Prophoto GmbH

Kimme und Korn

Mit Digiscoping per Videokamera ferne Dinge ins Visier nehmen

Den unbewegten Bildern folgten in der Geschichte der Photographie die bewegten Filmaufnahmen. Geschichte wiederholt sich bekanntlich, und so ist es beim neuen Trend Digiscoping auch nur eine Frage der Zeit, bis sich „Videoscoping“ etabliert hat. Denn was der Digitalphotographie gut tut, die Kombination von gigantischer Brennweite mit handlichen Kameras, das wird in Zukunft auch für den Videofilmer von Interesse sein.

In der Tat sind die Anlagen vielversprechend: Wie kompakte Digitalkameras leiden vor allem miniaturisierte Videokameras daran, dass ihnen der Bereich der extremen Telebrennweiten verschlossen bleibt. Den Digi-Photoapparaten eröffnen Ferngläser und Spektive das Tor zu scheinbar unerreichbaren Sphären, aber auch Videokameras können da munter hindurchspähen. Erfahrene Photographen und Videofreunde wissen nämlich, dass Aufnahmematerial und -format austauschbare Größen sind. In der Praxis zählen vor allem die Bauart und die Qualität der Optik. Das Bild, das ein Spektiv abbildet, kann genauso gut analog auf einem Film, auf dem Chip einer Digitalkamera oder auf dem Sensor einer Videokamera abgebildet werden.

Möchte man sich dem „Videoscoping“ hingeben, so lautet die Devise, das Spektiv mit einer Videokamera zu kombinieren. Betrachten wir dazu die Extremform der Miniaturkamera: die Webcam. Durch ihre massenhafte Verbreitung und große Produktionsstückzahlen ist sie günstiger als jede vergleichbare Videokamera und dabei dennoch recht leistungsfähig. Meist umschließt ein Plastikgehäuse einen kleinen, aber gut auflösenden Chip, vor dem eine erbsengroße Objektivlinse sitzt. Der Bildwinkel der Optik liegt im leichten Weitwinkelbereich, um ihren Haupteinsatzzweck erfüllen zu können: nämlich die Aufnahme des Computerumfelds oder, als Webcam im öffentlichen Raum, die Echtzeit-Dokumentation der Geschehnisse auf einem belebten Platz.
Was aber, wenn ferne Ereignisse ins Blickfeld rücken sollen, etwa das Familienleben im Storchenhorst an einem prominenten Ort in der Stadt. Nun, dann muss ein Spektiv für die notwendige Brennweite sorgen. Die kleine Optik der digitalen Raumüberwacher ist gut geeignet für die nahe Positionierung hinter dem Okular eines Spektivs. Dazu schraubt man die Webcam, die über ein Stativgewinde verfügen sollte, am besten auf eine handelsübliche Universalklemme. Fehlt das Gewinde, ist es auch kein riesiges Problem. Webcams sind so leicht, dass sie mit etwas Klebeband nahezu überall zu befestigen sind.

Hinter dem Okular stellt man die Webcam auf mittlere Entfernung scharf und verfolgt am Computer - unterwegs am Notebook - mittels der entsprechenden Anwendungssoftware, wie das erste grobe Bild aussieht. Da Webcams selten über Autofokus verfügen, läuft die Scharfstellung über abwechselndes Drehen am Webcam-Objektiv und dem Scharfstelltrieb des Spektivs. Dann gilt es - wie bei Photokameras - die Cam mittig hinter dem Okular zu platzieren und so nahe heranzugehen, bis sich der entstehende Tunnelblick höchstens noch auf abgeschattete Ecken beschränkt.

Spätestens jetzt sollte ein erstes, gut erkennbares Bild auf dem Schirm zu sehen sein. Falls es zu grob ist, zu ruckelig oder farbstichig, kein Problem, diese Einstellungen kann man mit der Kamerasoftware beheben. Tageslichtaufnahmen sollte man zunächst in der Automatikeinstellung versuchen. Wer nicht nur die ganze Welt übers Internet am Leben der Störche teilhaben lassen möchte, sondern vor allem selbst vom Videoscoping direkt profitieren möchte, für den finden sich alle möglichen Anwendungen als Überwachungskamera mit langer Brennweite.

Nur ein sinnvolles Beispiel sei hier angeführt: Die Beobachtung und Aufzeichnung des Trefferbildes auf einem Schießstand. Am Bildschirm kann der Schütze, aber auch sein Ausbilder, sofort verfolgen, wo und in welcher Reihenfolge die Projektile auf der Schießscheibe eingeschlagen sind. Lästiges Nachsehen nach jedem Schuss entfällt. Und die Festplatte dokumentiert jeden Fehler, der nach dem Training ausgewertet werden kann. Gerade bei schnellen Schussfolgen wird in der Aufzeichnung zum Beispiel ersichtlich, in welcher Richtung eine Abweichung vom Ziel erfolgt.

Damit auch nicht der geringste Zweifel aufkommt, ob nun der Storch beringt ist oder der Pistolenschütze die 10 geschrammt hat, ist eine hohe Qualität der Spektivoptik mit Brillanz und guter Farbkorrektur wichtig. Der Photo- und Optikfachhandel bietet auch auf diesem neuen Feld der Photographie und Filmkunst beste Auswahl und Beratung.

Fernoptik 01 / 2007

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Stefan Zaruba


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