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Stative: unverzichtbare Werkzeuge

Nützliche Helfer für scharfe Photos Fester
Halt für die Kamera


Besonders in der bevorstehenden Ferien-Photosaison, daheim und unterwegs, hat der Hobbyphotograph wieder vermehrt die Muße außergewöhnliche Aufnahmen in Ruhe zu gestalten. Zudem bieten sich fernab vom Alltag neue Motive für packende Photos an. Zu jeder Tages- und Nachtzeit erlauben moderne Kameras und Filme Aufnahmen selbst bei wenig Licht. Auch sich schnell bewegende Motive bei Sport und Action lassen sich problemlos einfangen. Doch der Kenner weiß, daß ein Stativ als nützlicher Helfer für viele Aufnahmesituationen und Bildumsetzungen unverzichtbar ist.

Es gibt Photographen, die immer und überall mit einem Stativ arbeiten, selbst bei Aufnahmen mit kürzesten Verschlußzeiten und kleinen Blendenöffnungen. Ob das nur eine Marotte ist oder tatsächlich das entscheidende Mehr an Schärfe bringt, mag jeder für sich selbst entscheiden. Unstreitig ist allerdings, daß bei langen Belichtungszeiten bei Dämmerlicht, beim Einsatz extremer Teleobjektive, für Makrophotos mit wenigen Millimetern Tiefenschärfe oder Intervallaufnahmen einer sich öffnenden Blüte kein Weg an dem Einsatz eines Stativs vorbeigeht. Doch Stativ ist nicht gleich Stativ. Nicht alle Modelle eignen sich für dieselben Anwendungen, und vor allem Verarbeitung, verwendetes Material und Handhabung sind wichtige Unterscheidungskriterien.

Da gibt es Stative für ein paar Euro fünfzig ebenso wie für über 1.000 Euro. Sie können verschiedensten Anwendungen dienen, etwa um eine Photokamera zu halten, einen Videofilm aus dem fahrenden Auto zu drehen oder einem Außenmikrofon Halt zu geben. Deshalb ist vor dem Kauf genau zu überlegen, wofür das Stativ benötigt wird.

So gibt es neben kleinen und leichten Mini- und Einbeinstativen auch klassische Dreibein-Universalstative für Photographie- und Videoanwendungen sowie hochwertige Profistative. Darüber hinaus bieten die Hersteller reichhaltiges Zubehör für die verschiedenen Stativmodelle an. Dazu zählen neben Kugelköpfen unterschiedliche Schienen, kurze Mittelsäulen, Klammerköpfe zur Befestigung der Kamera am Stativbein und Schnellwechselplatten. Als Material kommt etwa Titan oder Eschenholz oder Aluminium und Carbonfasern zum Einsatz. Dieses Material trägt ebenso zu einer deutlichen Gewichtsreduzierung bei wie spezielle Legierungen aus Aluminium, Magnesium, Titanium. Bemerkenswert ist, daß trotz des niedrigen Gewichtes und dem damit verbundenen erhöhten Tragekomforts keinerlei Beeinträchtigungen hinsichtlich Stabilität und Standfestigkeit in Kauf genommen werden müssen.

Für die Sport-, Aktion- und Naturphotographie mit Brennweiten von 200 bis 500 mm (und vergleichbare Brennweiten bei Digitalkameras), bei denen der Kamerastandort oft gewechselt werden muß, bietet sich ein Einbeinstativ mit hoher Stabilität und geringem Eigengewicht an. Für Aufnahmen, bei denen der Kamerastandort weitgehend unverändert bleibt, ist ein Dreibeinstativ sinnvoll. Bei der Nah- und Makrophotographie mit einem Abbildungsmaßstab 1:4 ist ein Dreibeinstativ empfehlenswert, ab 1:2 sehr empfehlenswert und ab 1:1 ein Muß. Für bodennahes Arbeiten sollte das Stativ eine umkehrbare Mittelsäule haben. Nützlich kann ein Klammerkopf sein, der am Stativbein festgeklemmt wird. Für Landschafts- und Architekturphotographen ist ein stabiles Stativ immer dann unerläßlich, wenn der Bildausschnitt genauestens festgelegt werden muß. Es gibt noch viele weitere photographische Aufgaben, für die ein Stativ sehr wichtig ist. Stillifes, alle Arten von Sach- und Gutachterphotos und gestaltete Portraits.

Für das Videofilmen ist ein Stativ nahezu unbedingt erforderlich. Verrissene Schwenks, wackelige Sequenzen und ruckelige Zoomfahrten verderben den schönsten Urlaubs- und Reisebericht oder die Langzeitreportage von der Entwicklung der Kinder. Wackeln und Vibration sind die Erzfeinde gestochener Bildschärfe. Wie jeder weiß, ist ein Stativ das geeignete Mittel gegen Verwacklungsunschärfen.

Weniger bekannt ist das Problem der Vibration. Schon der hochklappende Spiegel einer Spiegelreflexkamera oder ein leichter Wind erzeugen Vibrationen, die bei der Verwendung sehr langer Teleobjektive oder bei extremen Nahaufnahmen als Unschärfe sichtbar werden. Deshalb kann man bei einigen Spiegelreflexkameras den Spiegel vor der Belichtung von Hand hochklappen. Während der sichere Stand eines richtig dimensionierten Stativs Verwacklungen ausschließt, hilft gegen Vibrationen Masse, also Gewicht. Weil niemand gerne große Gewichte mit sich schleppt, kommt es bei der Stativwahl auf die richtige Balance zwischen Masse (Schutz vor Vibrationen) und geringem Transportgewicht an. Damit auch bei superleichten Stativen die Masse erhöht werden kann, ohne das Transportgewicht zu belasten, gibt es den Ballastsack. Ein ebenso einfaches wie intelligentes Zubehör. Vor Ort wird er zwischen die Stativbeine gehängt und etwa mit einem schweren Stein befüllt.


Worauf ist beim Stativ-Kauf zu achten?
Wer ein Stativ anschaffen möchte, sollte mit dem Photofachhändler über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle im allgemeinen und speziell für die Anwendung sprechen:
  • Sind die Anschlüsse nach DIN genormt?

  • Kann Zubehör, etwa Schnellwechselplatten oder Videoköpfe,angebracht werden?

  • Ist eine Wasserwaage eingebaut?

  • Ist das Stativ abschließbar?

  • Aus welchem Material sind die Beine gefertigt?

  • Wie ist die Oberfläche veredelt?

  • Aus wieviel Teilen bestehen die Beine?

  • Wie werden die einzelnen Teile arretiert?

  • Wie weit lassen sich die Beine spreizen?

  • Welche Füße hat das Stativ?

  • Sind die Füße wechselbar?

  • Welche Art der Mittelsäule hat das Stativ?

  • Wie wird die Mittelsäule bewegt und arretiert? Wird sie gedämpft?

  • Kann man die Mittelsäule herausnehmen?

  • Wie sind minimale und maximale Höhe?


Stativ-Portraits auf einen Blick:

  • Dreibeinstativ - Der klassische Stativtyp mit drei Beinen und einer beweglichen Mittelsäule.

  • Einbeinstativ - Gibt es als Einzelmodell oder als herausnehmbare Mittelsäule eines Dreibeins.

  • Körperstativ - Spezialkonstruktionen, um Kameras bequem am Körper tragen zu können.

  • Tischstativ - Sehr kleine Modelle, lassen sich schnell aufbauen und überallhin mitnehmen.

  • Klemmstativ - Sorgen wie eine Schraubzwinge an unregelmäßigen Befestigungspunkten für Halt.

  • Saugstativ - Haben mindestens einen Saugnapf als Fuß, mit dem sie an glatten Flächen befestigt werden können.

  • Spezialstative - Für Lampen und Mikrofone oder besondere Anwendungen, etwa im fahrenden Auto.
Zubehör für Stative
Die Qualität eines Stativs wird vor allem durch die Verarbeitung und das verwendete Material charakterisiert. Aber auch das Zubehörangebot sollte ein Entscheidungskriterium sein, um wachsende photographische Ansprüche mit einem mitwachsenden System begleiten zu können. Hinlänglich bekannt sind die verschiedenen Kugelgelenke und Köpfe für Photokameras und Camcorder. Aber auch Schnellkupplungsplatten, nachträglich installierbare Wasserwaagen, auswechselbare Füße oder Tragegriffe erleichtern den Umgang mit einem Stativ. Und derjenige, der spezielle Aufnahmen machen will, ist ebenfalls gut beraten, wenn er sich vor einem Kauf nach entsprechenden Ausbaumöglichkeiten erkundigt. So bieten einige Hersteller etwa Makroarme, Justierschlitten, Erdspieße oder Stativwagen an, die das Umsetzen der kreativen Photoideen erleichtern.
 

Faszination Fototechnik 01 / 2004

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Dieter Hank