Winterfotografie - Motive in einem ganz anderen Licht

© Blende, Benno Breitrainer, Söllhubener Kapelle im Winter mit Voralpenkette (Samerberg)
© Blende, Benno Breitrainer, Söllhubener Kapelle im Winter mit Voralpenkette (Samerberg)
Der Winter ist aus unserer Sicht eine tolle Jahreszeit. Hier wird uns möglicherweise nicht jeder zustimmen. Spätestens aber wenn wir es allein aus fotografischer Sicht betrachten, dann liefert uns der Winter Traummotive. Alle lohnenswert – ob nun die schneebedeckte Landschaft in Nebel gehüllt, ob leise der Schnee rieselt, ob sich der Schlittenfahrer den Berg hochkämpft oder ob der Straßenverkehr wegen der Schneemassen stillsteht. Motive gibt es wie Sand an Meer. Natürlich muss man dafür seinen inneren Schweinehund überwinden und beispielsweise die geheizten eigenen vier Wände dafür verlassen. Es lohnt sich aber in jedem Fall und ein Spaziergang hat bekanntlich noch niemand geschadet.

Kameraausrüstung – Es kommt auf den fotografischen Schwerpunkt an

Auf welche Kameraausrüstung man setzt hängt vom Motivbereich ab. Aus diesem Grund kann keine allgemeingültige Aussage getroffen werden. Kommen wir zum Smartphone als „Immer-Dabei-Kamera“. Sind die Lichtverhältnisse gut, geht es um den winterlichen Schnappschuss, dann sind sie sicherlich ganz dienlich, aber nicht unbedingt das „Gelbe vom Ei“. Denken wir hier allein an den Stromverbrauch. Der Akku hat im Vergleich zu Kameraakkus begrenzte Leistung und wird durch kühle Temperaturen sowieso schon mehr belastet. Man läuft mit dem Smartphone also schneller Gefahr, dass ohne Strom nichts los ist. Aber auch in puncto kreatives Spiel bieten Kameras eine deutlich bessere Bandbreite. Diese haben zudem den Vorteil, dass sie größer sind und sich besser bedienen lassen. Unsere Wahl würde in jedem Fall auf Kameras, hier bevorzugt die Bridgekameras, also jene mit einem großen Zoombereich, und auf kompakte System- und Spiegelreflexkameras fallen. Bei den letzten zwei genannten Kamerakategorien profitiert man vom Objektivwechsel. Je nach Motiv kann zwischen Weitwinkel- bis hin zum Superteleobjektiv gewechselt werden. Die Menüoptionen unterscheiden sich je nach Kameramodell. Sie fördern unseres Erachtens das kreative fotografische Spiel ebenso wie die manuellen Einstellmöglichkeiten. Gegenüber Smartphones sehen wir – wie bereits ausgeführt – bei Kameras den weiteren Vorteil in den höheren Energiereserven und dass Akkus in Windeseile bei Bedarf gewechselt werden können. Gehört man zu denjenigen, die beispielsweise actiongeladene Aufnahmen von ihrer Schlittenfahrt wünschen, dann ist man mit einer Action Cam bestens beraten.

Fototasche/Fotorucksack – Was ist besser?

© Blende, Martin Feser, Ein Wintermärchen
© Blende, Martin Feser, Ein Wintermärchen
Wichtig ist zunächst, seine Fotoausrüstung zu schützen, und zwar in einer separaten Tasche beziehungsweise Rucksack. Ist man in den Bergen unterwegs und braucht man Armfreiheit, dann würden wir dem Fotorucksack den Vorzug geben. Hier gibt es übrigens spezielle Modelle mit einer separaten Fototasche, so dass Proviant und Fotoausrüstung in einem, aber dennoch getrennt voneinander transportiert werden können. Ist man weniger sportlich mit einem Spaziergang unterwegs, dann ist die Fototasche eine gute Wahl. Ob Fototasche oder -rucksack ist auch Geschmackssache. Wichtig ist in jedem Fall, auf den Tragekomfort zu achten und dass die Fotoausrüstung gut und sicher verstaut ist.

Kameraeinstellungen: Automatikmodus ja/nein – Was sollte es sein?

Wir propagieren immer wieder „Raus aus der Automatik“, da dies aus unserer Sicht die Kreativität fördert und man natürlich auf diese Weise auch wunderbare Einblicke in die fotografischen Möglichkeiten erhält. Man sollte aber die Automatik auch nicht verteufeln, denn überwiegend führt sie zu guten Bildergebnissen. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Kameraautomatiken inzwischen richtig gute Dienste verrichten. Als sehr hilfreich erachten wir auch Kameramenüoptionen. Nahezu alle aktuellen Kameramodelle verfügen heute über das Menüprogramm „Schnee“. Grund dafür ist, dass große Schneeflächen mit ihrem Weiß Belichtungsautomatiken in die Irre führen können. Dieser Tatsache haben die Kameraingenieure mit dem Menüprogramm „Schnee“ Rechnung getragen.

© Blende, Richard Liebelt, Skilift in den Bergen
© Blende, Richard Liebelt, Skilift in den Bergen
Kommen wir noch einmal zurück zum Automatikmodus. Die größte Gefahr besteht in der falschen Belichtung. Damit Helligkeitsverteilung, aber auch die Farben der Realität entsprechen und der Schnee wirklich blütenweiß abgebildet wird, stehen einem als Fotograf zwei Wege offen: Zum einen kann man in die Belichtungssteuerung eingreifen und ein bis zwei Blendenstufen überbelichten. Dies kann manuell erfolgen oder man verwendet die Belichtungskorrektur der Kamera. Die zweite Option besteht darin, die Kamera bei der Belichtungsmessung auf eine graue Fläche – oder eine entsprechende Graukarte – zu richten und diesen Wert zu speichern. Übrigens: Der interne Belichtungsmesser einer Kamera ist auf Neutralgrau (18 % Grau) geeicht. Das führt dazu, dass reines Weiß immer etwas dunkler aufgenommen wird und das Ergebnis zwangsläufig schmutzig-grau wirkt. Aus diesem Grund sollte man Einfluss auf die Belichtung nehmen, damit der Schnee auch strahlend weiß abgelichtet wird.

Gehört man zu denjenigen, die ihre Bilder nachträglich bearbeiten, so empfehlen wir, im RAW-Modus zu fotografieren. Zahlreiche aktuelle Kameramodelle bieten auch die Option, dass die Bildaufzeichnung sowohl im JPEG- als auch im RAW-Format* erfolgt. Somit hält man sich natürlich alles offen. Hier muss man jedoch beachten, dass dies mehr Speicherplatz beansprucht. Kommen wir noch einmal auf das RAW-Format und seine Vorzüge zurück. Dieses bietet ein Maximum an Bildinformationen und die größte nachträgliche Einflussnahme mittels digitaler Bildbearbeitung.

Histogramm – Ein wertvoller Helfer

Auch, wenn nahezu alle Kameras über ein Histogramm verfügen, so wird diesem oftmals keine Beachtung geschenkt. Das ist schade, denn wir erachten es als wertvollen Helfer, der uns Auskunft darüber gibt, ob wir mit unseren Kameraeinstellungen richtig liegen. Berührungsängste muss man keine haben, ist doch das Histogramm und wie man die Anzeige interpretiert kein Hexenwerk.

Ob ein Foto korrekt belichtet ist, das kontrolliert man hin und wieder gerne über das kamerainterne Display. Ist ja auch praktisch. Doch draußen im Schnee ist es manchmal so hell, dass wir auf dem Display fast nichts mehr erkennen können, weil es verhältnismäßig zu dunkel ist.

© Blende, Christian Scholz, Winterspaziergang
© Blende, Christian Scholz, Winterspaziergang
In diesem Fall macht es Sinn, uns das Histogramm anzeigen zu lassen. Daran können wir im Zweifelsfall gut erkennen, ob das Foto insgesamt eher hell oder eher dunkel ausfallen wird. Beim Histogramm sieht man auf der linken Seite die dunklen Pixel des Bildes, auf der rechten die hellen. Wenn sich überwiegend auf der linken Seite Pixel ansammeln, dann können wir daraus schließen, dass das Foto dunkel ausfallen wird. Sind die meisten Pixel auf der rechten Seite, ist das Foto hell. Wird eine Winterlandschaft fotografiert, dann sollte darauf geachtet werden, dass das Histogramm auf keiner von beiden Seiten „ausschlägt” – somit erhalten wir möglichst viele Details.

Winterfotografie – Motive anders sehen

Der Winter lässt Motive ganz anders in Erscheinung treten. Dies bedingt, dass wir auch anders sehen müssen, wollen wir sie wirkungsvoll einfangen. Der Reiz liegt vielfach in der Reduktion auf wenige bildgebende Elemente, die natürlich entsprechend in Szene gesetzt werden müssen. Wichtig ist es, wie so oft in der Fotografie, sich auf seine Motive einzulassen und im Gewohnten das Besondere zu sehen. Auch, wenn es draußen kalt ist, dann sollten wir nicht der Hektik verfallen, denn das wirkt sich auf die Bilder aus. Spielen Sie mit der Perspektive – geben Sie beispielsweise dem Schnee mal mehr und mal weniger Raum in Ihren Aufnahmen. Achten Sie auf Linien und Formen, lassen Sie einen in Ihren Aufnahmen die Kälte spüren.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2016

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3 Kommentare

Das foto "Ein Wintermärchen" von Martin Feser, ist echt topp!!! tolles Foto.

von Reinald.W
20. Januar 2016, 16:41:28 Uhr

Man kann in die Bilder gut eintauchen und sich da aufhalten:Die Söllhubener Kapelle im Winterschlaf-ein Wintermärchen mit schwer tragender Last(wäre ich der Baum-wunderschön und zauberhaft)und die Ruhe und Leichtigkeit die sich im Winterspaziergang spiegelt.Wunderschöne Aufnahmen und technisch wohl brilliant

von Angelika Rezanek
20. Januar 2016, 14:53:52 Uhr

Beitrag macht Lust auf fotografieren im Winter und gibt gute Tipps dafür. Hat mir sehr gut gefallen.

von Slansky
20. Januar 2016, 14:14:01 Uhr

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