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Welche Filmarten gibt es?

Filme und Formate - Vielfältiges Angebot
Das lichtempfindliche Futter für die Photokamera


Jeder Hobbyphotograph, ob Einsteiger oder Könner, kennt die häufigen Fragen: "Welcher Film wofür?" oder "Unter welchen Filmarten kann ich wählen?". Mancher steht beim Photofachhändler vor dem Regal mit großem Angebot und zuckt die Schulter. Der Händler empfiehlt das geeignete Produkt, selten bleibt die Zeit, alle Filmarten im Detail zu erklären. Und nicht alle Produkte sind immer gleich verfügbar.

Viel Format im Programm
Farbe oder Schwarzweiß? Negativ- oder Diafilm? 35 mm oder Advanced Photo System (APS)? ISO 100 oder ISO 400? Die Qual der Wahl ist bei der Auswahl an Filmen je nach Format, Typ, Länge und Lichtempfindlichkeit groß. Je nach Hersteller gibt es zusätzliche Unterschiede in der Filmkörnigkeit und Farbsättigung. Doch jeder Film hat seinen spezifischen Anwendungsbereich. Es gibt vier Filmkonfektionen: Patronen, Kassetten, Rollen oder Blätter. Welche benötigt wird, kommt auf die Kamera an. Das Bildformat, die Größe und die Form, einer Kamera wird besonders durch die Filmbreite bestimmt. Das bekannteste 35 mm-Format für Kleinbild erzeugt in der Regel eine Negativgröße von 24 x 36 mm. Das Seitenverhältnis beträgt 3:2. Andere Formate haben quadratische oder rechteckige Seitenverhältnisse. Beim APS-Format ist der Film nur ganze 24 mm breit. Dies erlaubt sehr kompakte und handliche APS-Kamerabauweisen. Bei einigen Produkten kann vor der Aufnahme das Seitenverhältnis mittels eines Hebels oder durch Auswechseln der Filmrückwand verändert werden.

Schnelle und langsame Filme
Es gibt Filme mit unterschiedlichen Lichtempfindlichkeiten. Je "schneller" ein Film arbeitet, desto größer ist seine Lichtempfindlichkeit. "Schnelle" Filme benötigen eine geringe Belichtungszeit und sind für schlechte Lichtverhältnisse geeignet. "Langsame" Filme reagieren auf Licht nicht so schnell und besitzen einen niedrigen Empfindlichkeitswert. Die Lichtempfindlichkeit wird in ISO-Werten gemessen. Dabei handelt es sich um eine Messung, nach der ein Film mit ISO 200 zweimal so empfindlich ist wie einer mit ISO 100 und nur halb soviel Licht für das gleiche Bild benötigt. Standardfilme haben eine Lichtempfindlichkeit von ISO 100 bis 400. Doch es gibt Filme bis zu ISO 3200 oder langsamere mit ISO 25 bis 64. In der Regel erzielen langsamere Filme eine bessere Bildqualität. Für alle Filmformate, ob Kleinbild oder APS, steht ein großes Filmangebot zur Verfügung: Nicht nur in den Empfindlichkeitsklassen ISO 100, 200 und 400, sondern auch in Schwarzweiß und für Dias. Wer eine APS-Kamera mit Filmwechselmöglichkeit "mittendrin" besitzt, kann sich mit Einlegen des jeweils am besten geeigneten Films an die vorhandenen Motivbedingungen anpassen - ohne Bildverluste. Diesen Vorteil gibt es beim Kleinbildfilm nicht.

Sparen an der falschen Stelle
"Filme über ISO 100 kosten mehr Geld", lautet eine Feststellung, die manchen davon abhält, etwas mehr für den Film auszugeben, was eigentlich notwendig wäre, um mit schlechten Lichtverhältnissen oder schnellen Ereignissen gut fertig zu werden. "Höchstempfindliche Filme sind grobkörnig", heißt zudem noch ein Vorurteil. Ersteres stimmt zwar, doch der Einsatz lohnt sich. Letzteres ist dagegen heute überholt. Jeder kennt diese Situationen vom letzten Urlaub: Im Museum oder in einer Kirche darf nicht geblitzt werden, für die Abendstimmung vor der Taverne ist es zu dunkel und bis zur Freilichtbühne reicht der Blitz nicht, was man leider oft erst hinterher merkt. Umsichtige Photographen haben für solche Fälle eine zweite Kamera dabei, die mit hochempfindlichem Film geladen ist, also zumeist mit einem Film mit ISO 400. Oder sie photographieren grundsätzlich mit einem solchen Film, um alle Licht- und Wetterverhältnisse zu bewältigen. Die Kamera kann immer dabei sein. Die Ausrede "Zum Photographieren reicht das Licht nicht mehr", gilt kaum mehr.

Negativ oder Positiv
Es gibt zwei Filmarten: Negativfilme werden für Papierabzüge, also Bilder, benutzt. Positivfilme erzeugen transparente Filmstreifen, die gewöhnlich gerahmt und als Dias betrachtet werden. Vom Dia lassen sich ebenfalls Papierabzüge machen. Ein entwickelter Positivfilm ergibt fertige Dias. Bei Negativen ist die Entwicklung der erste Schritt hin zum Papierabzug. Durch den Entwicklungsprozeß entsteht ein Negativ, das erst auf Photopapier belichtet ein positives Bild ergibt. Der populärste Film ist der Farbnegativfilm. Beliebt deshalb, weil sich nach der Entwicklung immer wieder preiswerte Bilder/Prints bestellen lassen. Anspruchsvolle Hobbyphotographen und Profis bevorzugen meist Diafilme, wegen ihrer verläßlicheren Farbsättigung und Belichtung. Der Diafilm verzeiht jedoch gegenüber dem Negativfilm keine Belichtungsfehler. Ein Negativfilm kann überbelichtet oder leicht unterbelichtet werden. Das Labor kann dies automatisch so ausgleichen, daß sich die Abzüge sehen lassen können. Das leuchtende Dia, etwa auf der Großleinwand projiziert, bietet immer noch das schönste Photoerlebnis. Diafilme gibt es für Tages- oder Kunstlicht. Andere Lichtverhältnisse müssen durch Filter ausgeglichen werden.

Filme für Kreative
Eine besondere Anziehungskraft übt nach wie vor der klassische Schwarzweißfilm auf kreative Photographen aus. Er zeichnet sich durch seine einfachen Entwicklungsprozesse aus und läßt eine gezielte Bearbeitung der Endergebnisse, etwa in der eigenen Dunkelkammer, zu. Vergrößerungen können leicht hergestellt und manipuliert, und Fehler ausgemerzt werden. Eine zwar seltene aber um so eindrucksvollere Art künstlerische Bilder zu schaffen, bietet die Infrarotphotographie. Infrarotfilme, auch als "Falschfarbenfilme" bezeichnet, gelten bei ambitionierten Hobbyphotographen als Geheimtip für ausgefallene Photographien. Was bei den Aufnahmen mit diesen "Filmexoten" herauskommt, liegt fernab von der "Bilder-Normalkost". Der Infrarotfilm (IR) reagiert sowohl auf sichtbares Licht als auch auf Lichtstrahlen, die unser Auge nicht wahrnehmen kann. Unwirkliche Farbwiedergaben etwa erstaunen nicht nur den späteren Betrachter, sondern immer wieder den Photographen selbst.

Wozu Kunstlichtfilme?
Einige Professionalfilme werden als sogenannte Kunstlichtfilme angeboten: Sie sind für Aufnahmen bei Glühlampenlicht oder Photolampen im Studio bestimmt, wo die üblichen Tageslichtfilme (das sind die meisten Filme) einen mehr oder weniger starken Gelbrot-Farbstich auf den Bildern zeigen würden. Anders als das menschliche Auge können sich Farbfilme nämlich nicht der Farbtemperatur, das heißt spektralen Zusammensetzung des Lichts, anpassen. Diese beträgt bei Tageslichtbeleuchtung und Elektronenblitz ungefähr 5.600 Kelvin und bei Photolampen 3.200 Kelvin. Diesen Unterschied kann man natürlich auch durch farbige Konversionsfilter (Blau für Kunstlichtaufnahmen auf Tageslichtfilm, Orange für Tageslichtaufnahmen auf Kunstlichtfilm) überbrücken, doch ist es einfacher, jeweils die richtige Filmsorte zu wählen.

Sofortbild-Filme
Bei der Sofortbildphotographie kommt das sofort verfügbare Bild direkt aus der Kamera. Dies, sowie neue Filmmaterialien und ungewöhnliche Film- beziehungsweise Bildformate begeistern immer wieder den Anwender und die Photographierten. Die Technik einer Sofortbildkamera und der Sofortbildfilm erlaubt, daß das fertige Bild unmittelbar nach der Aufnahme als Bild-"blatt" nach dem abgeschlossenen Entwicklungsprozeß sofort sichtbar, immer greifbar und sicher geschützt aus der Kamera kommt.

Vier Tips für den Filmgebrauch
  • Filme sind beim Photographieren das billigste. Nicht an der falschen Stelle, also beim Filmmaterial, sparen.

  • Vor einer Reise sollte ein ausreichend großer Filmvorrat bereits zu Hause besorgt werden.

  • Filme nicht an Kiosken oder Ständen kaufen, wo die Filme in der Sonne oder unter Lampen gelagert wurden.

  • Das eingesetzte Filmmaterial sollte etwa vor einer Reise oder einem Photoanlaß mit Testaufnahmen ausprobiert werden.

Der digitale "Film"
Bei der digitalen Photographie wird das Bild auf einen digitalen "Film", einem Aufnahmechip, gespeichert. Dieser besitzt eine Vielzahl von einzelnen lichtempfindlichen Elementen, die regelmäßig angeordnet sind. Diese Elemente, auch Pixel genannt, wandeln das Licht in elektronische Signale um. Jede einzelne "Pixel"-Aufnahme wird auf den Kameraspeicher oder auf eine auswechselbare Smartmedia- beziehungsweise eine CompactFlash-Speicherkarte gespeichert. Mit diesen Karten lassen sich beim Photohändler, wie mit jedem anderen Film auch, Abzüge bestellen.
 

Faszination Fototechnik 02 / 2004

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