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Paolo Pellegrin - Retrospektive

Im Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern in München ist noch bis zum 20. Februar 2012 die Retrospektive mit Arbeiten des vielfach ausgezeichneten Magnum-Fotografen Paolo Pellegrin zu sehen.

Was macht ein Foto zu einem Nachrichtenträger? Was macht ein Foto zu einem Gefühlsträger? Von der Welt, in der wir nicht leben, erfahren wir viel durch die Medien. Immer mehr Bilder erreichen uns aus Krisengebieten, von Kriegen und Katastrophen. Menschen riskieren ihr Leben, um für ihre Freiheit zu demonstrieren und an die Weltöffentlichkeit zu appellieren. Bilder allein tragen jedoch nicht zum Verständnis dieser von unserer Situation so verschiedenen harten Realität bei. Ohne einen glaubwürdigen Erfahrungsbericht oder Kommentar sieht man nur Ansammlungen von unbekannten Gesichtern und Orten.

Der vielfach ausgezeichnete Magnum-Fotograf Paolo Pellegrin (geb. 1964 in Rom, seit 2005 bei Magnum) sieht sich in der Rolle und in der Verantwortung eines Zeugen. Er sucht den direkten Kontakt zu Menschen in Kriegsgebieten, in entsetzlicher Armut und in unberechenbaren Situationen. Seine Reportagen erscheinen regelmäßig im New York Times Magazine und in der Newsweek. Seit 2011 präsentiert er als Kolumnist im ZEITmagazin jede Woche eine seiner eindringlichen, in ihrer Drastik oft verstörenden Fotografien. Pellegrin zeigt Sympathie und Respekt für viele Namenlose. Seine Aufnahmen beeindrucken durch ihre ungewöhnliche Vertrautheit. In einer Ausstellung wirken seine gewaltigen Schwarzweißfotografien besonders stark. Das Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern zeigt erstmals die Retrospektive seiner Dokumentarfotografien aus den letzten zehn Jahren, darunter ganz aktuelle Arbeiten, wie die 12m breite Foto-Installation über die Katastrophe von Fukushima oder die Demonstrationen auf dem Tahrirplatz in Kairo.

Abbas Attar (Iraner, 1944*, seit 1985 bei Magnum) über Paolo Pellegrin: „Wenn ich Paolo Pellegrins Fotos betrachte, überkommt mich ein ahnungsvolles Gefühl, als stünde der Weltuntergang unmittelbar bevor, als würde mir der Himmel auf den Kopf fallen. Seine ‚Figuren‘ sind wie Schauspieler in einem Theater der Dunkelheit. Nehmen wir sein Bild eines zerstörten Hauses in der Provinz Darfur im Sudan: Die Erde ist verbrannt – wahrscheinlich das Werk der Dschandschawid-Milizen, die, so heißt es, die afrikanische Version der ethnischen Säuberung praktizieren, eine Mauer steht noch, wie ein höhnisches Mahnmal des Bürgerkriegs, der die Region heimsucht. Nichts wird hier je wieder wachsen, kein Mensch wird hierher zurückkehren. Paolos Palette umfasst auch unscharfe Einstellungen und Bewegungsunschärfen, er setzt die Schwarzweißtechnik kreativ ein, betont Kontraste, unterdrückt Details. Was seinen Bildern an journalistischer Präzision verloren geht, gewinnen sie an Poesie. Paolo setzt diese Mittel ein, um seine Aussage zu unterstreichen. Sein Stil ordnet sich seinem sozialen Gewissen unter, er berichtet über Kriege und politische Umwälzungen, die großen historischen Ereignisse unserer Zeit.“

Die Agentur Magnum

Die legendäre Agentur Magnum wurde 1947 von Fotografen für Fotografen gegründet – von Männern, die in den turbulenten dreißiger Jahren und im Krieg wichtige Dokumentationen gemacht haben. Auch nach Kriegsende hatten die Reportagefotografie und die auflagenstarken Illustrierten Hochkonjunktur. Bei aller Unterschiedlichkeit der Charaktere und Biografien ihrer Mitglieder gab es doch einige entscheidende gemeinsame Nenner: die Magnum-Ethik, wie sie von Henri Cartier-Bresson formuliert wurde, „Zeugnis abzulegen, von den Narben der Welt“ und die Durchsetzung des Urheberrechts: Fotos nach ihren eigenen Vorstellungen zu machen, zu verkaufen und in den geeigneten Kontext zu stellen. Zu versuchen, den Markt anzuführen, statt ihm einfach nur zu folgen.

Weitere Informationen: www.vkb.de.

Fotoausstellungen 10 / 2011

Ein Hubschrauber, der von der amerikanischen DEA (Drug Enforcement Administration) und afghanischen Truppen im Kampf gegen Drogen eingesetzt wird. Afghanistan 2006.
© Paolo Pellegrin / Magnum Photos

Ein Hubschrauber, der von der amerikanischen DEA (Drug Enforcement Administration) und afghanischen Truppen im Kampf gegen Drogen eingesetzt wird. Afghanistan 2006.
© Paolo Pellegrin / Magnum Photos

Während die Kämpfe zwischen den Rebellen und Gaddafitruppen weitergehen, fliehen Tunesier, Ägypter und Angehörige anderer Staaten über die Grenze in Ras Jedir bei Ben Gardenne, Tunesien 2011.
© Paolo Pellegrin / Magnum Photos

Während die Kämpfe zwischen den Rebellen und Gaddafitruppen weitergehen, fliehen Tunesier, Ägypter und Angehörige anderer Staaten über die Grenze in Ras Jedir bei Ben Gardenne, Tunesien 2011.
© Paolo Pellegrin / Magnum Photos

Motoyoshi Cho Mishima, Kesennuma, Miyagi, Japan 2011.
© Paolo Pellegrin / Magnum Photos

Motoyoshi Cho Mishima, Kesennuma, Miyagi, Japan 2011.
© Paolo Pellegrin / Magnum Photos

Zivilisten suchen nach Überlebenden kurz nach einem israelischen Luftangriff im südlichen Beirut. Libanon 2006.
© Paolo Pellegrin / Magnum Photos

Zivilisten suchen nach Überlebenden kurz nach einem israelischen Luftangriff im südlichen Beirut. Libanon 2006.
© Paolo Pellegrin / Magnum Photos


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