Prophoto GmbH

Kamerakauf - Welche Kamera darf es bitte sein

Fotografieren ist so angesagt wie noch nie. Es ist von daher nicht verwunderlich, dass Kameras überaus begehrte Produkte sind. In 2010 kaufte nahezu jeder zehnte Bundesbürger eine Kamera, wie der Photoindustrie-Verband gemeinsam mit der GfK und seiner Tochtergesellschaft, der Prophoto GmbH, berichtete. Spiegelreflex- und Systemkameras sind besonders begehrte Produkte und erfuhren einen Mengenzuwachs um fast 300 Prozent von 330.000 Stück in 2005 auf 960.000 Stück in 2010. Für 2011 wird ein abermaliges Absatzhoch erwartet.

Breites Angebot an Kameras – Für jeden die passende
Das Angebot an Kameras ist beeindruckend. Über 1.000 unterschiedliche Kameramodelle befinden sich aktuell im Handel. Der Verbraucher hat bei dieser Vielfalt die Qual der Wahl. Gerade Einsteiger tun sich mit der Angebotsvielfalt schwer – sie sehen sozusagen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dabei ist es gar nicht so schwer, bei dieser Vielfalt für sich das passende Kameramodell zu finden. Beim Kamerakauf sollte man sich nicht rein auf Testberichte, die es in Hülle und Fülle gibt, verlassen. Wichtig ist es, das Objekt der Begierde in die Hand zu nehmen und selbst zu testen, ob beispielsweise das Display groß genug, die Menüführung verständlich ist oder beispielsweise die Anordnung der Bedienknöpfe der eigenen Anatomie entgegen kommt.

Multimediacams: Die kleinen, in der Bauform den Handys ähnelnden Geräte bereichern erst seit kurzem den Foto- und Imagingmarkt. Diese Geräteklasse nutzt konsequent die technischen Möglichkeiten der Verschmelzung von Film, Foto, Internet und Telekommunikation. Besonders junge Menschen fühlen sich durch Multimediacams angesprochen, was sicherlich nicht zuletzt auch auf die Farbenvielfalt und die einfache Bedienbarkeit zurückzuführen ist. Trotz ihrer Kompaktheit sind die Multimediacams vollgestopft mit intelligenter Foto- und Videotechnik, die alle Funktionen weitgehend automatisieren.

Kompaktkameras: Wie der Name schon sagt, sind die Kameras in dieser Klasse kompakt gebaut. Sie verfügen über ein fest eingebautes Objektiv. Die Brennweite variiert je nach Modell, die Zoomleistungen nehmen zu, HD-Video gehört zum Standard und die SD-Karte ist das dominierende Speichermedium. Typische Eigenschaften für Kameras dieser Klasse sind die Vollautomatik und verschiedene Motivprogramme. Die Vielfalt ist bei Kompaktkameras am größten. Fotografische Einsteiger, aber auch jene, die eine Kamera als ständigen Begleiter bevorzugen, entscheiden sich bevorzugt für Kompaktkameras. Eltern, die wünschen, dass der Sprössling die Faszination der Fotografie für sich entdeckt, wählen Kompaktkameras, die in unterschiedlichen Farbvarianten angeboten werden.

Bridgekameras – auch vielfach als All-in-one-Kameras oder Superzoomkameras bezeichnet – sind mit einem elektronischen Sucher, Electronic View Finder (EVF), ausgestattet. Diese Kameras schlagen eine Brücke (bridge = engl. für Brücke) und verbinden die Vorteile einer Spiegelreflexkamera – Übereinstimmung von Sucherbild und Bildausschnitt – mit den Vorzügen einer kompakten Zoomkamera. Je nach Ausstattungsumfang können die Bridgekameras durchaus mit Spiegelreflex- und Systemkameras konkurrieren. Wichtig ist, dass sie vor allem über die freie Wahl der Blende und Verschlusszeit als Mittel zur Bildgestaltung verfügen. Bridgekameras kommen ohne Wechselobjektive aus. Ein großer Zoombereich, der teilweise weit über einem 10-fachen Brennweitenbereich liegt, erschließt einen großen fotografischen Freiraum. Lange Brennweiten erhöhen die Verwacklungsgefahr. Das ist auch der Grund dafür, dass diese Kameramodelle mit Bildstabilisatoren ausgestattet sind, die die Verwacklungsgefahr reduzieren. Bridgekameras bieten sich für Einsteiger, heranwachsende Jugendliche und alle Fotografen an, die ihren fotografischen Spielraum vergrößern möchten. Videofunktionen sind bei diesen Kameras ebenfalls eine Selbstverständlichkeit.

Digitale Spiegelreflexkameras werden häufig auch als DSLR oder D-SLR (engl. Digital Single Lens Reflex) bezeichnet. Bei diesen Kameras wird das vom Objektiv erzeugte Bild über einen Spiegel zum Prismensucher geleitet. Das seitenrichtige, aufrechtstehende, parallaxenfreie Sucherbild entspricht im gesamten Entfernungsbereich dem Bildfeld und man kann sowohl die absolute Schärfe und bei manchen Modellen, sofern sie eine Abblendtaste besitzen, auch die Ausdehnung der Schärfentiefe im Sucher beurteilen. Wie bei den herkömmlichen (analogen) Spiegelreflexkameras verwenden die meisten Hersteller eigene Objektivsysteme, weshalb sich DSLR-Benutzer meist auf eine Marke und damit auf ein System festlegen. Zum Teil können jedoch bereits vorhandene Objektive eines Herstellers auch an dessen DSLR verwendet werden. Aber auch Fremdhersteller bieten für DSLR-Kameras Objektive und anderes Zubehör an.

Spiegelreflexkameras unterliegen einer rasanten Weiterentwicklung und setzen so immer wieder neue Maßstäbe. Neu beziehungsweise weiter entwickelte Bildsensoren mit größerem Pixelabstand und komplett neuen Sensorstrukturen sind ebenso ein Beispiel dafür wie der ISO-Spielraum bis 102.400. Beides optimiert die Möglichkeiten, Bilder und Filmsequenzen bei extrem schwachem Umgebungslicht aufzunehmen. Optimierte Technologien tragen effizient zur Rauschreduzierung bei. Movie-Funktionen in Full-HD-Auflösung und mit wählbaren Bildraten von 24, 25 oder 30 Bildern pro Sekunde gelten zunehmend als Selbstverständlichkeit. Einzelbilder können aus den Filmen herauskopiert und als JPEG gespeichert werden, so dass auch von Videos Fotos wesentlicher Momente zur Verfügung stehen. Autofokussysteme werden immer leistungsfähiger und warten mit immer mehr Messfeldern auf. Bildeinstellungen, wie beispielsweise JPEG-Komprimierung, Bildgröße, Weißabgleich, Belichtungskorrektur, Rauschunterdrückung, Farbraum und Vignettierungskorrektur, können direkt in vielen SLR-Kamera an RAW-(NEF)-Dateien vorgenommen werden. Zum kabellosen Datentransfer warten einige SLR-Modelle mit Eye-Fi-connected-Funktionen auf. Die Benutzeroberfläche der Kamera beinhaltet einen speziellen Eye-Fi-Bereich. Eye-Fi-Karten sind die ersten Speicherkarten mit eigenem Wi-Fi-Transmitter zum kabellosen Datentransfer direkt aus der Kamera zum Smartphone, auf den Drucker oder zum PC.

Systemkameras mit Wechseloptik: Diese Kameraklasse ist noch recht jung im Foto- und Imagingmarkt. Immer mehr Kamerahersteller warten mit Systemkameras mit Wechseloptik auf. Pentaprisma und Rückschwingspiegel, die seinerzeit die SLR-Fotografie mit der Motivbetrachtung durch das Objektiv erst ermöglichten, finden sich in Systemkameras mit Wechseloptik nicht. Der optische Sucher wurde in dieser neuen Kameraklasse durch farbige Displays oder elektronische Sucher ersetzt. Systemkameras und Objektive sind deutlich kleiner als bei den klassischen Spiegelreflexkameras. Trotz ihrer geringen Maße unterscheiden sie sich in der Bildqualität und Funktionsvielfalt nicht von den SLR-Kameras. Der Wegfall des optischen Suchers beschert aber nicht nur kleinere und handlichere Kameras und Objektive. Auf den Displays und in den elektronischen Suchern kann sich der Fotograf das Bild so anzeigen lassen, wie es vom Sensor und der Kameraautomatik auch tatsächlich erfasst wird und schließlich auf dem PC, Fernseher oder digitalen Bilderrahmen auch erscheint. Voraussetzung für die neue Art der Ausschnittswahl war die ständige Optimierung der Displaytechnik. Nicht nur die Auflösung wurde für die gestochen scharfe Bildwiedergabe verbessert, auch Helligkeit, Kontrast und Farbwiedergabe. Berührungssensitive Kameramonitore sorgen nicht nur für neue Möglichkeiten der Menüführung für die Wahl der Kamerasteuerungen, sondern moderne Touchscreens können sogar per Fingerzeig auslösen und dabei gleichzeitig die Schärfe und Belichtung auf das angetippte Objekt abstimmen.

Wie die Spiegelreflexkameras gewähren die Systemkameras mit Wechseloptik einen großen kreativen Spielraum.

Digitalfotografie 06 / 2011

Sylke Wohlfahrt, Es blendet

Blende ,"Es blendet"
Sylke Wohlfahrt


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