Nützliches Foto-Zubehör aus dem 3D-Drucker

3D-Druck-Equipment
Allenthalben wird dem 3D-Drucken eine große Zukunft vorausgesagt und auch wir haben schon über persönliche Mini-Abbilder berichtet, die damit hergestellt werden. Dies ist jedoch nicht die einzige interessante Anwendung für Fotografen. Nützliche Dienste kann ein 3D-Drucker auch für die Herstellung von individuellem Fotozubehör leisten. Erste Anbieter dazu kommen damit gerade auf den Markt.

Individuelles Fotozubehör nach eigenem Geschmack

© Christian Steinkrüger/Logodeckel.de
© Christian Steinkrüger/Logodeckel.de
Sie ermöglichen die individuelle Gestaltung von Foto-Equipment nach eigenen optischen Vorlieben. Christian Steinkrüger etwa bietet unter Logodeckel.de den 3D-Druck von Objektivdeckeln mit eigenem Wunschmotiv an. Da der Linsenschutz individuell hergestellt wird, kann er auch farblich ganz nach den eigenen Vorlieben gestaltet werden. Wie bei den meisten günstigeren 3D-Druckern ist das verwendete Material PLA – ein Kunststoff aus Polymilchsäure, der in vielen Eigenschaften dem typischen Plastik ähnelt, jedoch besser abbaubar ist. Allerdings ist er nicht so temperaturbeständig und wird schon bei 80 bis 90 Grad weich (damit er sich vom 3D-Drucker verarbeiten lässt). Für die typischen Foto-Zubehör-Teile ist das aber kein Problem, da man seine Objektivdeckel ja nicht auf einer eingeschalteten Herdplatte liegen lässt oder in kochendes Wasser wirft.

Kleinauflagen von Zubehör für Spezialanwendungen

© Christian Steinkrüger/Logodeckel.de
© Christian Steinkrüger/Logodeckel.de
Aber nicht nur im Dienst der individuellen Optik lassen sich 3D-Drucker einsetzen, auch Zubehör-Teile, die nicht in Massenfertigung angeboten werden, kann er herstellen. MK Panorama Systeme etwa bietet verschiedenes Panorama-Zubehör wie zum Beispiel einen Nodalpunktadapter für Kompaktkameras und einen für die GoPro Hero Action-Kamera an. Christian Steinkrüger hat einen Rollfilmadapter im Programm, mit dessen Hilfe Analog-Fotografen 35mm-Kleinbildfilme in einer Mittelformatkamera nutzen können. Auch bietet er Filterhalter für das Lumix 7-14mm Weitwinkel-Objektiv und hat einen für das Nikkor 14-24mm in Planung. Beide gibt es bisher auf dem Massenmarkt nicht.

Diese ersten Beispiele zeigen sehr gut, was die 3D-Drucktechnologie zu leisten vermag. Auch wer eine alte Kamera im Schrank hat, bei der etwa ein Bedienelement abgebrochen ist, dem kann in Zukunft für den 3D-Druck wahrscheinlich mit einem Ersatzteil geholfen werden.

Eigener Druck in Bibliotheken und Maker-Hubs

Thingiverse
Dabei ist man für den 3D-Druck nicht mal zwingend auf die Unterstützung von Unternehmen angewiesen, sondern kann auch selbst tätig werden. In größeren Städten wie etwa in Hamburg oder Köln haben Bibliotheken 3D-Drucker angeschafft und stellen sie für die öffentliche Nutzung kostenlos oder gegen ein sehr geringes Entgelt bereit. Alternativ findet man die Geräte in so genannten „Maker Spaces“ oder „Maker Hubs“. Auf Websites wie 3Hubs.com wird versucht, Privatleute und ihre 3D-Drucker miteinander in Kontakt zu bringen. Unsere Tests zeigten, dass man dort sogar im ländlichen Bereich Anbieter finden kann.

Die Druckmaschine alleine reicht jedoch noch nicht als Basis. Es wird außerdem noch eine 3D-Vorlage benötigt, die die Konstruktion des zu druckenden Elementes enthält. Diese muss man zum Glück jedoch nicht selbst erstellen, sondern kann sie sich von Websites wie Thingiverse herunterladen. In der Regel ist das sogar kostenlos. Die Auswahl ist recht breit und reicht vom SD-Kartenhalter für den Schlüsselbund über einen Blitzständer und Stülpadapter für die Spektivfotografie bis hin zur kompletten Lochkamera.

Wer sich reinfuchsen möchte, kann eine solche Druckvorlage natürlich auch selbst erstellen oder anpassen. Auch dafür gibt es kostenlose Programme. Allerdings sollte man den Aufwand nicht unterschätzen. Christian Steinkrüger von Logodeckel.de etwa verriet uns, dass er für die Konstruktion seines Filterhalters von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt etwa 50 Stunden Zeichenarbeit benötigt hat: „Es beansprucht doch einige Zeit, bis so ein Gegenstand konstruiert, zur Probe gedruckt, getestet, wieder umkonstruiert und wieder gedruckt ist.“

Kamerahersteller setzen 3D-Druck für Prototypen ein

Prototyp
Der Trend zum 3D-Druck geht übrigens auch an den Kameraherstellern nicht vorbei. Auf der photokina 2014 etwa verriet uns Olympus, dass dort für Prototypen wie etwa die „Open Platform“-Kamera der 3-Druck eingesetzt wird. Dies ist viel günstiger und damit praktischer als konventionelle Herstellungsverfahren für Einzelstücke.

In die Zukunft geschaut

Werden wir in Zukunft nur noch Druckvorlagen bei den Herstellern herunterladen und unser Foto-Zubehör selbst ausdrucken? Das erscheint im Moment ziemlich unwahrscheinlich, weil die Massenfertigung noch viel günstiger ist als der individuelle 3D-Druck. Auch ist die Oberfläche gerade bei günstigen 3D-Druckern meist uneben und damit gewöhnungsbedürftig. Darüber hinaus sind die Materialien bei den günstigen 3D-Druckern für Privathaushalte sehr eingeschränkt. Solides Metall etwa kann dort noch nicht verarbeitet werden. Das ist sehr viel teureren Maschinen vorbehalten, die auf absehbare Zeit wohl kaum zu Hause oder in Bibliotheken Einzug halten werden. Dennoch ist zu erwarten, dass durch den 3D-Druck über kurz oder lang Foto-Zubehör individueller und vielfältiger wird.

Faszination Fototechnik 10 / 2014

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1 Kommentare

Da sieht man erst einmal, wozu das alles noch nutzbar sein wird. Ich glaube, da kommt eine industrielle Revolution auf uns zu und die wird alle umkrempelt. In wenigen Jahren hat jeder so ein Ding bei sich am Computer stehen samt 3D Scanner und baut sich seinen 3D Drucker Bausatz selber zusammen. Keine fehlenden Ersatzteile oder Kleinteile, die man nicht mehr ersetzt bekommt . Alles wird in 3D bereit gestellt zum Download, wie heute die digitalen Computer Treiber ... dann druckt man sich schnell mal selber ein kaputtes Zahnrad im Druckerschlitten oder eine Hülle für die beschädigte Fernbedienung ... habe mir gerade auch auf www.bester-3d-drucker.com die Testreihe angesehen bzw. die Ratgeberbeiträge gesichtet. Man muss sich ja für das anstehende Weihnachtsfest noch ein schönes Geschenk für sich selbst aussuchen, oder !? *-)

von Steffen Krobert
24. November 2014, 22:04:28 Uhr

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