Winter - Ein Eldorado an Motiven

© Blende, Hans König, Dachlandschaft
© Blende, Hans König, Dachlandschaft
Lieber spät als nie präsentiert sich nun der Winter mit klirrender Kälte und Schnee im Gepäck. Damit sind die grauen Tage der letzten Wochen vor der Linse endlich vorbei und wir können uns der wahren fotografischen und filmerischen Schönheit dieser Jahreszeit zuwenden. Da die Kinder, die kreativ mit dem Bau eines Schneemanns beschäftigt sind, hier die Rodler die schwungvoll die noch so kleinen Hügel versuchen herunterzufahren, da die Ski- und Snowboardfahrer in den Sesselliften, dort die Autofahrer beim Befreien ihrer Scheiben, da der herunterhängende Eiszapfen an der Dachrinne und dort die Landschaft in weiß gehüllt mit ihrer atemberaubenden Stille. Schon allein diese kleine Auflistung zeigt, dass es an Motiven in der kalten Jahreszeit nicht mangelt. So vielseitig wie die Motive sind, so umfangreich sind auch die Tipps, die gegeben werden können. Natürlich gibt es auch Grundsätzliches. Dazu gehört, dass Akkus in der Kälte eine verminderte Leistung haben. Packen Sie also immer ausreichend Ersatzakkus ein. Wenn es richtig kalt ist, sollten Sie sich überlegen, Ersatzakkus nicht in der (genauso kalten) Kameratasche zu transportieren, sondern in einer Jackeninnen- oder Hosentasche.

Schneefall

© Blende, Kurt Hurrle, Kirchlein am Pso. Giau
© Blende, Kurt Hurrle, Kirchlein am Pso. Giau
Schneefall ist, wie kaum eine andere Wettererscheinung, ein deutliches Kennzeichen dafür, dass Winter ist. Einzelne Schneeflocken lassen sich mit kurzen Verschlusszeiten förmlich einfrieren und das Fallen von Schnee wird durch längere Verschlusszeiten sichtbar. Mit der Belichtungszeit muss man experimentieren. Sie darf nicht zu lang gewählt werden, denn sonst sind die Schneeflocken zu verschwommen. In der Regel ist man mit einer Belichtungszeit von 1/60 bis 1/250 s gut beraten. Den Bildraum kann man natürlich mit einer langen Brennweite verdichten, was ein Schneetreiben noch kompakter wirken lässt. Damit sich Schneeflocken vom Hintergrund abheben, muss dieser dunkel sein.

Auf der Piste

Wintersport auf der Piste steht für Dynamik und das gilt es auch in den Aufnahmen zu transportieren. Die Belichtung ist kurz zu wählen, damit beispielsweise der in die Höhe spritzende Schnee auch in dieser Form wirkungsvoll abgelichtet wird. Wichtig ist die Kameraposition – in der Regel ist eine seitliche Position und leicht von vorne, die beste. Beim Bildausschnitt ist darauf zu achten, dass neben dem Sportler auch die Umgebung mit eingefangen wird, denn nur dann erzählt die Aufnahme eine Geschichte und der Betrachter weiß beispielsweise wie steil der Hang war.

Spannende Details

© Blende, Hanspeter Lang, Raureif im Gegenlicht
© Blende, Hanspeter Lang, Raureif im Gegenlicht
Ein ganz besonderes I-Tüpfelchen einer jeden Serie von Winterfotos sind Detailaufnahmen. Die Motive hierfür sind unzählig, wenn man sich die Umgebung etwas genauer betrachtet. Ganz gleich ob es sich um den ersten Nachtfrost auf winterharten Pflanzen, imposante Eiszapfen oder eine Temperaturanzeige mit -20 Grad handelt, wichtig ist hier der Blick für das Besondere. Die Seherfahrung zeigt, dass der Uferbereich von Gewässern, Seen, Bächen und sogar Pfützen eine Vielzahl an Motiven bietet, die umso interessanter werden, je facettenreicher man mit außergewöhnlichen Perspektiven arbeitet. Wer auf Augenhöhe mit einem Objekt geht – und dabei muss man sich mitunter auch mal auf den Boden legen – wird meist mit spannenden Aufnahmen belohnt. Selbstverständlich sollte man zuvor für wetterfeste Kleidung oder eine wasserdichte Unterlage gesorgt haben.

Schneelandschaften

Die größte Herausforderung beim Ablichten von Schneelandschaften lauert in der richtigen Belichtung. Denn auch wenn die Sonne nicht so knallt wie im Hochsommer, der glitzernde Schnee kann die Kameraautomatik täuschen. Als Grundregel belichten Sie etwas reichlicher, bis zu zwei Belichtungsstufen. Achten Sie darauf, dass Ihr Hauptmotiv nicht zu dunkel wird und setzen Sie vielleicht auch einen Aufhellblitz ein.

Schneelandschaften im Gegenlicht

© Blende, Heidi Becker, WinterHimmelsLicht
© Blende, Heidi Becker, WinterHimmelsLicht
Wegen der hohen Kontraste ist die richtige Belichtung nicht ganz einfach. Damit Zeichnung in den Lichtern erhalten bleibt empfiehlt sich eine leichte Unterbelichtung. Imposant sind Gegenlichtaufnahmen beispielsweise bei Verwirbelungen oder Schneefall.

Schneelandschaften und Führungslinien

Mit der Reduzierung der Farbigkeit rücken für die Bildkomposition die natürlichen Gestaltungsmerkmale der klassischen Schwarzweißfotografie in den Vordergrund. Eine markante Linienführung ist hierbei bedeutsam. Führungslinien, durch Wege, Bäume etc. müssen nicht gerade verlaufen oder gar zu einem Fluchtpunkt führen. Machen Sie sich das Leben nicht unnötig schwer und wählen lieber eine einfache Bildgestaltung, die oftmals wirkungsvoller ist.

Winterlandschaften im Raureif

Winter ist auch dann, wenn Landschaften nicht mit Schnee bedeckt sind. Gerade in den Morgenstunden legt sich Raureif über Winterlandschaften. Damit dieser wirkungsvoll zur Geltung kommt, sind farbige Gegensätze, wie beispielsweise ein blauer Himmel, wichtig.

Bäume und Sträucher

Bäume und Sträucher – einzeln oder als Gruppe – liefern mit ihrem dunklen Stamm beziehungsweise Geäst wunderbare Kontraste zum Schnee. Freistehende Bäume/Sträucher sind am einfachsten zu fotografieren. In der Regel – hängt natürlich von den Begebenheiten ab – führt eine Belichtungszeit von 1/250 s bei Blende 9 zu guten Ergebnissen.

Gartenvögel

© Blende, Sascha Lässig, Ein Farbklecks in der Wintertristesse
© Blende, Sascha Lässig, Ein Farbklecks in der Wintertristesse
Das Vertrauen von Vögeln schafft man sich mit anfüttern über ein Vogelhäuschen im Garten oder auf dem Balkon. Beim Ablichten von Vögeln gilt es dennoch Distanzen einzuhalten, die sich mit Teleoptiken (400 mm oder 600 mm) überbrücken lassen. Ein Stativ ist Pflicht und der Fernauslöser ein wichtiger Helfer. Aktivieren Sie, sofern Ihre Kamera darüber verfügt, die Serienbildfunktion. Haben Sie Geduld mit sich, denn trotz bester Vorbereitungen sind überzeugende Aufnahmen von Vögeln kein Selbstläufer.

Menschen

Der Belichtungsmesser der Kamera kann nicht unterscheiden, welches für Sie die wichtigen Bildteile sind und was nur Umgebung ist. Er ermittelt aus dem Licht, das durch das Objektiv einfällt, eine durchschnittliche Belichtung. Genau genommen wird dabei eine Belichtung für 18 Prozent Grau ermittelt. Und die kann durchaus von der Wirklichkeit abweichen. Schließlich ist selten etwas genauso hell oder dunkel wie 18 Prozent Grau. Es gibt zwei durchaus zuverlässige Methoden, die richtige Belichtung für ein Objekt in einer Schneelandschaft zu ermitteln. Außerdem gibt es Schätzwerte, mit denen man sich ebenfalls behelfen kann. Um beispielsweise eine Person im Schnee richtig zu belichten, ist eine Belichtungskorrektur von +1 oder +2, je nach Intensität der Sonneneinstrahlung, meist das Mittel der Wahl. Das heißt, für jede Stufe Mehrbelichtung – bezogen auf den von der Kamera ermittelten Durchschnittswert – wird die Belichtungszeit verdoppelt (1/125 Sekunde statt 1/250 Sekunde) oder die Blende um einen Wert geöffnet (8 statt 11). Viele Kameras bieten auch in automatischen oder teilautomatischen Programmmodi die Möglichkeit, eine Belichtungskorrektur einzustellen.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2016

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1 Kommentare

Winterfotos sind immer eine tolle Sache,was man auf dieser Seite auch sieht.

von Reinald.W
20. Januar 2016, 16:47:48 Uhr

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