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Digiscoping extrem

Es ist ein kleiner Schritt für einen Photographen, aber ein riesiger Sprung auf der Entfernungsskala: Den Mond formatfüllend scharf aufzunehmen war einst spezialisierten Astrophotographen mit leistungsstarken Teleskopen vorbehalten. Digiscoping ermöglicht heute jedem Besitzer eines Spektivs und einer kompakten Digitalkamera den Griff zum Himmelszelt. Die effektiven Brennweiten, die sich aus der Summe von Teleoptik und Kameraobjektiv ergeben, sind astronomisch groß. Und bei weit mehr als 1.000 mm Brennweite hat der kleine Mond plötzlich Platznot auf einem Kamerachip. Digiscoping und Fernoptiken werden wieder ein Highlight bei der photokina 2008, der internationalen Leitmesse der Photo- und Imagingbranche vom 23. bis 28. September in Köln, sein.

Eigentlich war der Mond schon immer das am einfachsten zu photographierende astronomische Objekt. Er ist nämlich weder so dunkel wie der Sternenhimmel noch so überstrahlend hell wie die Sonne. Seine Helligkeit ermöglicht kurze Belichtungszeiten, so dass die ansonsten in der Astrophotographie störende Erddrehung kaum ins Gewicht fällt. Die Herausforderung des Mondes ist seine relativ kleine Größe am Himmel. Durch ein Objektiv leuchtet er nur ein paar Quadratmillimeter groß auf der Chip- oder Filmfläche. Um eine ordentliche Auflösung zu bekommen, braucht es stark vergrößernde Teleskope oder eben Digiscoping.

Der Mond ist sogar ein Paradeobjekt für die Digiskopie. Man weiß, wann und wo er am Himmel zu finden ist. Und er huscht im Gegensatz zu Wildtieren nicht bei jeder falschen Bewegung davon. Die Photographie des Mondes funktioniert deshalb auch genauso einfach wie die irdischer Objekte: Spektiv auf ein Stativ setzen, Digitalkamera an das Spektiv anbringen, am Spektiv grob scharfstellen, den Rest erledigt der Autofokus. Jetzt ist am Display der Kamera schon die Mondoberfläche gut sichtbar. Mit dem eingebauten Zoom sollte man den Mond soweit „heranholen“, dass er das Bild ziemlich ausfüllt. Bereits dieser Anblick am Display kann Begeisterungsstürme auslösen: ein scheinbarer Raumflug so nahe an den himmlischen Begleiter heran, dass man meint, seine Oberfläche berühren zu können.

Beim Auslösen ist - wie immer bei extremen Telebrennweiten - Ruhe angesagt, um Unschärfe durch Erschütterungen zu vermeiden. Am besten nimmt man einen Fernauslöser, um das Bild berührungslos zu schießen. Es lässt sich aber auch die Selbstauslöser-Funktion (Timer) der Kamera verwenden. Schon eine Verzögerung von drei oder vier Sekunden zwischen dem Drücken des Auslösers und dem Klicken des Photoapparats gibt den Geräten Zeit auszuschwingen. Nicht jedes Bild wird auf Anhieb in der Qualität der „Apollo“-Missionen gelingen, deshalb bieten sich Serien mit zahlreichen Aufnahmen an. Später sieht man am Computerbildschirm besser, welche Aufnahmen am schärfsten sind. Wegen des hohen Kontrastes - weißer Mond vor pechschwarzem Himmel - kann zudem die automatische Belichtung von Bild zu Bild variieren.

Photographieren kann man den Mond zu jeder Phase. Die zarte Sichel ist ebenso reizvoll wie der wuchtige Ball bei Vollmond. Den besten räumlichen Eindruck erhält man um die Halbmondphasen, wenn das Sonnenlicht recht flach über die Landschaft streift und Krater und Berge plastisch hervortreten. Ein wenig Nachbearbeitung am PC holt bisweilen noch mehr aus den Mondaufnahmen heraus. Vor allem die Kontrast- und Helligkeitssteuerung sowie Schärfefilter lassen die kraterübersäte Oberfläche noch modellierter wirken.

Auch in der Dämmerung und am blauen Taghimmel lässt sich unser Erdbegleiter ablichten und sogar mit Bäumen oder entfernten Gebäuden kombinieren. Vorsicht aber, wenn die Sonne noch gleißend hell am Himmel steht! Niemals darf man eine Teleoptik in Richtung Sonne schwenken. Es droht nicht nur der Totalverlust von Linsen oder Kamerasensoren; das gebündelte Sonnenlicht hinter einem Spektiv kann die Augen irreparabel schädigen.

Fernoptik 09 / 2008

Digiscoping Mond

"Digiscoping Mond"
Stefan Zaruba


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