Fototour - Auf den Spuren der Hanse in Lübeck

Fototour - Auf den Spuren der Hanse in Lübeck
Die Hansestadt nördlich von Hamburg ist nicht nur berühmt für das Holstentor, ihr Marzipan und die Buddenbrooks, sondern zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Ziel für Fotografen. Auch im Winter lockt sie mit Museen und Kirchen. Wir haben uns auf den Weg gemacht, um unter anderem zu klären, ob das Holstentor wirklich schiefer ist als der Turm von Pisa.

Wer in Lübeck mit dem Zug ankommt, kann eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten nicht verpassen: Das Holstentor liegt unmittelbar auf dem Weg zum Stadtzentrum. Die Älteren von uns kennen es noch vom 50-Mark-Schein, die jüngeren vom 2-Euro-Geldstück. Es trutzt zwar seit mehr als 500 Jahren, neigt sich im rechten Turm aber schon bedenklich zur Seite. Ehrlich gesagt kann es locker mit der Neigung des schiefen Turms von Pisa mithalten. Es ist nur mit seinen 13 Metern nicht so hoch. Außerdem scheinen sich die einander zuneigenden Türme gegenseitig zu stützen. Wir haben es mit einem Weitwinkel-Objektiv aus Unterperspektive aufgenommen, um die Neigung zu betonen.

Fototour - Auf den Spuren der Hanse in Lübeck
Wie im Mittelalter kann man durch das Tor die Stadt betreten. Da der 100 Hektar große, mandelförmige Stadtkern vom Wasser der Trave umschlossen ist, muss man zunächst noch eine Brücke überqueren. Malerisch am Ufer liegen mehrere alte Salzspeicher, die früher den tüchtigen Kaufleuten der Hanse zur Aufbewahrung dienten. Heute beherbergt der erste eine Mode-Boutique und ist leider nur noch von außen erhalten. Mit den Salzspeichern im Rücken muss man sich entscheiden, ob man geradeaus zum Stadtkern mit der berühmten Marienkirche vordringen möchte. Wir empfehlen bei gutem Wetter aber auch den Weg entlang der Trave rund um die Stadt. Wer nicht gerne läuft, nimmt eines der Rundfahrt-Schiffe, die direkt am Trave-Ufer vor den Salzspeichern abfahren. In rund einer Stunde wird man bequem um den Stadtkern geschippert. Das empfiehlt sich auch im Winter, denn drinnen ist es kuschelig warm und man genießt die Fahrt bei einem heißen Kaffee oder Tee. Zum Fotografieren ohne störende Fenster kann man am Heck nach draußen gehen. Das lohnt sich, denn aufzunehmen gibt es einiges: Das Stadtpanorama krönen die sieben Türme der fünf großen Kirchen der Innenstadt. Der Kapitän der Rundfahrt zeigt uns sogar eine Position aus der es aussieht, als habe eine Kirche ganze drei Türme. Das ist aber nur ein optischer Trick aus einer speziellen Sichtachse.

Fototour - Auf den Spuren der Hanse in Lübeck
Ebenfalls ins Auge fällt das Ufer entlang der Kanalstraße mit seinen malerischen Wäscheständern. Dort flattert Bettzeug ebenso im Wind wie Unterwäsche. Man kann sich vorstellen, dass es vor 200 Jahren kaum anders ausgesehen hat. Der Eindruck verstärkt sich beim Besuch der zahlreichen Gänge und Höfe, die Lübeck zu bieten hat. Eng verwinkelt liegen zwischen den Häusern schmale Gassen – häufig nicht mehr als Durchgänge, die gerade so breit sind, dass seinerzeit noch ein Sarg durchpasste. Sie führen zu verwunschenen Innenhöfen. Das stellen wir uns im Sommer besonders lauschig vor, aber es macht im Winter ebenfalls Spaß. Dass die Innenhöfe tolle Fotomotive sind, versteht sich nahezu von selbst. Ihre Wirkung steht und fällt mit dem Licht – wie so oft in der Fotografie gilt es, sich Zeit zu nehmen. Auf unseren Streifzügen haben wir übrigens immer ein Stativ dabei. Dies entlastet nicht nur die Hände und Arme sondern ist bei Belichtungsreihen aber auch bei der Wahl des optimalen Bildausschnitts ein wertvoller Helfer.

Nach dem Spaziergang sind wir ordentlich durchgefroren und beschließen, uns in einer der Kirchen aufzuwärmen. Besonders sehenswert ist der Dom zu Lübeck, der im Inneren ein 17 Meter hohes imposantes „Triumphkreuz“ beherbergt. Mit ihm hat sich Bischof Albert II. Krummendiek im Jahr 1477 ein Denkmal gesetzt – das ihn übrigens an den Rand des privaten Ruins trieb. Es macht großen Spaß, die vielen Details mit einem Teleobjektiv zu erkunden. Wir hatten glücklicherweise eine lichtstarke Festbrennweite mit 120mm (Kleinbild-äquivalent) eingepackt, so dass wir auch ohne Blitz noch verwacklungsfrei fotografieren konnten. Das hilft uns auch für die direkt daneben liegende Kirchenuhr auf dem Lettner (eine kunstvoll verzierte Trennwand zwischen Chor und Langhaus). Sie zeigt u. a. die vier Schutzpatrone des Doms, Nikolaus, Maria, Johannes den Täufer und Blasius.

Fototour - Auf den Spuren der Hanse in Lübeck
Nach so viel Kultur laufen wir zurück ins Zentrum und statten dem traditionellen Marzipanhaus Niederegger einen Besuch ab. Hier kann man von der klassischen Marzipan-Kartoffel bis zum süßen Hering alle möglichen und unmöglichen Varianten der traditionellen Leckerei kaufen. Allerdings war es bei unserem Besuch so voll, dass wir uns lieber im nahe gelegenen Wiener Cafehaus einen Kuchen schmecken ließen. Es liegt praktischerweise direkt neben dem Rathaus und erlaubt im ersten Stock das Speisen unter einer Gewölbedecke mit Blick auf die wuselige Fußgängerzone. Eine Führung im Rathaus hatten wir uns vorher schon notiert und können Sie auch Ihnen wärmstens empfehlen (Montag bis Freitag 11 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr/Sonnabend 13.30 Uhr, Eintritt: 4 Euro, für Inhaber der LÜBECK-CARD: 2 Euro). Nach einer Einführung im Audienzsaal geht es durch das imposante Treppenhaus mit riesigen Gemälden zur Stadtgründung in den ersten Stock. Hier sind wir froh, dass wir nicht nur ein lichtstarkes Teleobjektiv, sondern auch ein entsprechendes Weitwinkel eingepackt haben.

Durchgewärmt geht es wieder nach draußen. Durch die malerischen Gassen laufen wir zum Heiligen-Geist-Hospital (Täglich außer montags von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr (Sommerzeit) bzw. 16.00 Uhr (Winterzeit), Eintritt frei). Auf dem Weg machen wir Station an der St. Jakobi-Kirche. Diese Kirche der Seefahrer beherbergt ein Rettungsboot der Viermastbark Pamir, das an den Untergang des Schiffes erinnert.

Nach so einem ereignisreichen Tag lassen wir den Abend zünftig in der Schiffergesellschaft ausklingen. In diesem Traditionslokal trafen sich früher die Mitglieder der gleichnamigen Bruderschaft und späteren Gilde. Heute ist es eine Touristenattraktion und bietet traditionelle Speisen unter imposanten Schiffsmodellen.

Fototour 03 / 2016

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