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Fotografien/Papierbilder und ihre Haltbarkeit

Zunächst gilt es, die Frage zu klären, was ein Foto ist. Vor der Digitalisierung wäre die Antwort klar ausgefallen: eine Verbindung aus Silber, Farbstoffen, Trägermaterial und Bindemittel. Heute ist ein digital erstelltes Foto im Prinzip zunächst nichts anderes als eine Ansammlung von Pixeln, die natürlich zu Papier gebracht werden können und auch sollten. Unendlich viele Optionen stehen dem Anwender offen. Die Liste des technisch Möglichen war noch nie so lang: Silbergelatine Print, Iris Print, Dye Transfer Print, Coupler Print, Chromogenic Coupler Print, Lambda print, Lightjet Print, Archival Pigment Print, Giclée Print und, und, und. Welche Lebensdauer Fotos auf Papier haben, ist von unendlichen vielen Faktoren abhängig – etliche Publikationen, die mehrere hundert Seiten umfassen, setzen sich mit dieser Thematik auseinander. Nach anfänglichen Schwierigkeiten – so ist zu lesen – ist die Beständigkeit von Ausdrucken gestiegen. So gelten beispielsweise pigmentbasierte Inkjet-Prints in ihrer Haltbarkeit den C-Prints gegenüber als weit überlegen.

Befreien muss man sich von der Annahme, dass Fotografien ein unendliches Leben zuteil wird. Aktuelle Verfahren erhöhen die Langlebigkeit von Papierbildern. Wenn man sich dafür entscheidet, mit Fotografien die eigenen vier Wände zu schmücken, so unterliegen diese einer schleichenden Veränderung. Wie sichtbar diese ist, hängt beispielsweise auch davon ab, ob sie direktem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Martin Jürgens, Konservator des Hauses der Photographie/Deichtorhallen in Hamburg, sieht in der „richtigen Vorsorge“ die einzige Möglichkeit, die zur Fotografie gehörende „Verfallsgeschwindigkeit“ zu verlangsamen. Er hat einen Fragekatalog für Künstler, Galerien und Museen entwickelt, damit diese auf Basis genauer Druck- und Papiereigenschaften Entscheidungen treffen können.

Oftmals werden an Fotoausdrucke höhere Anforderungen gestellt als beispielsweise an Aquarelle oder Ölgemälde. Dies sollte man ablegen, denn warum darf eine Fotografie innerhalb von mehreren Jahrzehnten nicht in Schönheit altern? Und noch ein Punkt: Wer sorgsam mit seinen Negativen, Dias und digitalen Datensätzen umgeht, der hat immer wieder die Möglichkeit der erneuten Ausgabe. Für Fotografen, wie beispielsweise Andreas Gursky und auch Thomas Ruff, ist es ein unausgesprochenes Gesetz, dass Fotoarbeiten ersetzt werden, wenn sie an Qualität verlieren oder durch höhere Gewalt zu Schaden gekommen sind.

Fototipps kurz und prägnant 10 / 2010

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