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Herbstneuheiten bei den Kompaktkameras

Es ist eigentlich wie jedes Jahr im Herbst, so Christoph Thomas, Vorsitzender des Photoindustrie-Verbandes, Frankfurt am Main. Zum Weihnachtsgeschäft überrascht die Foto- und Imagingindustrie mit zahlreichen Innovationen, die das Fotografieren einfacher, aber auch kreativer und die Qualität der Ergebnisse besser machen. In diesem Jahr scheint es besonders lohnend zu sein, sich über die Anschaffung einer neuen Kamera Gedanken zu machen, so der Vorsitzende.

Seit der Erfindung der Fotografie ist das Objektiv praktisch der einzige Grundbaustein, der bei den ersten Kameras genauso zu finden ist wie bei den aktuellen Modellen. Doch ansonsten ist nahezu alles anders. Die Veränderungen schreiten so rasant fort, dass beinahe halbjährlich bahnbrechende Erweiterungen der Fotografie zu feiern sind. In diesem Herbst zeigt sich die Branche besonders innovativ und meldet faszinierende Neuheiten in allen Kategorien.

Kompaktkameras – Das Pixelrennen geht weiter

Digitale Kompaktkameras zählen zu den beliebtesten Aufnahmegeräten für Foto und Video. Ihre Bildqualität hat bei manchen ein Niveau erreicht, das dem von SLR- oder kompakten Systemkameras gleichkommt. Ende dieses Jahres werden bei den Neuvorstellungen Auflösungen von 16 Megapixeln Standard sein und erneut die Diskussion anheizen, ob sechs nicht genügen. Und das nicht ganz zu unrecht. Wer eine Schnäppchenkamera mit dieser Auflösung kauft, der muss auch damit rechnen, dass möglicherweise Objektiv, Prozessor und Bildverarbeitungssoftware nicht die Qualität aufweisen, wie es ein kleiner Sensor mit 16 Millionen für eine optimale Ausnutzung seines Potenzials verlangt. Je höher also die Sensorauflösung bei den neuen Kompaktkameras ist, umso mehr muss der Käufer darauf achten, so der Photoindustrie-Verband, ob auch die übrigen Komponenten dem dadurch geschaffenen Anspruch gerecht werden. Sensorgröße, Prozessorleistung, Markenobjektiv und nicht zuletzt der Preis können beim Kauf Hinweise auf die zu erwartende Bildqualität geben.

High ISO

Auf die Sensorrückseite gelegte Datenbahnen zum Auslesen der einzelnen Pixel ermöglichen entweder eine engere Platzierung oder größere Bildpunkte, so der Photoindustrie-Verband. Größere Bildpunkte können mehr Licht auffangen und sogar bei schwacher Beleuchtung für eine klare Trennung von Signal und Rauschen sorgen. Zusätzlich helfen Technologien, wie Mikrolinsen zur Lichtbündelung, sowie weitere Hard- und/oder Software-basierte Verfahren bei der Minderung des Bildrauschens, das sonst beim Fotografieren mit hohen Empfindlichkeiten droht. ISO-Empfindlichkeiten von 6.400 und höher sind bei den in modernen Kompaktkameras verbauten Sensoren und Prozessoren „State of the Art“, so dass hochwertige Nachtaufnahmen oder romantische Fotos bei Kerzenschein auch ohne Blitz möglich sind. Wird dennoch Blitzlicht eingesetzt – etwa um Schatten aufzuhellen oder Kontraste zu mindern – so erhöht die gesteigerte Sensorempfindlichkeit die Reichweite des Blitzes.

Kurzer Prozess

Auslöseverzögerungen betragen, dank höher Prozessorleistung und beschleunigter AF-Steuerungen, nur noch wenige Sekundenbruchteile, wie der Photoindustrie-Verband berichtet. Auch die Ansprechzeit zwischen Einschalten der Kamera und Auslösebereitschaft ist kaum noch wahrnehmbar. Die AF-Systeme erfassen nicht nur blitzschnell statische und sich bewegende Objekte, sie ziehen bei Positionsänderungen des anvisierten Objekts die Schärfe kontinuierlich nach, und das sogar beim Filmen. Immer mehr individuell wählbare Fokuspunkte erlauben eine präzisere Analyse des Motivs und eine detailgenaue, automatische Scharfstellung. Manche Kameras verwenden zur schnelleren und sichereren Entfernungseinstellung auch einige der Pixel des Kamerasensors.

Schnelle Bildfolgen

Infolge der Erhöhung der Prozessorleistungen werden auch immer schnellere Bildfolgen möglich. Aufnahmeserien von sechs und mehr Bildern pro Sekunde sind für so manche Kameraneuheit selbstverständlich, wie der Photoindustrie-Verband berichtet. Das sorgt nicht nur dafür, dass sich jede Phase einer Bewegung festhalten lässt, sondern erschließt auch den Multi-Shot-Techniken neue Möglichkeiten. Bildserien für HDR, High-ISO oder Fokuserweiterungen sind somit so schnell, dass sie oftmals schon aus der Hand aufgenommen werden können. Schwenkpanoramen in 2D und 3D sind keinerlei Problem. Überhaupt lassen sich bei manchen der neuen Kameras ganz einfach zwei leicht versetzte Aufnahmen zu faszinierenden 3D-Bildern zusammensetzen, die dann entweder auf einem 3D-tauglichen Fernseher angeschaut oder aber auch als Anaglyphen-Bild ausgedruckt und mit einer Rot-Blau-Filter-Brille betrachtet werden können.

Kippbare, berührungssensitive Displays

Die Sucher-Displays werden nicht nur immer größer, sondern auch immer heller und kontrastreicher, so der Photoindustrie-Verband. Auch die Auflösung wird höher. Das Tollste aber ist, sie lassen sich, ähnlich wie das iPhone, berührungssensitiv zur Eingabe der Aufnahmeparameter, aber auch zum Auslösen der Kamera nutzen. Selbst die AF-Steuerung kann per Fingerzeig aktiviert werden. Sie stellt dann perfekt auf das angezeigte Detail scharf und löst auch gleich aus. Für Aufnahmen aus ungewöhnlichen Blickwinkeln und Perspektiven lässt sich jetzt auch schon bei manchen Kompaktkameras das Display schwenken oder kippen.

Gewusst wo, gewusst was

Immer mehr Kompaktkameras verfügen über eine GPS-Funktion zur Einbindung der Standortinformationen in die Bilddatei. Manche merken sich nicht nur wo fotografiert wurde, sie informieren den Fotografen auch darüber, was er gerade fotografiert und welche Sehenswürdigkeiten es sonst noch in der näheren Umgebung gibt. Die Kamera kann sich zudem die Reiseroute merken und zu Hause auf dem Computer darstellen, so der Photoindustrie-Verband.

Bildbearbeitung in der Kamera

Perfekt belichtete, scharfe Fotos liefern heute auch schon sehr preiswerte Kameras. Viele neue Modelle können aber auch Verfremdungseffekte bei der Aufnahme anwenden und bieten dazu eine breite Palette digitaler Filter an, so der Photoindustrie-Verband. Zu den neueren gehören Effektfilter wie „Selektive Farbe“, wo der Fotograf bestimmen kann, welche Farbe im Motiv farbig wiedergeben werden soll, während der Rest schwarzweiß abgebildet wird. Beliebt sind auch die aus der Werbung bekannten Diorama-Effekte, die Stadtansichten oder Landschaften aus der Vogelperspektive wie Spielzeug oder Miniaturen aussehen lassen. Immer mehr Kameras können solche Effekte nicht nur bei der Aufnahme nutzen, sondern auch auf die gespeicherten Fotodateien anwenden. Besonders beliebt, nicht nur bei den Smartphones, sondern auch bei Kompaktkameras, sind Filter, die Fotos alt aussehen lassen und ihnen eine besondere Tonung, beispielsweise in Sepia, verpassen.

Kabellos direkt ins Netzwerk

Immer mehr Menschen wollen ihre gelungenen Schnappschüsse sogleich mit anderen teilen, sie auf ihrer Lieblingsplattform posten oder per E-Mail versenden. Auch daran haben viele Kamerahersteller gedacht und eine Funktion zur Kennzeichnung der Bilder, die man uploaden möchte, integriert, wie der Photoindustrie-Verband berichtet. Manche Kameras bieten dazu auch WiFi-Funktionalität, über die sich die Bilder über einen Hot-Spot oder das Smartphone ins Netz stellen oder auf den PC übertragen lassen. Das ermöglicht nicht nur den spontanen, blitzschnellen Austausch von Bildern, sondern schafft auch Platz, wenn beispielsweise die Speicherkarte voll ist.

Die Foto-Welt wird smart

Ob Zoom-, Fokus- oder Belichtungssteuerung, die künstliche Intelligenz der Kameras sorgt automatisch für die optimale Programmwahl. Aber auch die Korrektur von Aufnahme- oder Bildfehlern, wie stürzende Linien, sind durch die Bildbearbeitungsfunktionen möglich. Die Zooms der Kompaktkameras sind heute immer öfter mit 10-fachem Brennweitenbereich und höher ausgestattet. Immer öfter entspricht die Anfangsbrennweite einem 24-mm-Superweitwinkel-Kleinbildobjektiv. Durch smarte Rechenalgorithmen lässt sich dabei der Telebereich nochmals praktisch ohne Qualitätsverlust verlängern, so dass selbst Kompaktkameras ihren Besitzern den extremen Telebereich von 400 und mehr Millimetern erschließen.

Smart ist ganz allgemein zum Zauberwort für die Umschreibung der vielen neuartigen, intelligenten Funktionen der Kameras der jüngsten Generation geworden, so Christoph Thomas, Vorsitzender des Photoindustrie-Verbandes. Smarte Kameras entscheiden heute aufgrund von automatischen Analysen des Motivs, welches Motivprogramm sich für eine optimale Darstellung am besten eignet und steuert es auch gleich selbsttätig ein. Trotzdem bieten die Kameras im oberen Segment ausreichend Spielraum zur Verwirklichung der eigenen kreativen Vorstellungen. Dabei kann der Fotograf schon vor der Aufnahme auf dem Display kontrollieren, welchen Einfluss seine Einstellungen auf die zu erwartende Bildwirkung haben werden. Das alles macht das Fotografieren einfacher, vielseitiger und spannender und die Ergebnisse noch eindrucksvoller. Zeit für einen Wechsel!

Digitalfotografie 09 / 2011

Ursula Schmid, Ausblick

Blende ,“Ausblick”
Ursula Schmid


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