Bildbearbeitung am Rechner ausprobieren. Ein lohnendes Ziel der weiteren Ausrüstungsplanung für solche Shootings: der Bilderworkflow am Set. Wer die Möglichkeit hat, ein Notebook oder ein Tablet direkt nach dem Fotografieren für eine erste Begutachtung und Bearbeitung der Aufnahmen zu verwenden, kann noch vor Ort notfalls etwas an der Belichtung oder dem Arrangement ändern.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2016

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