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Kompakte Systemkameras - Was verbirgt sich hinter dieser Kameraklasse?

Geringes Gewicht und kompaktere Bauweise sind zwar wesentliche Kennzeichen der kompakten Systemkameras – doch war das den Entwicklern nicht genug. Auch SLR-Kameras lassen sich kleiner und leichter bauen. Wesentlich für die Entwickler war es, den optimalen Kompromiss zwischen der Bildqualität einer DSLR-Kamera, der Baugröße, dem Gewicht und den kreativen Möglichkeiten zu finden. Das ist auch der Grund, warum sich die neue Kamerakategorie nicht als eine einheitliche Klasse präsentiert, sondern je nach Kompromiss-Schwerpunkt des Herstellers ganz unterschiedliche Systeme hervorgebracht hat.

Der Wegfall des Schwingspiegels erlaubt allein schon den Bau kleinerer Kameras, wie es ja auch die Kompaktkameras mit festeingebauten Objektiven zeigen. Die Verwendung kleinerer Bildsensoren wiederum ermöglicht noch kleinere Kameragehäuse und Objektive. Das haben schon die Hersteller der Kameras für den Four-Thirds-Systemstandard gezeigt. Aber schon die Verwendung von APS-C großen Sensoren gestattete den Bau kleinerer Spiegelreflexkameras und Objektive. Die kompakten Systemkameras mit kleineren Sensoren und ohne Spiegel kommen mit extrem kleinen, leichten Gehäusen und Objektiven aus.

Winzling mit starker Leistung

Das zeigt zum Beispiel das Q-System von Pentax Ricoh Imaging, das mit seinem ½,3“ großen Bildsensor mit 12,3 Megapixel Auflösung augenblicklich die kleinsten Kameras mit Wechselobjektiven bietet. Bei diesem System haben die Entwicklungsingenieure den Schwerpunkt auf Mobilität, Kreativität und Spaß gelegt. Die Bildqualität entspricht der einer Kompaktkamera gehobenen Anspruchs. In den kreativen Möglichkeiten ist sie dieser Klasse jedoch durch Wechselobjektive, Filtereffekte, HD-Videofunktion, Bildstabilisierung, Staubschutz und die elektronische Schärfentiefe-Steuerung weit überlegen.

Weniger Pixel größerer Sensor

Einen 1-Zoll-Bildsensor mit 10 Megapixel verwenden die beiden Kameras der neuen Nikon 1-Serie. Der nur wenig größere Sensor mit weniger Pixeln wurde gewählt, um einen Kompromiss zwischen höchster Mobilität, bestmöglicher Bildqualität sowie höchster Steuerungs- und Verarbeitungsgeschwindigkeit zu erreichen. Gleichzeitig haben die Nikon 1-Ingenieure ein System geschaffen, das mit Funktionen wie „Bewegter Schnappschuss“ und „Smart Photo Selector“, ganz neue Seherlebnisse vermittelt. Beim „Bewegten Schnappschuss“ geht ein kurzer Videoclip dem Standbild voraus und beim „Smart Photo Selector“ wählt die Kamera automatisch aus 20 innerhalb einer Sekunde aufgenommenen Bilder das Beste aus und behält zudem vier Alternativen zusätzlich im Speicher. Bei der automatischen Auswahl werden durch besondere Algorithmen Parameter wie Gesichtsausdruck, Bildausschnitt und Schärfe berücksichtigt.

Das einzigartige Feature aber ist der extremschnelle Autofokus der Kamera, der als der zurzeit schnellste der Welt gilt. Er ermöglicht es bei Serienaufnahmen mit bis zu 10 Bildern in der Sekunde in voller Auflösung zwischen jeder Aufnahme die Schärfe zu kontrollieren und auch Objekten, die sich mit hoher Geschwindigkeit bewegen, zu folgen.

Die Erfinder der spiegellosen Systeme

Die ersten spiegellosen Kameras mit Sensoren des MFT-Systemstandards haben Olympus und Panasonic auf dem Markt gebracht. Hier wurde auf höchste Ausgewogenheit von Sensorgröße und Bildqualität geachtet. Der Sensor entspricht mit seiner Größe von 17,3 × 13 mm den bewährten DSLR-Sensoren des Four-Thirds-System. Die Pixelzahl von zurzeit maximal 16 Megapixel gestattet die Verwendung größerer Pixel und liefert damit die Voraussetzung für höhere Empfindlichkeiten bei sehr geringem Bildrauschen. Durch die Verwendung der Kontrast AF-Steuerung mit Messung auf dem Bildsensor gewährleistet das System eine extrem schnelle Fokussierung. Die Bildstabilisierung kann bei einigen Kameras dieses Systems optisch über das Objektiv oder über eine Sensormechanik erfolgen. Besondere Leistungsschwerpunkte in diesem Lager liegen auf Bildqualität, Schnelligkeit, kreativen Effekten und einfacher Handhabung.

Sensorgröße wie bei SLR-Kameras

Auf höchste Bildqualität durch Wahl des bereits bei den DSLR-Kameras bewährten APS-C-Formats als Sensorgröße haben Samsung und Sony gesetzt. Bis zu 20,3 Megapixel bieten spiegellose Kameras dieser Hersteller in der Spitzenklasse. Der große Sensor erlaubt ausreichend große Pixel für relativ rauscharme Fotos bei hohen Empfindlichkeiten und wenig Licht. Der größere Sensor verlangt allerdings noch größere Objektivkonstruktionen. Diese sind wegen des geringeren Auflagemaßes durch den Wegfall des Spiegels zwar deutlich kleiner als Objektive für DSLR-Kameras mit gleichgroßen Sensoren, aber größer als jene für kleinere Sensorgrößen.

Wohin geht die Reise?

Einige Hersteller setzen voll auf die neue Kamerakategorie und sehen in ihren kompakten Systemkameras ohne Spiegel die Zukunft der kreativen Fotografie. Das sind vor allem diejenigen, die auch größere Sensoren verwenden. Einige SLR-Hersteller betrachten die neuen Systemkameras als eine Ergänzung ihres Angebots für Ein- und Aufsteiger aus der Kompaktklasse.

Schnelle Bildfolgen, AF-Geschwindigkeit, Full-HD-Video und neuartige Funktionen, wie die Bildverarbeitung in der Kamera, sind die herausragenden Vorzüge der neuen Kamerasysteme. Für das Frühjahr haben Canon und Fujifilm ihren Einstieg in diese Kategorie angekündigt. Zur photokina 2012, die vom 18. bis 23. September 2012 in Köln ihre Tore öffnet, dürften wohl alle Hersteller auch eine Kameralinie ohne Spiegel mit Wechselobjektiven im Programm haben. Erst dann wird der Verbraucher sich wirklich entscheiden können, mit welcher Ausrüstung er zur Umsetzung seiner gestalterischen Ideen am besten fährt und wie sehr er sich dafür belasten möchte.

Faszination Fototechnik 11 / 2011

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