Bildleiste

photokina 2008 - Die Trends der Photographie - Imaging is more

Die digitale Photographie steht offensichtlich kurz vor einer zweiten radikalen Revolution. Wurde zu Beginn des digitalen Zeitalters die Beantwortung der Frage nach der Leistungsstärke der von Generation zu Generation immer besser werdenden Kameras auf die erreichbare Bildqualität beschränkt, so ergibt sich heute der Verbrauchernutzen einer Kamera aus deutlich mehr Parametern. Betrachtet man die Kameras der jüngsten Generation, so ist abzusehen, dass sie schon bald automatisch schneller und besser entscheiden können, wie ein Motiv technisch perfekt abgelichtet werden muss.

In der "Photographie 2.0" wird eine perfekte Abbildungsqualität zur Selbstverständlichkeit. Haben in der industriellen Qualitätskontrolle und Vermessungstechnik opto-elektronische Verfahren längst den Augenschein ersetzt, so werden auch Kameras ihr Motiv besser und gründlicher erfassen als es das menschliche Auge wahrnehmen kann.

Mit Bildern kommunizieren
Die Frage nach der technischen Perfektion wird schon bald obsolet. Demnach erscheint es nur logisch, dass die Industrie sich für künftige Kameragenerationen zunehmend auf gänzlich neue, zusätzliche Ausstattungsmerkmale konzentriert, um die Erlebnistiefe der Photographie zu erweitern.

So wird beispielsweise die Kommunikationsfähigkeit der Kameras ausgebaut. Es werden Schnittstellen geschaffen, die Kameras in Beziehung zu anderen multimedialen Produkte setzen. Die Kommunikationsmöglichkeiten etwa mit Druckern, über Netzwerke, mit Fernsehgeräten, Telekommunikationseinrichtungen und Informationssystemen werden erweitert. War einst die Eignung einer Kamera als Handwerkszeug für das Bildermachen das Hauptkriterium, so werden zukünftig zusätzliche Parameter darüber entscheiden, ob die Verbraucher zu diesem oder jenem Gerät greifen.

Kommunizieren in Sekundenschnelle
Die Kraft der Bilder als Kommunikationsmittel hat sich nicht verändert. Kommunikation ist ein Grundbedürfnis der Menschen, das über Bilder besonders gut funktioniert. Die Digitalphotographie kann dieses Grundbedürfnis in einem Umfang befriedigen, wie es vielen selbst heute noch kaum denkbar erscheint. Sekundenschnell, über alle Grenzen hinweg, gebündelt mit allen denkbaren Informationen über Ort, Zeit und Anlass, verknüpft mit Hinweisen und Auskünften über historische und aktuelle Hintergründe, angereichert mit Sprache, Musik, Graphik, Bewegung und etlichen weiteren möglichen Elementen sind Photos die Ankerpunkte für die gesamte Kommunikation.

Die Photographie im klassischen Sinn, als Ausdruck des eigenen Gestaltungswillens, wird zweifellos als ein wesentlicher Bereich der Photo- und Imagingindustrie erhalten bleiben. Doch werden Aufnahmegeräte der Zukunft eine weit größere, geschäftlich hoch interessante Aufgabe erfüllen müssen: Vollgestopft mit künstlicher Intelligenz werden sie mitbestimmen, wie Menschen über ganz neue Formen der Bildsprache, vielleicht vergleichbar mit dem typischen, eigenen Jargon von Jugendlichen, miteinander kommunizieren.

Der Weg zum perfekten Bild der Photographie wird von zahlreichen Innovationstrends gleichzeitig gebahnt. Die photokina 2008 wird in umfassender Form verdeutlichen, wohin der Fortschritt geht.

Automatisch bessere Bilder
Das Erreichen höchstmöglicher Bildqualität, wird immer weniger vom Photowissen des Photographen abhängen. Intelligente Kamerasteuerungen werden automatisch technisch perfekte Photos liefern. Der Photograph kann sich auf die Gestaltung des Bildinhalts konzentrieren. Schließlich schöpft ein gutes Bild seine Kraft nicht nur aus seiner Abbildungsqualität, sondern aus der Stärke, mit der es seine Botschaft zum Betrachter kommuniziert.

Durch innovative Methoden der Bilderfassung, -bearbeitung, -analyse, -ausgabe und -kommunikation erobert die Photographie nicht nur private Haushalte, sondern verstärkt auch andere Wirtschaftszweige, wie beispielsweise Qualitätsprüfung, Messtechnik, Medizin und Transportwesen, Überwachung und Forschung.

Pixel ohne Ende
Imaging, der Überbegriff für die digitalen Bildtechniken, ist zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden, von dessen Innovationskraft auch die kreative Photographie profitiert. Zu den zahlreichen Innovationen, die zur photokina 2008 die weitere Entwicklung der Photographie verdeutlichen werden, zählt die rasant fortschreitende Verbesserung der Sensortechnik. Bildsensoren sind das Herzstück aller digitalen Geräte zur Bilderfassung. Zu den wichtigsten Trends zählen hier die wachsende Zahl an Kameras mit Sensoren im vollen Kleinbildformat sowie das Erreichen deutlich höherer Auflösungen und Empfindlichkeiten. Das Überschreiten der 20-Megapixelgrenze wird keine Ausnahme bleiben.

Höhere Sensorempfindlichkeiten
Ebenso gewaltig ist der Sprung bei der Sensorempfindlichkeit. ISO 6.400 verbunden mit effektiven Verfahren zur Rauschunterdrückung werden Photos unter schwierigsten Lichtbedingungen ermöglichen. Innovative Methoden zur Kontrastanalyse und zum Kontrastausgleich werden selbst drastische Helligkeitsunterschiede im Motiv meistern.

Die höheren Empfindlichkeiten erlauben nicht nur Aufnahmen bei wenig Licht, sondern gestatten auch kurze Belichtungszeiten für Freihandaufnahmen mit Teleobjektiven und ermöglichen das Einfrieren von Bewegung im Bild.

Verwacklungsausgleich
Hinzu kommen noch effektivere Methoden zur Bildstabilisation, die verwacklungsfreie Aufnahmen mit bis zu vier Belichtungsstufen längeren Verschlusszeiten gewährleisten. Dabei werden Bildstabilisatoren, seien sie nun im Objektiv oder in der Kamera untergebracht, in intelligenter Kombination mit der Belichtungssteuerung und der ISO-Automatik arbeiten.

Intelligente Motivanalysen durch den Kameracomputer nehmen dann dem Photographen die Wahl des optimalen Motivprogramms ab. Biometrische Verfahren zu Face Detection, Recognition und Tracking (Entdeckung, Erkennung und Verfolgung) sowie deren Erweiterung, wie die Interpretation der Mimik einer Person - wie sie etwa Kameras nutzen, die sich durch ein Lächeln auslösen lassen - werden zukünftig in Kameras eine Selbstverständlichkeit sein und dazu beitragen, dass Personen im Bild scharf und mit optimaler Hauttonwiedergabe abgebildet werden.

Neue Perspektiven
Bei den Spiegelreflexkameras wird die LiveView-Funktion, wie sie Photographen von den Kompaktkameras her gewohnt sind, immer populärer. Kameras der jüngsten Generation bieten diese Funktion mit dreh- und schwenkbaren Displays für Aufnahmen aus ungewöhnlichen Perspektiven sowie in Kombination mit leistungsstarken Autofokussteuerungen. Dabei werden Kameras extrem schnelle Bildfolgezeiten von 60 Aufnahmen pro Sekunde und mehr für perfekte Bewegungsanalysen aufweisen. Zudem sollen Zeitlupen- und Zeitrafferaufnahmen zur Standardfunktion werden.

Gewusst wo
Immer mehr Kameras werden dazu in der Lage sein, entweder durch integrierte Module oder durch Zubehör, ortsbezogene Metadaten in die Exif-Datei digitaler Photos einzubetten. Damit ist das Rätselraten darum, wo eine Aufnahme entstanden ist, vorbei. Diese Informationen lassen sich später im PC oder in der Kamera mit entsprechenden Datenbanken verknüpfen, die zusätzliche Auskünfte über den Ort der Aufnahme und seine Umgebung liefern.

Bildbearbeitung sofort
Sollen Bilder bearbeitet oder verändert werden, ist beispielsweise eine Umrandung gewünscht, soll der Ausschnitt verändert oder die hässlichen roten Blitzaugen retuschiert werden, so kann das zukünftig bei einigen Modellen direkt nach der Aufnahme in der Kamera geschehen. Die Erstellung von vertonten Bilderschauen in der Kamera, bieten einige Hersteller schon heute für ihre Produkte an.

Schluss mit dem Kabelsalat
Die Übertragung der Photos aus der Kamera zum PC erfordert in den meisten Fällen noch eine Kabelverbindung zum Zielgerät oder die Speicherkarte muss über ein externes oder integriertes Laufwerk ausgelesen werden. Zukünftig wird es vermehrt Kameras, Camcorder und Kamerahandys geben, die ihre Bilder über Bluetooth oder sogar Wireless LAN verschicken können. Selbst der direkte Versand an Internetplattformen lässt sich so über die Kamera abwickeln.

Neue Objektive
Nicht nur die Kameras, sondern auch das Zubehör wird sich bis zur photokina 2008 weiterentwickeln. Vor allem bei den Objektiven wird ein Trend zu extrem kurzen Weitwinkel- und ultralangen Telebrennweiten deutlich, der sich auch bei den Objektiven mit variablen Brennweiten manifestiert. Zudem nimmt die Zahl der Zoomobjektive mit größeren Brennweitenbereichen sowohl im Weitwinkel- als auch im Telesegment zu. Gleichzeitig zeigt sich ein Trend zu höheren Lichtstärken. Bei manchen hochwertigen Kameras werden neuerdings auch Funktionen integriert, die eventuelle Abbildungsschwächen von Objektiven durch eine Fehlerkorrektur über die integrierte Software ausgleichen. Neue Materialien, wie bleifreie Gläser, machen die Photographie noch umweltfreundlicher.

Einsatzfähig unter widrigsten Umständen
Last but not least verbessert sich von Generation zu Generation das Handling der Kameras, die Bedienungselemente werden nicht nur ergonomischer, sondern auch die Materialien und die Verarbeitung werden optimiert. Robuste, stoßabsorbierende und wasserfeste Geräte beschränken das Photographieren längst nicht mehr nur auf Sonnenschein. Unsanfte Behandlung, Staub, Schnee, und Regen können ihnen nichts mehr anhaben. In der neuen Welt der Photographie ist das Bildermachen jederzeit, überall und auch unter widrigsten Bedingungen möglich.

Die neuen Trends der Photographie gehören zu den zentralen Themen der photokina in Köln vom 23. bis 28. September 2008 sein. Wer im Bilde sein und bleiben möchte, der kommt an einem Besuch der World of Imaging mit ihren rund 1.600 Ausstellern nicht vorbei.
 

photokina 05 / 2008

Bewerten 43

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren






* Diese Felder müssen ausgefüllt werden