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Kinder und ihre erste richtige Kamera

Seine Kinder vor die Kamera zu bekommen, ist im digitalen Zeitalter etwas kniffliger geworden. Anders als früher, gibt es auf einem Display sofort etwas zu sehen. Das wissen auch viele der Kleinen und drängen oft noch vor der ersten Aufnahme hinter den Fotoapparat, um das Bild zu beäugen. Und um am liebsten selbst einmal abzudrücken. Höchste Zeit, den Fotodrang der Kinder in die richtigen Bahnen zu lenken – mit der ersten eigenen Kamera!

Der Spielwarenhandel bietet dazu eine Fülle von Kinderkameras an. Überwiegend quietschbunt, knuffig und einem echten Fotoapparat entfernt ähnlich. Wenn es eine solche Spielzeugkamera sein soll, dann sollte sie wenigstens etwas bieten können. Kinder merken schnell, wenn sie mit Dummies abgespeist werden. Nichts liegt beispielsweise schneller in der Ecke als Pseudo-Handys – sie sehen zwar gut aus und bimmeln, doch am anderen Ende meldet sich niemand. Geeignete Kameras für Kinder müssen über die wichtigsten Funktionen verfügen: Aufnahme, Speicherung und Darstellung. Die angehenden Fotografen sollten ihre Werke immer wieder hervorholen und herumzeigen können. Schwachpunkte sind – gemessen an einer richtigen Kamera – oft die Bildauflösung und die Displaygröße. Dennoch kann ein solcher Fotoapparat bei ersten Gehversuchen Spaß bereiten.

Es gibt aber auch einen anderen Weg, den direkten: Für den Preis einer Spielzeugkamera bekommt man nämlich auch alltagstaugliche echte Fotoapparate. Nicht die aktuellen High-End-Modelle, aber Kompaktkameras mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Auch von namhaften Herstellern sind solche Modelle aus dem Einsteigersegment erhältlich. Mit Qualitätsoptik, schnellem Autofokus und Auflösungen jenseits der zehn Megapixel schlagen sie bei der Bildqualität Spielzeugkameras um Längen. Das hat mehrere Vorteile: Die kleine Besitzerin oder der kleine Besitzer spürt, dass sie oder er mit einem Fotoapparat „für Große“ hantiert. Das macht natürlich stolz und das Interesse bleibt. Zudem ist so eine Kamera bei einigermaßen pfleglicher Behandlung ein treuer Begleiter bis ins Schulalter. Sie muss also nur einmal gekauft werden, eine Spielzeugkamera würde später nämlich irgendwann sowieso durch eine richtige ersetzt.

Die klasse Bildqualität ist ebenfalls ein Argument für eine echte Kamera. Das ist etwa dann von Vorteil, wenn die Eltern ihren Fotoapparat vergessen haben sollten und nur der Junior seinen eingepackt hat. Dann wird aus der Not eine Tugend: Auch mit der Kinderkamera gelingen perfekte Fotos, und der kleine Fotograf, der die Situation gerettet hat, wächst gleich um ein paar Zentimeter. Und: Jede erste Kamera ist zwar irgendwann Geschichte. Das weiß jeder, wenn er an seine erste „Knipse“ zurückdenkt. Aber die mit ihr gemachten Bilder überdauern. Mit einem guten Gerät entstehen von Anfang an Aufnahmen, deren technische Qualität überzeugt, und die die Eltern für später aufheben können und unbedingt auch sollten. So entsteht ein wertvoller Schatz. In den meisten Fotoalben kleben Kinderbilder aus der Perspektive der Erwachsenen. Mit der ersten eigenen Kamera entsteht aber eine Dokumentation der Kindheit aus der Perspektive des Kindes.

Die Auswahl des geeigneten Kameramodells ist einfach. Die Auflösung ist schon einmal kein Kriterium, hierbei reicht die geringste am Markt erhältliche Auflösung aus. Unter zehn Megapixel wird kaum noch etwas angeboten, und das reicht bei weitem. Vielleicht am wichtigsten ist die Gehäuseform. Die Kamera sollte möglichst klein, leicht und griffig sein. Eben passend für Kinderhände und das kleine Rucksäckchen beim Ausflug. Ein großes Display erleichtert das Wählen des Bildausschnitts und später die Betrachtung der Aufnahmen. Die Knöpfe beziehungsweise der Hebel für die Zoomverstellung sollten gut für kleine Finger erreichbar sein, ebenso der Auslöseknopf. Ein Besuch im Fotofachhandel mit der Möglichkeit, dass der künftige Besitzer ein paar Kameras probehält, ist die beste Methode, um das geeignete Modell zu finden.Der Zoombereich darf ruhig etwas kleiner sein, Teleaufnahmen sind für zappelige Kinderhände schwer zu halten, und Kinder suchen ihre Motive eher im Nahbereich.

Wichtig ist ein Bildstabilisator, und zwar aus einem Grund, der auch mit Sicherheit zu tun hat. Bei jüngeren Kindern sollte das eingebaute Blitzgerät dauerhaft ausgeschaltet werden, um irgendwelchen Dummheiten mit Blitzaufnahmen zu nahe am Auge gleich vorzubeugen. Diese Menüeinstellung sollten Eltern auch regelmäßig kontrollieren. Bei einigermaßen gutem Licht gelingen auch ohne Blitzgerät in Innenräumen gute Aufnahmen – eben wegen des Bildstabilisators, der ein Verwackeln kompensiert. Einfache Zubehörteile sollte man beim Kauf gleich mit berücksichtigen: Erstens eine kleine Tasche oder Schutzhülle, die den kleinen Schatz sicher umschließt. Für den Sommerurlaub am Wasser darf es auch ein passendes wasserdichtes Gehäuse sein. Zweitens: ein Ersatzakku. Kinder können herzzerreißende Tragödien inszenieren, wenn ihr Spielzeug streikt. Aus dem gleichen Grund empfiehlt sich – drittens – eine üppig dimensionierte Speicherkarte, die möglichst nie voll wird. Mit einem für Optiken geeigneten Mikrofasertuch, Punkt Nummer vier, halten die Eltern bitte immer die Frontlinse des Objektivs von Fingertappern sauber.

Die richtige Einstiegskamera ist eine lohnende Investition. Kinder brauchen Erfolgserlebnisse und lernen aus ihnen – wie auch aus Fehlern. Eltern sollten Kindern zwar beim Fotografieren helfen, ihnen aber keine Vorschriften machen. Der Spaßfaktor zählt. Die Herausforderungen wachsen langsam mit. Wenn sie älter werden, kann man mit ihnen kleine Geschichten vor der Kamera arrangieren, das lieben sie am meisten. Aus den Fotos lassen sich dann auch tolle Geschenke machen: Bilder der Großeltern in einem schmucken Rahmen, als Jahreskalender oder sogar in einem Fotobuch. Solche und viele weitere Tipps gibt es im „Foto Jugend Ratgeber“ von www.prophoto-online.de.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2011

Franz Cavallo

Franz Cavallo

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