Streetfotografie – Ein Eldorado für jedermann und ein wichtiges Zeitdokument

© Blende, Felix Fernkorn, Alone in the streets of Barcelona
© Blende, Felix Fernkorn, Alone in the streets of Barcelona
Die Streetfotografie ist ein Sujet, das an Mannigfaltigkeit grenzenlos ist. Reduziert man sie nur auf Straßen und Gassen, so begrenzt man sich seiner Optionen. Streetfotografie sehen wir überall dort, wo Leben im öffentlichen Raum vorliegt. Die Streetfotografie sollte jeder zu seinem Thema machen. Sie vermag uns die Augen zu öffnen, sich mit unserer Welt, in der wir leben, auseinanderzusetzen und unsere Wahrnehmungen zu schärfen. Tagtäglich begegnen uns flüchtige Augenblicke, die es wert sind, mittels Fotografie sowie Video konserviert zu werden und zwar generationsübergreifend. Mit dem Alter verändert sich nicht nur unsere Perspektive, sondern auch unsere Sicht auf die Dinge. Hinzu kommen die durch Trends gesetzten Strömungen ebenso, wie die stetigen persönlichen fotografischen Weiterentwicklungen, die sich natürlich auch in unseren Fotografien widerspiegeln.

© Blende, Max Fleischer, Schnellzug
© Blende, Max Fleischer, Schnellzug
Die Streetfotografie sorgt immer wieder für endlose Diskussionen bezüglich der Rechtslage mit der Frage, inwieweit man ihr eigentlich noch nachgehen darf. Einige Fotografen sind gar der Ansicht, dass die aktuelle Rechtslage die Streetfotografie eigentlich unmöglich macht. Das ist sicherlich Auslegungssache und hängt unmittelbar damit zusammen, wie die Aufnahmen eingesetzt werden und wie sichtbar die abgebildeten Personen sind. Als Streetfotograf sollte man sich immer seiner Verantwortung bewusst sein und diese schließt für uns auch den nötigen Respekt gegenüber dem Abgelichteten mit ein.

© Blende, Felix Koch, gegensätzliche gegensätze
© Blende, Felix Koch, gegensätzliche gegensätze
Außer Frage steht, dass die Streetfotografie wichtige Zeitdokumente liefert. Schon allein deshalb ist sie von elementarer Bedeutung, nicht nur für einen selbst, sondern auch global betrachtet. Wir sind umgeben von einem permanenten Wandel, ob nun im Großen oder im Kleinen, der unser Leben so spannend sowie abwechslungsreich macht und formt. Wenn unser Blick durch die Fotografie geschärft ist, dann entdecken wir Neues und nehmen diesen Wandel auch oftmals erst wahr. Wir bekommen aber auch Antworten. Mit fortschreitendem Alter stellen wir uns Fragen zu gewesenen Veränderungen – Antworten geben uns Bilder als unerlässliche Zeitdokumente. Aufnahmen die heute entstehen, mögen auf den ersten Blick belanglos sein – einige Jahre später sind sie als Kulturgut wertvolle Schätze. Denken wir hier nur an die Telefonzellen – heute quasi nahezu nicht mehr existent, früher der direkte Draht.

© Blende, Marcel Vollbrecht, Pause muss auch mal sein
© Blende, Marcel Vollbrecht, Pause muss auch mal sein
Sehenswerte Streetfotografien setzen für uns voraus, sich als Fotograf treiben zu lassen. Dazu gehört auch, sich selbst nicht unter Druck zu setzen, dass man wenigstens mit zehn oder mehr Aufnahmen von seiner Fototour heimkehren möchte. Es kann durchaus sein – wir haben diese Erfahrung gemacht -, dass man nicht einmal den Auslöser beim Wandeln durch die Straßen und Gassen betätigt hat. Dies muss einen nicht irritieren, denn entweder waren die Motive nicht da oder man war für diese nicht offen. Auf der anderen Seite haben wir auch schon die schmerzliche Erfahrung gemacht, grandiose Motive zu erblicken, die aber von uns nicht eingefangen werden konnten, weil wir die Kamera nicht dabei hatten. Dies hat uns gelehrt, dass wir – auch in Zeiten der Smartphones – nicht mehr ohne Kamera das Haus verlassen.

© Blende, Laura Elsholtz, Schweinestall der Staße
© Blende, Laura Elsholtz, Schweinestall der Staße
Für uns ist in der Streetfotografie die Kamera das bevorzugte Aufnahmegerät. Das Smartphone, auch wenn es als „Immer-Dabei-Kamera“ gilt, ist für uns kein wertiger Ersatz, und das obwohl die Bildqualitäten aktueller Modelle immer besser werden. Grund hierfür ist, dass uns der Funktionsumfang nicht ausreicht und wir uns beispielsweise auch in Punkto Handhabung und Bildgestaltung mit einer Kamera wesentlich leichter tun. Zudem haben wir für uns festgestellt, dass wir mit einer Kamera bewusster fotografieren, was unseren Fotografien auch zugutekommt. Bevorzugte Aufnahmegeräte für die Streetfotografie sind für uns hochwertige Kompaktkameras mit entsprechendem Zoombereich sowie kompakte Systemkameras. Bei diesen beiden Kameramodellen schätzen wir die Kompaktheit und dementsprechend das geringe Gewicht. Ziehen wir mit unserer kompakten Systemkamera los, dann fällt unsere Objektivwahl immer öfter auf das Normalobjektiv. Hier haben wir uns auch von Barbara Klemm leiten lassen, für uns nicht nur die Meisterin der Streetfotografie. Alternativ zum Normalobjektiv eignet sich noch ein leichtes Teleobjektiv, um Distanzen zu überwinden.

Gehen wir der Streetfotografie nach, dann bevorzugen wir das Fotografieren aus dem Verborgenen heraus. Unser Ansinnen ist, Szenerien einzufangen, wie sie das Leben vorgibt und keine gestellten. Dazu gehört es natürlich auch, die Menschen, die man im Fokus hat, nicht zu stören. Manchmal ist es natürlich ein Balanceakt und dies schließt auch die eigene Scheu mit ein, die man mitunter überwinden lernen muss. Übung macht bekanntlich den Meister. Je intensiver man der Streetfotografie nachgeht, desto selbstsicherer wird man nach unseren Erfahrungen. Die Streetfotografie, darüber muss man sich immer bewusst sein, stellt vielfach einen Spagat zwischen Neugier, Moral und dem Gesetz dar. In der Komfortzone befindet man sich, wenn die Menschen, die man ablichtet, nicht erkennbar sind. Ein Stilmittel, so unsere Beobachtungen, dass immer größere Verbreitung erfährt und die Fotografien nicht weniger interessant und vielsagend erscheinen lässt.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2015

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1 Kommentare

Vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel! Er trifft sich für mich sehr gut, weil ich mir für dieses neue Jahr vorgenommen hatte, mich auch einmal mit der Streetfotografie zu befassen. Nun werde ich natürlich alle Tipps aus diesem Artikel im Hinterkopf behalten. :-)

von nubinou
03. Januar 2016, 01:03:34 Uhr

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