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Ein neues Kamerasystem - Spiegellose Systemkamera mit Wechselobjektiv

Fotografieren wird immer einfacher. Selbst mit winzigen Kompaktkameras gelingen heute die tollsten Schnappschüsse. Der Druck auf den Auslöser genügt, den Rest besorgt die Kameraautomatik. Der einfache Weg zum Bild hat der Begeisterung für die Fotografie neue Anhänger verschafft und auch deren Kreativität beflügelt. Bei vielen Menschen wird durch diese Erfolgserlebnisse der Wunsch nach weiteren Gestaltungsmöglichkeiten geweckt - das zeigt auch der anhaltende Boom bei den Spiegelreflexkameras. Dennoch: Viele, die sich zusätzliche, kreative Gestaltungsmöglichkeiten für ihre Fotos wünschen, schrecken davor zurück, sich mit einer großen und schweren SLR-Ausrüstung zu belasten. Sie wünschen sich Kameras mit dem Komfort einer vollautomatischen Kompaktkamera und den kreativen Möglichkeiten einer Systemkamera mit Wechselobjektiven.

Diesem Wunsch hat die Industrie mit der Einführung einer neuen Kameraklasse entsprochen. Sie hat Pentaprisma und Rückschwingspiegel, die seinerzeit die SLR-Fotografie mit der Motivbetrachtung durch das Objektiv erst ermöglichte, einfach weggelassen und den optischen Sucher durch farbige Displays oder elektronische Sucher ersetzt. Kameras und Objektive konnten so deutlich kleiner werden. Designer erinnerten sich zudem an die Erfolge aus analogen Zeiten und entwarfen Kameras im klassischen Design der frühen Jahre der Kleinbildfotografie. Schließlich war es genau der gleiche Grund, der in den 20er Jahren Oskar Barnack dazu animierte, die erste Leica zu entwickeln. Sein Asthma machte ihm zu schaffen, wenn er seine schwere Plattenkamera auf die Berge schleppte. Das Ergebnis: Die erste Leica, mit der die Firma Leitz 1925 auf der Leipziger Messe die Grundlagen für eine mobile Fotografie legte. Jetzt haben sich die Konstrukteure an das Prinzip der Sucherkameras von einst zurückerinnert. Dabei sind die Kameras noch kleiner geworden und können vergleichsweise unendlich viel mehr. Trotz ihrer geringen Maße sind die Bildqualität und Funktionsvielfalt mit der von SLR-Kameras vergleichbar.

Der Wegfall des optischen Suchers beschert aber nicht nur kleinere und handlichere Kameras und Objektive. Auf den Displays und in den elektronischen Suchern kann sich der Fotograf jetzt erstmals das Bild so anzeigen lassen, wie es vom Sensor und der Kameraautomatik auch tatsächlich erfasst wird und schließlich auf dem PC, Fernseher oder digitalen Bilderrahmen auch erscheint.

Voraussetzung für die neue Art der Ausschnittwahl war die ständige Optimierung der Displaytechnik. Nicht nur die Auflösung musste für die gestochen scharfe Bildwiedergabe verbessert werden, auch Helligkeit, Kontrast und Farbwiedergabe. Zwar müssen unter bestimmten Lichtbedingungen auch heute noch Einschränkungen bei der Bildwiedergabe in Kauf genommen werden, doch überwiegen in der Gesamtheit die Vorteile der modernen Displays.

Fast täglich sind auf diesem Gebiet neue Verbesserungen zu vermelden. Innovative Technologien sorgen für bessere Farben, Schärfe und Leuchtkraft. Berührungssensitive Kamera-Monitore sorgen nicht nur für neue Möglichkeiten der Menüführung für die Wahl der Kamerasteuerungen, sondern moderne Touchscreens können sogar per Fingerzeig auslösen und dabei gleichzeitig die Schärfe und Belichtung auf das angetippte Objekt abstimmen. So gesehen bringen die neuen Suchermonitore zahlreiche Möglichkeiten, die den Fotografen bei der Bildkomposition unterstützen. Dazu gehören Ausstattungsmerkmale wie eine integrierte, dreidimensionale Wasserwaage und einblendbare Gitternetze, mit denen sich die Kamera perfekt ausrichten lässt, um einen schiefen Horizont oder stürzende Linien zu vermeiden. Mit der Lupenfunktion, über die viele solcher Suchersysteme verfügen, kann die Schärfe detailgenau überprüft werden. Ein weiterer großer Vorteil einiger der neuen spiegellosen Systeme ist die Möglichkeit, nicht nur die Objektive des Herstellers, sondern teils direkt teils über Adapter eine Vielzahl von Wechselobjektiven anderer Hersteller verwenden zu können. Das zahlt sich vor allem bei selten genutzten Spezialobjektiven aus. Makro-, Softfokus-, Tilt & Shift Objektive stehen für diese Kameras auch weiter zur Verfügung. Bei Kameras mit interner Bildstabilisation steht auch diese effektive Aufnahmeunterstützung mit all diesen Objektiven zur Verfügung.

Die spiegellosen Systemkameras machen das Fotografieren in vieler Hinsicht leichter und flexibler. Sie besitzen die Größe von Zoomkompaktkameras, können aber Wechselobjektive und anderes Systemzubehör, wie beispielsweise Blitzgeräte, verwenden. Ihre Bildqualität entspricht den deutlich größeren SLR-Kameras und auch die kreativen Funktionen, kommen denen größerer und teuerer Systeme schon sehr nah. Sie machen das kreative Fotografieren mobiler, vielseitiger und einfacher.
 

Faszination Fototechnik 10 / 2009

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