Neues aus der Objektivküche - Glaskeramik

© Ohara Inc - Glaskeramik Produkte
© Ohara Inc – Glaskeramik Produkte
Jede Hausfrau kennt sie, die Herdplatten aus Glaskeramik. Auch in der Raumfahrtindustrie, im Flugzeugbau, in der Automobilherstellung oder bei den Maschinenbauern wird der moderne, durchsichtige, aber dabei äußerst widerstandsfähige Werkstoff geschätzt. Jetzt beginnt auch die Foto- und Optikindustrie Klarglaskeramik für Kameras und Objektive sowie für optisches Zubehör einzusetzen.

Das extrem widerstandsfähige Material mit seiner geringen Temperaturempfindlichkeit ermöglicht die Herstellung von besonders robusten Schutzfiltern, die speziell Action- und Outdoor-Fotografen mehr Sicherheit geben. Eine Vorreiterrolle nimmt auf diesem Gebiet der Objektivhersteller Sigma ein. Als weltweit erstes Imaging-Unternehmen hat Sigma kürzlich einen Schutzfilter aus Klarglaskeramik vorgestellt. Der Sigma WR Ceramic Protector wurde speziell für Objektive mit größeren Frontdurchmessern zwischen 67 und 105 mm konzipiert. Er verwendet statt konventioneller, chemisch gehärteter Gläser das deutlich robustere Klarglaskeramik-Material. Dieser moderne Werkstoff besitzt eine größere Härte als chemisch gehärtete Gläser und ist dabei gleichzeitig auch flexibler als alternative Materialien wie beispielsweise Saphirkristallglas. Wesentlich für den Einsatz in der Optik aber ist eine hohe Lichtdurchlässigkeit der Klarglaskeramik.

Klarglaskeramik ist kein neuer Werkstoff und schon ziemlich lange für unterschiedlichste Anwendungen im Einsatz. Vor allem wegen seiner geringen Empfindlichkeit gegenüber Temperaturschwankungen wird sie beispielsweise schon lange für Präzisionsgeräte in der Weltraumforschung, beziehungsweise in der Astronomie, eingesetzt. So wird der extrem harte Werkstoff etwa als Substrat für die hochpräzisen, großflächigen Spiegel von Weltraumteleskopen verwendet, die bei ihren Einsätzen ständig Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. Hier liefert Glaskeramik aufgrund der konstant bleibenden Maße auch unter extremen Umweltbedingungen zuverlässige Ergebnisse. Die Glaskeramikspiegel in den Observatorien zur Vermessung des Weltraums besitzen oftmals riesige Durchmesser, die bis zu vier Metern betragen können.

Magellan Teleskop Spiegel, Made by Schott
Magellan Teleskop Spiegel, Made by Schott
Glaskeramiken sind anorganische, nichtmetallische, glasähnliche Stoffe. Sie entstehen aus einer Glasschmelze, bei der das Wachstum der Kristalle gezielt gesteuert wird. Die meist aus Oxiden oder Karbonaten bestehenden Grundstoffe werden bei hoher Temperatur geschmolzen und die homogene Mischung dann in eine dem gewünschten Endprodukt nahekommende Form gebracht. Die Glasrohlinge können dann bearbeitet werden, um eine für die Anwendung erforderliche Form zu erreichen.

Außer für den dem Schutz der Vorder- und Hinterlinsen von Wechselobjektiven für Foto und Video ist dieser Werkstoff nicht zuletzt auch für Kameras in der Automobilbranche oder in der für industrielle Anwendungen hervorragend geeignet.

So verbreitet Glaskeramik für industrielle Anwendungen oder in der Küche für Herdplatten, unzerbrechliche, hitzebeständige Gläser oder Bräter und Topfdeckel bereits sein mag, in der Optik beginnt erst der Siegeszug dieses hochwertigen, extrem harten Werkstoffs. Bis Objektivlinsen aus dem, wegen seiner Widerstandsfähigkeit, auch Panzerglas genanntem Material gefertigt werden können, wird aber wohl noch einige Zeit vergehen.

Faszination Fototechnik 01 / 2016

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1 Kommentare

Vielen Dank für den sehr interessanten Artikel! Ich hatte bereits von diesen Klarglas-Keramik-Schutzfiltern von Sigma gelesen, und bin mir nun nach dem Lesen definitiv sicher, dass ich zunächst einmal einen Schutzfilter ausprobieren werde. Was ich aber jetzt nicht raus gelesen habe... wann werden die Klarglas-Keramik-Schutzfilter auf den Markt kommen?

von nubinou
28. Januar 2016, 01:46:07 Uhr

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