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Die neue Dimension der professionellen Photographie: Eine Frage des Formats

Zur photokina 2008 wird die professionelle Photographie in neue Dimensionen vorstoßen. Sowohl bei den Aufnahmesystemen, bei der Beleuchtung als auch beim Zubehör wird es bahnbrechende Innovationen zu sehen geben. Das macht die Messe zu einem Muss - auch für alle Berufsphotographen, die den Überblick behalten und den Anschluss nicht verlieren möchten. Da reicht es oft nicht, sich die Informationen aus dem Internet zu holen oder sich über die Medien zu informieren. Das reale Erlebnis neue Produkte in der Hand zu halten, sie sich direkt vom Hersteller erklären und vorführen zu lassen und Vor- oder Nachteile mit anderen Berufsphotographen direkt vor Ort diskutieren zu können, kann nur die photokina in Köln bieten.

Als Kodak mit der DCS 100 1991 die erste professionelle, digitale Spiegelreflexkamera vorstellte, hatte sie gerade einmal eine Auflösung von 1,3 Megapixel zu bieten. Das zweiteilige Kamerasystem bestand aus einer Aufnahmeeinheit auf Basis einer modifizierten Nikon F3 und einer Speichereinheit mit integrierter Festplatte zum Umhängen. Der CCD-Sensor war nur 14 x 9,3 mm groß. Heute wird diese Leistung selbst von den kleinsten digitalen Fun-Kameras erreicht und die Pixelzahl der Profiboliden um mehr als das 50-fache gesteigert. Doch nicht nur die Pixelzahl wurde größer, auch die lichtempfindliche Fläche selbst. Zur photokina 2008 haben die Hersteller von Profisystemen hochauflösende Sensoren in Größen vorgestellt, die vom vollen Kleinbildformat (24 x 36 mm) bis zum Mittelformat von 4,5 x 6 cm reichen.

Große Pixel, gute Pixel
Das Streben nach Größe bei der Sensorentwicklung in der professionellen Photographie hat mehrere Gründe. Größere Pixel können einfach und ohne übermäßige zusätzliche Verstärkung oder spezielle Linsen mehr Licht sammeln. Das ermöglicht höhere Sensorempfindlichkeiten und einen größeren Kontrastumfang. Letzterer führt bei kontrastreichen Motiven zu einer präziseren Detailzeichnung in den hellen und dunklen Bildpartien. Spiegelreflexkameras mit Sensoren im vollen Kleinbildformat können deren Empfindlichkeit bis auf ISO 25.600 steigern. Die hochstauflösenden Filme der letzten Profigenerationen bieten maximale Nennempfindlichkeiten von ISO 3.200, die sich durch empfindlichkeitssteigernde Push-Entwicklungen mit Zugeständnissen an die Qualität nochmals verdoppeln ließen. Der Empfindlichkeitsgewinn wurde mit einer stärkeren Körnigkeit der Photos bezahlt, vergleichbar mit dem Bildrauschen heutiger Sensoren.

Hohe Empfindlichkeit, weniger Rauschen
Hier liegt auch ein weiterer Grund für das Streben der professionellen Photographie nach größeren Sensoren. Größere Bildflächen erlauben nicht nur die Platzierung einer höheren Anzahl lichtempfindlicher Sensorelemente, sondern bieten auch Raum für größer dimensionierte und besser abgeschirmte Pixel. Beides sorgt für eine Verringerung des störenden Bildrauschens, das sich in körnigen Bildern mit Farbsäumen bemerkbar macht.

Streben nach dem optimalen Kompromiss
Das Spektrum der professionellen Aufnahmesysteme erstreckt sich von der Kleinbild-Spiegelreflexkamera über Mittelformatgeräte bis hin zu Lösungen verstellbarer Fachkameras auf optischer Bank. Jedes dieser Systeme hat seine Vor- und Nachteile sowie besondere Stärken für die Lösung spezieller photographischer Aufgaben. Das hat zur Folge, dass die Hersteller verstärkt nach Kompromissen suchen, mit denen sich die Vorzüge des einen Systems mit denen eines anderen verknüpfen lassen, ohne zu viele Zugeständnisse hinsichtlich des Verzichts auf die spezifischen Vorzüge machen zu müssen. So liegt die Stärke der Kleinbildsysteme mit Vollformatsensoren in ihrer Flexibilität. Ihre momentanen Grenzen von 24,6 Megapixel, wie sie etwa Sony mit seiner alpha 900 Vollformat SLR-Kamera zur photokina vorstellt, lassen sich aber kaum sprengen, ohne die Pixelgrößen weiter zu verkleinern und dadurch eventuelle Einbußen in der Dynamik, beim Rauschen und der maximalen Empfindlichkeit hinnehmen zu müssen. Auch Canon und Nikon zeigen hochauflösende SLR-Systeme mit Vollformatsensoren.

Auf der photokina 2008 sind erstmals Systeme zu bewundern, die in ihrer Baugröße sowie Handhabung den Kleinbildmodellen entsprechen, aber neue Sensorgrößen zwischen Kleinbild und Mittelformat bieten. So hat beispielsweise Kodak einen neuen Sensor im Format 30 x 45 mm entwickelt, der Auflösungen bis 37,5 Megapixel mit hohem Dynamikumfang und äußerst geringem Rauschen für solche Systeme liefert. Sie offerieren damit die Flexibilität des Kleinbildformats mit einer annähernd hohen Qualität wie sie die Mittelformatsysteme bieten.

Schärfedehnung und Perspektivekorrektur für Kleinbild- und Mittelformat
Auch die Verstellmöglichkeiten von Fachkameras zur Perspektivekorrektur und Schärfenebenenverlagerung werden zunehmend durch innovative Lösungen, wie etwa „Tilt & Shift“-Objektive für die Kleinbildsysteme oder „Tilt & Shift“-Adapter für die Mittelformatgeräte, möglich. T&S-Objektive für Kleinbildsysteme gibt es schon seit langem bei Canon. Jetzt hat auch Nikon derartige Spezialobjektive mit 45 mm und 85 mm Brennweite ins Programm genommen. Das macht die professionelle Sach- und Architekturphotographie mobiler, ohne, dass der gewohnt hohe Qualitätsanspruch an professionelle Ergebnisse leidet. Im Mittelformatbereich bringt Phase One in Kooperation mit der ukrainischen Firma Hartblei ein 3,5/45mm „Tilt & Shift“-Objektiv auf den Markt, das für den Einsatz im Studio und on location mit der neuen digitalen Phase One 645MF Mittelformatkamera gedacht ist. Hasselblad hat für seine Mittelformat Kameras der H3DII-Serie den neuen HTS 1.5 Tilt- und -Shift Adapter vorgestellt, der den Bildkreis um 50 Prozent erweitert und ebenfalls die Vorzüge der Tilt- und -Shift-Photographie für Mittelformat-Spiegelreflexkameras nutzbar macht. Der Spezialist für Fachkameras Sinar hat, in enger Zusammenarbeit mit dem Architekturphotographen Rainer Viertelböck, ein völlig neues Aufnahmesystem für die digitale Architekturphotographie herausgebracht. Die neue arTec Kamera besitzt eine Vielzahl von Verstellmöglichkeiten, die vom Nahbereich bis unendlich reichen. Auf einer hellen Einstellscheibe kann das Motiv präzise komponiert werden. Mithilfe eines integrierten Schiebeadapters kann der Photograph schnell und einfach zwischen Betrachtung und Aufnahme wechseln. Auch an diesem Spezial-Kamerasystem können die hochauflösenden digitalen Rückteile von Sinar und Leaf verwendet werden.

Wettrennen um Pixelzahlen und Sensorgrößen
Die Annäherungen in Bezug auf Flexibilität, Mobilität und Verstellmöglichkeiten werden angesichts der ständig purzelnden Zwischenrekorde im Pixelmarathon jedoch immer wieder relativiert. Die physikalischen Grenzen der Sensoren im Kleinbild- und Überformat gegenüber den riesigen Bildflächen des Mittelformats und der Fachkameras lassen sich eben nicht so einfach sprengen. So wird Phase One auf der photokina das P65+ Digitalrückteil und das P65+ Kamerasystem zeigen, die beide auf der, gemeinsam mit dem kanadischen Sensorhersteller DALSA Semiconductor entwickelten, Technologie basieren und mit einem 53.9 mm x 40.4 mm großen Sensor ausgestattet sind, der eine Auflösung von 60,5 Megapixel oder 8.984 x 6.732 Bildpunkten liefert. Auch Hasselblad hat zusätzlich zu seiner ganz neuen H3DII-50 Kamera mit 50-Megapixelsensor für das kommende Jahre ein Modell im vollem 645er Format angekündigt, dessen Rekordauflösung auf der photokina bekannt gegeben wird. Rekordauflösung für seine AFi-Kamerareihe ist auch von Leaf zu erwarten. Das Unternehmen kündigte eine Kamera und ein entsprechendes Rückteil mit einem Mittelformatsensor im Format 56 x 36 mm mit 56 Megapixel an. Der Sensor lässt sich durch die innovative „Verto“ Rotationstechnologie intern von Hoch- auf Querformat drehen.

Lichtinnovationen für die Digitalphotographie
Doch nicht nur im Bereich professioneller Aufnahmesysteme bietet die photokina sensationelle Innovationen. Auch beim Zubehör und bei der Beleuchtung sind zahlreiche Neuheiten zu erwarten. So gibt es bei den Blitzsystemen eine Reihe kompakter Anlagen, die auch für die mobile Photographie professionelle Studioblitzqualität versprechen. Aufheller, Lichtformer, netzunabhängige Akkugeräte sind weitere High-Lights aus dem Profibereich.

Was die Zukunft der professionellen Photographie den Anwendern verspricht, können Besucher der photokina 2008 vom 23. bis 28 September in Köln live und zum Anfassen erleben.

Weitere Informationen: www.photokina.de
 

photokina 09 / 2008

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