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Sarah Moon - à propos...

Noch bis zum 15. Februar 2012 ist in der Galerie Persiehl & Heine in Hamburg die Ausstellung „à propos…“ mit Arbeiten von Sarah Moon zu sehen.

Seit den siebziger Jahren gehören die ebenso eleganten wie einprägsamen Fotografien der in Paris lebenden Künstlerin Sarah Moon (*1941, Frankreich) zum festen Bestandteil der internationalen Modewelt. Kaum jemand wird sich dem Zauber ihrer eigensinnigen Arbeiten etwa für Dior, Chanel oder Cacharel entziehen können. Die Ausstellung in der Galerie Persiehl & Heine zeigt, nach dreizehn Jahren erstmals wieder in Deutschland, einen hochkarätigen Querschnitt durch dieses einzigartige Œuvre, dessen unverwechselbar intime Bildsprache eine große poetische Kraft zu entfalten vermag.

Sarah Moon ist Autodidaktin: Ihr fotografisches Handwerk erwarb sie, als sie im Anschluss an ihr Kunststudium als Mannequin in der Haute Couture tätig war. 1968 schließlich tauschte sie die Arbeit vor der Kamera endgültig mit jener dahinter und war mit dem unverwechselbaren Stil ihrer Fotografien auf Anhieb erfolgreich: Noch im selben Jahr nahm sie an einer Gruppenausstellung zu avantgardistischer Modefotografie in der Pariser Galerie Delpire teil. Dies sollte der Startschuss für eine einzigartige Karriere sein, in deren Verlauf Moons Arbeiten in solch tonangebenden Modezeitschriften wie „Marie‐Claire“, „Elle“ und „Vogue“ erschienen. Heute gehört Sarah Moon zu den bekanntesten Modefotografinnen der Welt; ihre poetische, oftmals traumartig anmutende Bildsprache überträgt sich ebenso auf Motive außerhalb der Modewelt sowie, seit den Neunzigern, auf ihr filmisches Schaffen.

Es gibt einen Grenzbereich zwischen Wahrheit und Fiktion, der sich in Sarah Moons Arbeiten immer wieder manifestiert. So poetisch ihre Werke auch anmuten, sind sie doch stets einer besonderen Realität auf der Spur: dem Augenblick in seiner Flüchtigkeit, der Grenzlinie zwischen Werden und Vergehen, dem Zauber einer einzelnen Sekunde. Denn, so Sarah Moon: „Die Fotografie ist die Seele aller Momente, die Seele des Moments, den man gerade eben zu Ende gehen sah.“ Und so lädt sie den Betrachter ihrer atmosphärischen Fotografien ein, der Magie dieser beseelten Momente nachzuspüren. Gleichzeitig befreit sie jedes Motiv aus seiner historischen Verankerung, löst es mithilfe der Kamera quasi von der Gegenwart ab. So wirken ihre Fotografen oft wie aus einer anderen Zeit, ja, wie visuelle Anachronismen, und sind dennoch von einer ungeheuren Intimität – ganz so, als ließen sie den Betrachter für einen kurzen Augenblick durch ein Schlüsselloch blicken.

Das Faible der Künstlerin für Mystifizierung zeigt sich anhand der oftmals verschwommen Wiedergabe ihrer Motive, was ihnen eine entrückte, bisweilen beinahe geisterhafte Aura verleiht. Ähnliches ist in den Farbfotografien zu beobachten: Farbe, der Sarah Moon an sich skeptisch gegenübersteht, wird für sie erst als Mittel zur Verfremdung und Übersteigerung interessant. Wo die teilweise grelle Optik einer gedämpften, dunklen Farbigkeit weicht, nimmt die fantastische Stimmung einen melancholischen Unterton an. Auch die gelegentlich eingestreuten Flecken in den Schwarzweißbildern erwecken den Eindruck von nostalgischer Weltabgewandtheit. Nicht ohne Grund werden Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“, Samuel Becket oder die großen Märchenerzähler immer wieder als Sarah Moons Inspirationsquellen genannt.
Paulina Szczesniak

Zur Ausstellung erscheint das Buch 12345 in einer neuen Auflage.

Weitere Informationen: http://www.persiehl-heine.de/ceemes/page/show/persiehl-heine-index.

Fotoausstellungen 01 / 2012

© Sarah Moon
le lendemaine matin 2010

© Sarah Moon
le lendemaine matin 2010

© Sarah Moon
Sans titre 1989

© Sarah Moon
Sans titre 1989

© Sarah Moon
Eva 1997

© Sarah Moon
Eva 1997

© Sarah Moon
Kassia Pysiak 1998

© Sarah Moon
Kassia Pysiak 1998


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