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Klassische Kameraformen - Nostalgie als Motor moderner Fototechnik

Erinnerungen sind für manche Menschen so schön, dass sie beispielsweise ihre festgehaltenen Erlebnisse wie aus einer anderen Zeit aussehen lassen möchten. Dieses Bedürfnis ist offenbar so groß, dass es sogar Entwickler und Designer moderner Kameras immer häufiger in ihre Planungen mit einbeziehen. Klassische Kameraformen werden kaum verändert. Im Gegenteil: Die Formen vieler neuer Modelle sind bewusste Zitate früherer Erfolgsmodelle. Dabei sind es nicht etwa die einfachen, preiswerten Geräte, sondern vielmehr die Edelkameras der gehobenen Preisklasse, die das Ambiente vergangener Zeiten von Tradition und Qualität ausstrahlen.

„Es gibt einen Blendenring am Objektiv und ein Zeitenrad auf dem mit einer Art Belederung versehenen Gehäuse aus Metall. Und einen Sucher gibt es auch. Selbst die Gravuren sind im Stil hochwertiger Feinmechanik gehalten“, schwärmte die Süddeutsche Zeitung von einer dieser Nostalgie-Kameras und freut sich offenbar, das Leica Feeling von gestern auch in einer bezahlbaren, digitalen Kamera zu finden. Die Sehnsucht nach Kameras, mit dem Zeug zum Klassiker, ist auch bei Digitalfotografen immer häufiger anzutreffen. Sie vermissen gewohnte und gelernte Bedienroutinen und selbst Touchscreen erfahrene Smartphone-User geraten über Räder, Schalter und Knöpfchen ins Schwärmen.

Es liegt in der Natur des Mediums, dass Erinnern und Bewahren besonders erstrebenswert erscheinen. Dieses Erinnern beschränkt sich in der modernen Kameraentwicklung keineswegs nur auf das Design, das Bedienungskonzept oder die verwendeten Materialien. So wie jedes schulpflichtige Kind weiß, wie es einen Laub- oder Nadelbaum zu malen hat, kennt es auch die Grundformen einer Kamera: Rechteck und Kreis. Und jeder an Fotografie Interessierte kennt den Stil von Fotos aus vergangenen, analogen Zeiten. So wundert es kaum, dass viele Fotografen sich wünschen, den Stil von damals auf ihre neuen Bilder zu übertragen. Diesen Wunsch erfüllen auch immer mehr Kamerahersteller. Waren früher für ein bestimmtes Ergebnis jeweils spezielle Filme erforderlich, so kann der Fotograf moderner Digitalkameras im Menü der Kamera wählen, welche Filmcharakteristik, von Kodachrome bis Fujifilm Velvia, von Ilford HP4 bis Agfapan, sein Bild erhalten soll. Selbst die Anmutung von Sofortbildern vergangener Zeiten können die modernen Klassiker simulieren. Viele Filme, deren Charakteristika sie zur Verfügung stellen, sind schon lange nicht mehr auf dem Markt. Auch darin zeigt sich die Fotografie als Bewahrer wertvoller Erinnerungen.

Auf zeitloses Design getrimmte Kameras signalisieren schon durch ihre aufwendigen feinmechanischen Stil- und Bedienungselemente sowie durch die zum Einsatz kommenden Materialien eine besondere Wertigkeit. Dabei sind manche hochwertigen Kunststoffe, die heute im Kamerabau verwendet werden, nicht nur ebenso widerstandsfähig und zuverlässig, sondern lassen sich zum Teil nicht weniger präzise fertigen und sind zudem auch noch deutlich leichter als Metall. Was Verbraucher für wertvoll halten, ist sehr häufig emotionsbestimmt. Die Einschätzungen folgen erlernten Routinen, von denen sich niemand gern trennt, wenn er sie einmal verinnerlicht hat. Das gilt nicht nur für die Fotografie, sondern für die meisten technischen Güter. Doch einen Vorteil hat die Fotografie gegenüber den meisten anderen Angeboten: Das Angebot ist so vielschichtig, dass sich für jede Stilrichtung und alle Vorlieben eine optimale Kamera finden lässt. Ganz gleich, ob jemand lieber Schalter umlegt, Knöpfchen drückt oder an Einstellrädern dreht, wie er es von früher her kennt, oder ob ihm die moderne Touchscreen-Handhabung, wie sie das iPhone populär gemacht hat, eher liegt – denn schließlich: gelernt ist gelernt.

Faszination Fototechnik 01 / 2012


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