Fototouren in die Welt der Skylines

Was es zu beachten gilt, damit Fotos zu Volltreffern werden

Ohne Opernhaus wäre die Skyline Sydneys allenfalls durchschnittlich
Städte sind faszinierende Gebilde, fest und unverrückbar, aus Stahl, Beton und Glas gebaut – ständig im Wandel wie ihre Lebewesen. Beides lässt sich fotografieren, das Leben, die Einheimischen, Touristen, Geschäftsleute, die Orte, wo sie sich versammeln, Vergnügungsmeilen, Bars, Plätze, Bahnhöfe. Was aber macht eine Stadt unverwechselbar? Die Lebensart, die Lage, die Menschen und ihre Skyline. Die meisten Städte haben eine eher unscheinbare Skyline, andere sind hingegen unverkennbar. Also los auf Weltreise, unverkennbare Skylines finden und fotografieren.

Was macht eine Skyline unverwechselbar?

Hohe Häuser gibt es inzwischen fast überall, daraus lässt sich noch keine beeindruckende fotografierenswerte Skyline ableiten. Beispiel Hamburg: Es gibt Häuserfronten wie in der Speicherstadt, die jeder kennt, es gibt Gebäude, die ein wenig hervorstechen, aber was Hamburg fehlt, sind die herausragenden Gebäude, die jeder sofort erkennt. Die neue Elbphilharmonie könnte diese Lücke künftig füllen. Paris kommt mit genau einem aus – der Eiffelturm macht eine Aufnahme von Paris für jeden sofort erkennbar, derweil die Hochhäuser von La Defense weit genug entfernt sind.

Hongkong bei Nacht - Die stadt ist so hell, dass auch nach der baluen Stunde gute Bilder gelingen
Welche Städte also haben die eine, unverkennbare Skyline? Denken wir an Deutschland so sicherlich ein Stück weit Frankfurt am Main mit seinen Bankentürmen. Schauen wir über den großen Teich dann natürlich New York City, alleine schon durch die Anordnung auf einer Insel oder Chicago durch den schwarzen Sears Tower ist ebenso unverkennbar. Seit einigen Jahren spielt Shanghais Stadtteil Pudong in derselben Liga und dann wäre da noch die hierzulande gerne vergessene Metropole Hongkong. Diese hat nicht nur eine beeindruckende Skyline, sondern bietet die Möglichkeit, selbige vom Berg direkt dahinter sehen und fotografieren zu können.

Recherche die halbe Miete

Bevor Koffer und Kameratasche gepackt werden, lohnt sich eine Recherche. Diese sollte sich in erster Linie darum drehen, von wo aus man die Skyline gut fotografieren kann und welche Brennweite dafür geeignet ist. Es hilft nichts, wenn man in etwa dort steht, wo tolle Bilder aufgenommen werden könnten und man dann die Erkenntnis erlangt, dass die Brennweite nur zur Hälfte reicht. In Zeiten des Internets ist eine Recherche ungleich einfacher als das früher der Fall war.

Hongkong von der Rückseite - Der Fotograf hat den letzten Moment abgewartet, an dem der Wolkenkratzer in Kowloon von der Sonne angestrahlt wird | Sydney bei Nacht - ganz nett, aber nicht herausragend
Systematisches Vorgehen führt schneller zum Ziel. Da wäre zunächst die Frage nach dem Motiv. Manche Skylines lassen sich nur von einer Seite fotografieren – siehe Sydney – andere auch von verschiedenen Seiten wie in Manhattan oder Hongkong. Ein Stadtplan oder eine Google-Karte helfen zur groben Orientierung. Im Detail kann es aber sein, dass genau vor der Skyline ein Gebäude im Weg steht. Google Street View bietet da ein bisschen Hilfe, man kann vorher schauen, wie es an der Location aussieht. Klar ist: Auf der sicheren Seite ist man immer, wenn man vom Ufer aus fotografiert, da kann allenfalls ein Schiff im Weg sein, aber das lässt sich ja umgehen.

Ein Klassiker ist Manhattan bei Nacht mit dem Empire State Bulding in der Bildmitte | Besonderer Moment - Frankfurt mit Neujahrsfeuerwerk.
Ansonsten empfiehlt es sich, einfach mal die Suchmaschine zu füttern und zu schauen, was andere Fotografen schreiben. So erfährt man, dass die Skyline von Melbourne oft übers Wasser aus fotografiert wird, aber auch interessante Blicke gewährt, wenn man die Hügel rund um die Stadt erkundet. Dann ist allerdings ein Teleobjektiv gefragt. Gleiches gilt für Hongkong. Die meisten Touristen, die die Skyline von oben fotografieren, gehen zum Peak-Center. Dort stehen Hunderte mit ihren Kameras und versuchen, ein beeindruckendes Bild der Skyline zu machen. Dabei stand schon vor 15 Jahren in Reiseführern zu lesen, dass es sich lohnt, einen 15-minütigen Spaziergang entlang der kleinen Lugard Road zu machen, um dann an eine Stelle zu kommen, wo sich ganz Hongkong einsehen lässt.

Die Nacht zum Tage machen

Vorbereitung ist das A und O, sollen die Skylineaufnahmen visuell überzeugen. Dabei ist klar, dass die meisten Städte erst bei Nacht zum Leben erwachen – zumindest im Bild. Erst mit verschwenderischer Beleuchtung sehen Skylines so richtig beeindruckend aus. Zur Vorbereitung gehört es also, vorher nachzusehen, wann die Sonne untergeht. Morgens lohnt sich eine Fototour kaum, weil dann die Büros in den Wolkenkratzern noch dunkel sind. Eine App wie LightTrac für das Smartphone ist ein wichtiger Ratgeber. Sie gibt nicht nur Aufschluss, wann die Sonne untergeht und wie lange die Dämmerung dauert, sondern informiert, wo die Sonne untergeht und wo der Mond zu sehen ist. Grundsätzlich ist die Blaue Stunde, also die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit, die beste Zeit für Nachtaufnahmen, weil dann der Kontrast zwischen Lichtern und Umgebung noch nicht so groß ist. Manche Städte emittieren aber so viel Licht, dass sie sprichwörtlich die Nacht zum Tag machen.

Der Fotograf hat die Südspitze Manhattans - noch ohne die neuen Wolkenkratzer - bei abziehendem Regen fotografiert | Ende der 1990er Jahre fand sich der Tipp, Manhattan von der Staten island Ferry aus zu fotografieren, in manchen Reiseführern
Prinzipiell sollte man immer rechtzeitig losgehen. Dass kann auch tagsüber der Fall sein, vor allem wenn es regnet und sich eine Wetterbesserung abzeichnet. Abziehender Regen kann vor allem am späten Nachmittag eine Stadt in geheimnisvolles Licht tauchen und so für besondere Fotos geeignet sein. Wer abwartet, bis das tolle Licht da ist und dann erst losgeht, ist schon zu spät dran.

Bevor es losgeht, Stadtplan speichern und erkundigen wie es mit der Rush-Hour aussieht. Kameratasche beziehungsweise Fotorucksack packen. Im Vorteil ist jeder, der über zwei Kamerabodys verfügt, die mit unterschiedlicher Optik bestückt sind. Ist man nah dran an einer Skyline, wie beispielsweise in Sydney, kann man überlegen, ein Shift-Objektiv mitzunehmen, um stürzende Linien zu verhindern. A und O ist ein Stativ und zwar ein stabiles. Wer so an den Touri-Hotspots in den Metropolen dieser Welt schaut, auf welche Wackel-Konstruktionen mitunter Kameras geschraubt werden, kann nur den Kopf schütteln. Ihr Stativ sollte stabil sein, einen vernünftigen Kopf haben (Getriebeneiger sind für Architekturaufnahmen ideal) und vor allem auch die Kamera samt Objektiv tragen können. Dabei sollte grundsätzlich bedacht werden, dass dort, wo die Sicht frei ist, auch der Wind freie Bahn hat. Ein bisschen mehr Stabilität schadet deshalb nicht. Dabei muss ein stabiles Stativ nicht unbedingt die Freigepäckmenge sprengen. Es gibt stabile Stative, die auch leicht sind – dafür aber etwas schwerer auf dem Geldbeutel lasten.

Nachts erwachen Städte zum Leben
Zusätzliche Stabilität kann ein Stativ durch mehr Gewicht, das senkrecht nach unten zieht, erhalten. Manche Modelle haben einen Haken, an den sich beispielsweise die Kameratasche hängen lässt. Die sollte man ohnehin im Auge behalten. Im Halbdunkel kann sie sonst schnell verschwinden oder Teile daraus. Wo viele Touristen sind, sind immer auch viele Taschendiebe. Und in der Kameratasche respektive im Rucksack sollten noch einige Dinger mehr verstaut sein. Vielleicht das schon angesprochene Teleobjektiv oder ein Polarisationsfilter, falls man doch mal tagsüber loszieht. Dann ist ein solcher eigentlich unverzichtbar.

Die Skyline von Melbourne ist eher unspektakulär, aber der Himmel macht hier Eindruck
Mit einem stabilen Stativ ausgestattet fehlt für das wackelfreie Auslösen nur noch ein Draht- oder Funkauslöser. Wenn die Kamera eine Spiegelvorauslösung hat, sollte die natürlich auch genutzt werden. Dann kann das Bild nicht durch den hochklappenden Spiegel verwackeln. Sind lange Belichtungszeiten möglich, dann sollte man diese auch nutzen. Das heißt, die Empfindlichkeit (ISO-Zahl) kann gering bleiben, dadurch rauscht je nach Kameramodell das Bild weniger. Gleichzeitig sollte das Objektiv bis zur maximalen Schärfe abgeblendet werden, meist liegt dies um Blende 8 herum. An Aufnahmen sollte man nicht geizen. Belichtungsreihen sind bei Nachtaufnahmen ein gutes Mittel, auch mit weniger Erfahrung korrekt belichtete Bilder zu erhalten. Deshalb (natürlich) ausreichend Speicherkarten und Ersatzakkus mitnehmen. Vor der Reise sollte man sich auch bezüglich der Datensicherung Gedanken machen denn schließlich könnte die Festplatte des Laptops bei der Reise beschädigt werden. Eine Option ist die Cloud ebenso wie beispielsweise eine externe Festplatte.

Fototour 01 / 2016

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