Bildleiste

Bessere Bilder mit Blitzlicht

Künstliche Sonne im Photoeinsatz
Blitzen von A bis Z: Ausleuchtwinkel bis Leitzahl


Zum wichtigsten Zubehör für Hobbyphotographen gehören die Blitzgeräte. Sie dienen nicht nur zur Aufhellung dunkler Umgebungen, sondern verändern die Lichtstimmung im Bild und lassen die Farben leuchten. Wer bessere Bilder bekommen will, wird auf die künstliche Lichtquelle nicht verzichten.

Dank modernster Phototechnik ist die Handhabung von Blitzgeräten einfach. Moderne Kompakt- und Spiegelreflexkameras sind bereits mit eingebauten (integrierten) Blitzgeräten ausgestattet, die für viele Aufnahmesituationen hilfreich sind, etwa zur Reduzierung des "Rote-Augen-Effektes".

Engagierte Spiegelreflexphotographen jedoch verwenden längst leistungsstärkere externe Blitzgeräte, die als Zubehör erhältlich sind und über den Kontaktschuh oder eine Anschlußbuchse mit der Spiegelreflexkamera verbunden werden. Diese Systemblitzgeräte können den Anwendungsbereich einer Spiegelreflexkamera erheblich erweitern, bei Innen- und Außenaufnahmen. Schattenaufhellung bei Portraits, Aufhellung bei Gegenlicht, Vordergrundaufhellung bei Nachtaufnahmen beziehungsweise in der Dämmerung sind nur einige Beispiele, bei denen Blitzgeräte die Bildqualität erheblich verbessern.

Einige Kenntnisse und etwas Übung sind jedoch erforderlich, um zu ausgezeichneten Blitzaufnahmen zu kommen. Wichtig ist der Ausleuchtwinkel eines Blitzgerätes, der in Grad oder in Brennweite angegeben wird, die das Blitzgerät ohne Einschränkungen ausleuchtet. Wird eine kurze Weitwinkelbrennweite benutzt, kann es zu Abschattungen an den Bildrändern kommen, wenn der Ausleuchtwinkel nicht reicht. Wer in engen Räumen etwa mit einem 20 mm-Weitwinkelobjektiv photographieren will, sollte darauf achten, daß diese Brennweite vom Blitz abgedeckt wird. Bei den meisten Blitzgeräten liegt der Ausleuchtwinkel zwischen 24 und 35 mm. Wenn das nicht reicht, ist der Einsatz einer Weitwinkel-Streuscheibe möglich. Mit diesem Blitzgeräte-Zubehör läßt sich die Ausleuchtung bis auf 18 mm Brennweite ausdehnen. Allerdings
vermindert sich beim Einsatz einer Streuscheibe die Leitzahl und somit die Reichweite des Blitzgerätes. Bei manchen Geräten läßt sich der Leuchtwinkel mit einem Zoomreflektor variieren.

Ebenfalls wichtig ist die Leitzahl, die über die Leistungsfähigkeit beziehungsweise über die Reichweite des Blitzgerätes Auskunft gibt. Je höher die Leitzahl (LZ), desto größer ist die Blitzreichweite. Bei einer Leitzahl 28 und eingestellter Blende 4 beträgt die Reichweite sieben Meter (28:4=7), bei einer LZ 28 und Blende 5,6 beträgt die Reichweite fünf Meter (28:5,6=5). Die Leitzahl bezieht sich auf das Filmmaterial mit einer Empfindlichkeit von ISO 100/21° und vergrößert sich je höher die Filmempfindlichkeit ist. Beträgt die LZ 28 bei ISO 100/21°, ergibt sich bei ISO 200/24° eine LZ von 40, also eine Reichweite von bereits zehn Metern bei Blende 4 (40:4=10). Dies kann andererseits ein Zugewinn von einer Blende bedeuten (LZ 40: Blende 5,6=Reichweite 7,14 Meter). Die Blitzreichweite ist aber auch von der Raumhelligkeit abhängig. Bei Räumen mit hellen Wänden, die das Licht besser reflektieren, ist die Reichweite größer als in dunklen Räumen.

Eingebaute Blitzgeräte und preiswerte Standardgeräte haben einen feststehenden Reflektor und geben das Licht nur in eine Richtung ab. Zur kreativen Lichtführung sollte der Reflektor jedoch schwenkbar sein. Richtet man den Reflektor beispielsweise gegen eine (weiße) Decke oder Wand, sorgt das reflektierte Licht für eine weiche, gleichmäßige Ausleuchtung ohne starke Schlagschatten. Diese Beleuchtungsart ist besonders bei Portraits vorteilhaft.

Bei modernen Systemblitzgeräten erfolgt die Steuerung über die Kamera. Der Belichtungscomputer mißt das vorhandene Licht und steuert automatisch die Lichtmenge, die zu einer richtigen, ausgewogenen Belichtung beziehungsweise Aufhellung erforderlich ist. Diese Steuerung nennt man TTL (Through the Lens), durch das Objektiv. Eine zweite Variante ist die Automatikblitzsteuerung. In diesem Fall befindet sich die Meßzelle direkt am Blitzgerät. Diese Meßzelle mißt das reflektierte Blitzlicht, unter Berücksichtigung des Umgebungslichts, und schaltet die Lichtabgabe bei Erreichen der erforderlichen Lichtmenge ab. Beide Methoden sind sehr genau und führen zu guten Ergebnissen.

Tips für die Blitzpraxis

  • Der Blitz ist ein idealer Aufheller für Schatten, Motive im Gegenlicht und Portraits bei trübem Wetter.

  • Professionelle Blitzgeräte lassen ihren Reflektor gegen die Zimmerdecke richten, um so eine ausgewogene indirekte Beleuchtung zu erreichen. Farbige Decken und Wände können beim indirekten Blitzen jedoch zu Farbverfälschungen führen.

  • Hochempfindliche Filme erweitern die Reichweite des Blitzlichts.

  • Stellen Sie keine Blendenzwischenwerte und nur die angegebenen Filmempfindlichkeiten am Blitzcomputer ein; andere Werte akzeptiert das Gerät nicht. Die Einstellgenauigkeit liegt gewöhnlich innerhalb des Toleranzbereichs und macht sich nicht störend bemerkbar.

  • Machen Sie sich anfangs mit schwierigen Aufnahmesituationen vertraut, indem Sie eine Belichtungsreihe anfertigen und sich die jeweiligen Einstellungen notieren. Später können Sie dann korrigierend eingreifen.

  • Bei von vorn geblitzten Portraits immer die Funktion zur Reduzierung des Rote-Augen-Effekts einsetzen.

Kaufberatung

  • Läßt sich das Blitzgerät in das vorhandenen Kamerasystem integrieren? Können die kameraspezifischen Blitzfunktionen optimal genutzt werden?

  • Welche Aufnahmebereiche (Portrait, Makro, Action) sollen mit dem Gerät abgedeckt werden? Reicht die Leistung?

  • Ist das Gerät kompakt genug, um auch unterwegs eingesetzt werden zu können?

  • Hat das Gerät einen schwenk- und/oder drehbaren Reflektor?

  • Welche Brennweite (Weitwinkel) wird ausgeleuchtet? Sind die vorhandenen Objektive abgedeckt?

  • Kann der Ausleuchtwinkel mit Weitwinkel-Streuscheiben ausgedehnt werden?

  • Hat das Blitzgerät einen Zoomreflektor zur Anpassung an die unterschiedlichen Brennweiten?

  • Welches Zubehör (Vorsätze, externe Stromversorgung) gehört zum Blitzgerät oder ist optional erhältlich?

  • Kann das Gerät auch mit einem Kabel angeschlossen und von der Kamera entfernt betrieben werden oder ist eine drahtlose Steuerung möglich?


 

Faszination Fototechnik 02 / 2004

Bewerten 71

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren






* Diese Felder müssen ausgefüllt werden

Ast im Grand Canyon

"Ast im Grand Canyon"
Johannes Kern