Fototour Insel Mainau - Irdisches Paradies für Blumenfotografen

© Vogt, Fototour Mainau Allensbach Bildgalerie betrachten

© Vogt, Fototour Mainau Allensbach

Müssten Sie das Ziel unseres heutigen Fotoausflugs bei einem Ratespiel herausbekommen, dann würde es wahrscheinlich schon reichen, wenn wir einfach „die Blumeninsel“ sagen – so bekannt ist die Insel Mainau, die dieses Mal das Ziel unserer Fototour ist. Als wir am Bodensee unterwegs waren, kamen wir daher nicht umhin, uns – im wahrsten Sinne des Wortes – ein eigenes Bild darüber zu machen, ob die Blumeninsel das hält, was ihr Ruf verspricht. Immerhin hat sie ein Dichter schon Anfang des 19. Jahrhunderts als „Mainau, ein Paradies hienieden, wär’ uns ein solches beschieden“ besungen.

Angereist sind wir mit dem Rad von Radolfzell, die Ausrüstung sicher im Kamerarucksack verpackt, da wir uns nicht sicher waren, ob die Räder einen Korb haben, und der Transport auf dem Rücken über weite Strecken für uns am bequemsten ist. Außerdem hat unser Rucksack eine Einsteckmöglichkeit fürs Stativ, so dass auch das bequem mitreisen konnte. Eingepackt haben wir übrigens neben dem Standard-Zoom auch ein Weitwinkel- und ein Makroobjektiv. Wer letzteres nicht besitzt, sollte sich wenigstens Nahlinsen gönnen, um auch Details der Pflanzen und die Schmetterlinge auf die Speicherkarte bannen zu können. Ein separater Blitz wäre im Nachhinein auch nicht schlecht gewesen – hier haben wir am Gewicht sparen wollen und das war ein Fehler.

Von Radolfzell ist es eine schöne etwa 20 Kilometer lange Radtour, die uns auf meist gut ausgebauten Radwegen überwiegend am Seeufer entlang bequem zum Ziel führte und schon einige schöne Fotomotive fürs Weitwinkel bot. Einen empfehlenswerten Zwischenstopp haben wir in Allensbach eingelegt. Dort besuchten wir nicht das gleichnamige Institut für Meinungsforschung, sondern das kleine sehenswerte Mühlenweg-Museum, das Leben und Werk des Schriftstellers zeigt. Wer diesen Umweg nicht machen und einen kürzeren Radweg nutzen möchte, reist von Konstanz aus an (zirka 5 km). Von dort und zahlreihen weiteren Ufer-Orten kann man auch stilecht per Boot zur Mainau fahren (Kombitickets mit Eintritt sind erhältlich). Dann gelangt man allerdings nicht wie wir zum Haupteingang, sondern zum Mainau-Hafen.

Am Haupteingang, wo wir die Räder abstellen mussten, erlebten wir keine Warteschlangen. Umso erstaunter waren wir allerdings, sobald wir über den Damm zur Insel liefen: Hier drängten sich die Besucher – und das trotz eines Eintrittspreises von 19 Euro (Standardpreis Erwachsene). Wir stellten schnell fest, dass ein Nachmittag im Sommer offenbar kein empfehlenswerter Zeitpunkt für ruheliebende Fotografen ist. Später beim Ablichten der Blumen störte das allerdings in der weitläufigen Anlage weniger, da wir doch häufig nahe heran gingen. Auch merkten wir, dass es auf der Insel mehr oder weniger überlaufene Plätze gibt. Man kann durchaus auch an einem vollen Tag ruhige Ecken entdecken, wenn man sich auf Nebenwegen und nicht den Haupt-„Einflugschneisen“ bewegt. Bis wir das herausgefunden hatten, trotteten wir aber zunächst brav nach Parkplan zu den ersten Attraktionen: Pfau und Enten sind eingezeichnet. Wir erwarten die possierlichen Tierchen und wundern uns gehörig, dass es sich dabei um große Blumeninstallationen handelte. Wir lernten, dass sie jahreszeitentypisch bepflanzt werden. Uns eher wildwuchs-orientierte Fotografen reizte das allerdings weniger. Spannender wurde es für uns entlang der Promenade der Wild- und Strauchrosen. Überhaupt entdeckten wir rechts und links am Wegesrand viel Sehenswertes, können aber nun kaum berichten, wie die Schönheiten genau heißen, denn darauf haben wir vor lauter Fotografieren gar nicht geachtet. Wir nehmen uns daher vor, bei einem weiteren Besuch einen Guide zu kaufen und eine Führung mitzumachen. Dies gilt besonders für das Arboretum. Es wurde schon 1853 begründet und war einer der ersten Plätze in Europa, wo damals schon Mammutbäume und Küstenrotholz erfolgreich angesiedelt wurden. Heute beherbergt es fast 250 Gehölzarten und -sorten, deren Besonderheit der Unkundige kaum einschätzen kann.

Aber auch wer nicht brav das Bestimmungsbuch abhakt, kann auf der Mainau Spaß haben. Wir jedenfalls ließen uns einfach wie eine Biene von Blüte zu Blüte treiben. Da wir einen sonnigen Tag erwischt hatten, ließen sich wunderbare Gegenlichtaufnahmen machen und wir erwischen auch schon mal einen Schmetterling.

Wir haben dabei auch ausprobiert, wie gut sich ein Smartphone zum Fotografieren von Blumen eignet. Eigentlich sind Aufnahmen bei Tageslicht ja die Stärke des Dauerbegleiters. Bei den Rosen schlugen sich die Kameras aber deutlich besser – vor allem die mit Wechseloptik. Mit dem Smartphone ließen sich Details nicht so gut herausgreifen. Wir waren aber erstaunt, was man dennoch herausholen kann und wie gut sich zumindest bei den Blüten ein gewisses Spiel mit Schärfe- und Unschärfe realisieren ließ – vor allem mit einem Smartphone, das auch in RAW aufzeichnet und so eine differenzierte Nachbearbeitung ermöglicht.

Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten wir als eine der Hauptattraktionen das Barockschloß mit seiner direkt nebenan liegenden Kirche. Beide stammen aus den 1730-er bzw. 1740-er Jahren und zeigen die historische Dimension der Mainau: Die Insel ist nämlich keineswegs ein Vergnügungspark neueren Datums. Von den Römern angefangen über die Ritter des Deutschen Ordens bis hin zum ungarischen Fürsten Nikolaus II. Esterházy de Galantha, der die Insel 1827 kaufte, reicht die wechselvolle Vorgeschichte. Esterházy war es dann auch schon, der damit begann, die Mainau zu einem botanischen Paradies zu machen. Er siedelte kostbare Bäume und seltene Pflanzen an (von denen übrigens ein Feigenspalier heute noch am Schloß zu sehen ist). Allerdings konnte er das Eiland nicht lange halten und so ging es über das badische Großherzogtum schließlich nach Schweden. Das war insofern ein Glücksfall als Prinz Lennart Bernadotte Gefallen daran fand und die Mainau wieder zu einer Blumeninsel machte. Da er durch die Heirat mit einer Bürgerlichen seinen Platz in der Thronfolge sowieso verwirkt hatte, siedelte er 1932 ganz auf die Insel über und begann damit, die Mainau gegen Eintritt zugänglich zu machen. Das war schon sehr bald ein riesiger Erfolg: Bereits 1935 hatte die Blumeninsel 50.000 Besucher. Wie steigerungsfähig das noch war, zeigte das Inselfest 2011, zu dem alleine während vier Tagen 40.000 Besucher kamen. Insgesamt sind es heute rund 1,2 Millionen Besucher im Jahr.

Von denen sich eine Reihe leider auch um uns herum drängelte. Wir bogen daher in Richtung Schmetterlingshaus – übrigens das zweitgrößte in Deutschland – ab. Dort schwirren rund 120 verschiedene Arten um die Köpfe der Besucher. Zum Glück sitzen sie auch ab und an ruhig auf den Futterschalen oder Blättern, denn im Flug stellen sie eine hohe Anforderung an den Autofokus der Kamera. Trotz Serienaufnahme und kontinuierlicher Schärfenachführung hatten wir viel Ausschuss. Das lag aber auch mit daran, dass wir zu Beginn zu lange Belichtungszeiten erreichten. Die sich schnell auch an wenig Licht adaptierenden Augen täuschten uns darüber hinweg, dass im Schmetterlingshaus auch an einem sonnigen Tag deutlich weniger Licht vorhanden ist als draußen. Nachdem wir die ISO-Werte nach oben korrigiert hatten und so Belichtungszeiten von kürzer als 1/250 erreichten, wurde der Ausschuss deutlich weniger.

Das Schmetterlingshaus war leider auch schon unsere letzte Station, denn wir mussten die Leihräder pünktlich vor Ladenschluss wieder in Radolfzell abgeben. Unser wichtigster Tipp für die Mainau ist daher: Bringen Sie viel Zeit mit, am besten den ganzen Tag und lassen Sie es mit Ruhe auf der Insel angehen. Verpflegungsmöglichkeiten gibt es genug vor Ort und dann können Sie auch die typischerweise zum Fotografieren nicht ideale Lichtsituation in der Mittagszeit umgehen. So werden Sie auch vom Mainau-Entspannungseffekt profitieren und viele tolle Fotos mitbringen. Möglicherweise werden Sie trotzdem genau wie wir das Gefühl haben, Sie müssten bald wiederkommen. Dem regelmäßigen Besuch leistet die Mainau Vorschub, indem viele Bereiche Jahreszeiten-typisch bepflanzt werden. Im Frühjahr etwa setzen zahllose Tulpen in fast 400 Sorten bunte Farbtupfer, im Sommer fasziniert die Rosenvielfalt und ab Ende August wird unter 12.000 Dahlien in 270 Sorten die Dahlienkönigin gewählt.

Übrigens: Wer seine Bilderschätze stolz zeigen möchte, profitiert von einer großzügigen Freigabe der Mainau: Fotos im privaten und redaktionellen Kontext sind generell gestattet, einzig für die gewerbliche Nutzung muss eine Genehmigung eingeholt werden. Gut gefallen hat uns auch, dass die Mainau dies in einer FAQ zum Thema „Fotografieren“ auf ihrer Website sehr klar kommuniziert. Interessant fanden wir, dass dort sogar schon etwas zur Nutzung von Fotodrohnen gesagt wird. Sie sind – was wenig erstaunt – verboten.

Weitere Infos
http://www.mainau.de
http://www.bodensee.de/ausflugsziele/natur/insel-mainau/

Alternativen zu unserer vorgestellten Fototour

In vielen Städten zeigen botanische Gärten sehenswerte Pflanzen, manche wie in Frankfurt am Main verfügen gar gleich über mehrere. Wir kennen zum Beispiel die in Hamburg sowie Berlin und finden beide ebenso sehenswert. Auch Frankfurts Palmengarten lässt die Speicherkarte von Blumenfotografen glühen. Botanische Gärten haben den Vorteil, meist deutlich weniger überlaufen zu sein und sind in der Regel zu deutlich geringeren Eintrittspreisen betretbar.

Fototour 03 / 2016

17 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden