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photokina 2008 Dry-Labs: Das Labor wird trocken gelegt

Um digitale Bilderdienste überall und jederzeit auch ohne komplexe Entwicklungsprozesse in Flüssigchemie anbieten zu können, experimentierte die Imagingbranche in den vergangenen Jahren mit zahlreichen unterschiedlichen Lösungsansätzen für das Trockenlabor. Nun haben sich drei Methoden für die trockene Ausarbeitung digitaler Aufnahmen am Markt etablieren können: die Thermosublimationsverfahren, die Tintenstrahltechnik und der Digitaldruck. Auch kombinierte Lösungen von Thermosublimation und Inkjet werden für die trockengelegten Bilderstationen angeboten. Alle drei Verfahren liefern eine sehr gute Bildqualität und lassen sich äußerst flexibel für die Herstellung unterschiedlicher Bildprodukte einsetzen und können so die wachsende Nachfrage nach individuellen Mehrwertprodukten, wie Photobücher, Kalender, Poster, Grußkarten oder Photogeschenke, befriedigen.

Das Trockenlabor erweitert die Möglichkeiten für digitale Bilderdienste, da die Entsorgung der verbrauchten Flüssigchemie wegfällt. Es kann praktisch überall betrieben werden, wo es eine Steckdose gibt. In der Regel benötigen Trockenlabore im Vergleich zu herkömmlichen Minilabs auch deutlich kleinere Stellflächen und verlangen geringere Investitionen. Sie lassen sich einfach bedienen und sind auch in Bezug auf die Wartung pflegeleicht. Zudem sind die meisten Systeme durch ihren modularen Aufbau frei skalierbar. Das heißt, die Betreiber können ihr System je nach anfallendem Auftragsvolumen und der Entwicklung der Nachfrage nach bestimmten Produkten gezielt ausbauen. Diese Eigenschaften erweitern nicht nur die Palette der Produkte, die sich mit den neuen Dry-Labs anbieten lassen, sie erschließen auch neue Einsatzbereiche über den Photohandel hinaus. Bilderdienste können somit überall dort angeboten werden, wo der Verbraucher sie sucht oder erwartet.

Thermosublimationsdruck
Vor allem in den neuen digitalen Kiosksystemen vor Ort für den Sofortdruck vom Photos, Grußkarten, Kalendern und neuerdings auch Photobüchern kommen in jüngster Zeit immer öfter auch Drucker für das Thermosublimationsverfahren zum Einsatz. Bei diesem Verfahren werden durch Erhitzen die Farben von einer Trägerfolie auf die Medien übertragen. Neuere Geräte, die diese Drucktechnik verwenden, sind in der Lage durch spezielle, zusätzliche Spenderfolien, Bilder mit hochglänzender oder matter Oberfläche auszugeben. Die neuen Kiosklösungen zeichnen sich zudem durch besonders kurze Druckzeiten aus. Diese hängen im Wesentlichen davon ab, wie schnell sich die Heizelemente für das Verflüssigen der Farben erhitzen lassen. Allgemein drucken Thermosublimationsdrucker mit einer Auflösung von rund 300 dpi und können zirka 16 Millionen unterschiedliche Farbtöne erzeugen. Das Thermosublimationsverfahren wird nicht nur für den Photodruck auf Papier, sondern auch für die Übertragung digitaler Bilder auf Tassen, Kacheln, Metalle und ähnliche Materialien für die Produktion von Photogeschenken und anderen Fun-Produkten eingesetzt. Die Stärken dieses Verfahrens liegen in seiner anerkannt hohen Bildqualität im Photodruck. Für die Ausgabe von anderen Dokumenten bietet sich dieses Verfahren wegen höherer Medienstärken in der Regel nicht an.

Inkjetdruck
Sowohl Kiosksysteme als auch Minilabs verwenden das Inkjetverfahren, bei dem die Tinte in feinen Tröpfchen auf die Medien aufgetragen wird, für den Bilderdruck vor Ort. Um eine möglichst hohe Auflösung für eine optimale Detailwiedergabe zu erreichen, erhielten die Drucker immer feinere Düsen für den Tintenauftrag, mit denen winzige Tröpfchengrößen von nur noch einem Picoliter möglich wurden. Zur Steigerung der Druckgeschwindigkeit wird mit variablen Tröpfchengrößen gearbeitet. Feine Bilddetails werden mit kleinen Tröpfchen erzielt, wohingegen größere gleichmäßige Flächen durch den Farbauftrag mit größeren Tröpfchen erreicht werden.

Zur Steigerung der Druckgeschwindigkeit wurde die Anzahl der Düsen im Druckkopf der Systeme erhöht. Durch den Einsatz von bis zu 8 Tinten in unterschiedlichen Farben wird eine besonders differenzierte Farbwiedergabe möglich. Manche Systeme verwenden selbst für die monochrome Wiedergabe in Schwarzweiß zusätzlich zum Schwarz Tinten in unterschiedlichen Grautönen. Um einen möglichst gleichmäßigen Oberflächeneindruck zu erreichen, verwenden manche Systeme für den Tintenstrahldruck zusätzlich eine Art Klarlack, der auch auf die Bildpartien aufgetragen wird, die keine Farbe enthalten. Diese farblose Tinte dient auch zum Schutz der Bilder gegen Feuchtigkeit und Verwischen der Farben.

Eine wesentliche Rolle für die Bildqualität und die Trocknungseigenschaften beim Inkjetdruck spielt auch die Oberflächenbeschaffenheit der Medien. Mikroporöse Schichten auf der Oberfläche sorgen dafür, dass die Tinten schnell vom Papier aufgenommen werden und sofort nach der Ausgabe trocken und wischfest sind.

Digitaldruck
Auch das Großlabor wird von der Trockenwelle erfasst. Hier ist es in erster Linie der Digitaldruck, der die Entwicklung des klassischen Großlabors zum Druckdienstleister beschleunigt. Vor allem die positive Entwicklung bei der Nachfrage für Photobücher hat die Investitionen in digitale Drucksysteme bei den Großfinishern angekurbelt. Umgekehrt haben sie auch von den klassischen Druckereien, die das Photobuch und seine zahlreichen Ableger als Markt für sich entdecken, starken Gegenwind bekommen. Der immer noch milliardenfach Jahr für Jahr gefertigte Standardprint im Format 10 x 15 cm hat seine Attraktivität angesichts der besseren Margen bei Sonderprodukten wie Kalendern, Postern, Grußkarten - der absoluten Domäne des Digitaldrucks - etwas verloren. Die jüngste Generation der Digitaldruckmaschinen bieten zudem ein hohes Niveau an Möglichkeiten zur automatischen Prozesskontrolle, die den Personalaufwand und die Schulungsanforderungen minimiert, die Bildqualität und Mediennutzung kontrolliert und die Betriebskosten optimiert. Digitale Druckverfahren ermöglichen durch die Verarbeitungsmöglichkeit variabler Auftragsdaten die Massenproduktion einzelner Kleinaufträge. Die Farb- und Bildqualität nähert sich immer stärker der gewohnten Leistung klassischer Photoausarbeitungen an. Die Stärke liegt in der Möglichkeit der Verarbeitung gemischter Photoprodukte, wie Kalender, Poster, Grußkarten oder Collagen.

Mit dem Digitaldruck hielt das „Printing on Demand“ Einzug in die Druckindustrie. Mit den erst vor wenigen Jahren bei Photographen populär gewordenen Photobüchern erhielt das PoD ein weiteres Geschäftsmodell. Es entwickelte sich bei den Betreibern von Photolaboren schnell zu einem durchschlagenden Erfolg. Allein dieses besonders für den Digitaldruck besonders geeignete Produkt wird in den kommenden Jahren rasante Umsatzsteigerungen erleben. Wie das Marktforschungsunternehmen „Understanding and Solutions“ herausgefunden hat, soll der Markt für Photobücher in Europa von 63 Millionen Euro im Jahr 2005 bis zum Jahr 2010 auf ein Volumen von 370 Millionen Euro steigen. Und das ist nur eines von zahlreichen im Digitaldruck möglichen Mehrwertprodukten für den Bildermarkt.

Auf der photokina 2008 werden die jüngsten Entwicklungen der Dry-Lab-Systeme die alternativen Wege zu digitalen Bildprodukten im Bildermarkt genauso zu sehen sein wie die verbesserten Lösungen auf herkömmlicher, photochemischer Basis. Die photokina 2008 vom 23. bis 28. September in Köln ist somit ein Muss für jeden, der mit der Photographie zu tun hat. Rund 1.600 Aussteller präsentieren den umfassenden Photo- und Imagingworkflow.
 

photokina 05 / 2008

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