Jana Mänz – Eine Fotografin mit dem besonderen Blick

© Jana Mänz
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Für das letzte Buch von Jana Mänz „Fotografie al dente: So kommt die Pasta richtig ins Bild“ gab es durchweg positive Resonanz. Nun ist ein weiteres Fotobuch zur Naturfotografie, „Naturfotografie mal ganz anders“, erschienen. Sie ist studierte Geografin und Verlagsredakteurin, arbeitet aber mittlerweile freiberuflich als künstlerische Fotografin und Autorin.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen oder was/wer hat Sie zur Fotografie beeinflusst?

Fotografiert habe ich schon als Kind sehr gerne und neben einer einfachen orange-farbenen analogen Plastikkamera (heute würde ich diese als Lomo bezeichnen) durfte ich mit der Praktika meines Vater fotografieren. Doch erst durch mein Geografie-Studium Mitte der 1990-er Jahre und einen Freund, der mir half, meine erste Spiegelreflexkamera (eine Nikon F70) zu kaufen, wurde aus Knippserei eine Leidenschaft, die mich mit vielen Höhen und Tiefen bis heute nicht losgelassen hat. In den ersten Jahren haben mich überwiegend Fotofreunde aus verschiedenen Fotoklubs geprägt. Mit Aufkommen des Internets und diversen Fotocommunitys bzw. Fotoblogs haben mich vor allem internationale Fotografen (im Besonderen japanische Fotografen, die ich über mein eBook-Projekt „Wabi-Sabi“ kennen gelernt habe) beeinflusst. Das Internet wurde zu meinem fotografischen Tor zur Welt, auch, wenn es heute ungleich schwieriger ist, aus der Masse der Fotografien, die tagtäglich ins Netz gestellt werden, hier genau die Arbeiten zu finden, die mich inspirieren und faszinieren. Daneben beeinflussen vor allem Filme, Literatur und Maler der Romantik, wie C. D. Friedrich, meine Fotografie. Wenn ich Bilder am PC bearbeite, höre ich immer klassische Musik über Spotify.

Was fasziniert Sie an der Fotografie? (Motive, Technik)

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Eine gute Frage, gibt es doch eigentlich kein Motiv mehr, was noch nicht fotografiert worden ist. Losgelöst von diesem Gedanken weiß ich, dass es für mich ganz viel Entwicklungspotenzial gibt. Es gibt noch so viele Ideen, die ich umsetzen möchte, zu denen ich aber heute noch nicht in der Lage bin, weil mir die Erfahrung oder die Möglichkeit fehlt. Fotografie ist ein wunderbares Medium, künstlerisch tätig zu werden, vor allem in Verbindung der digitalen Bildbearbeitung. Erst Lightroom hat in den letzten Jahren eine Entwicklung bei mir ermöglicht, die vorher undenkbar gewesen wäre. Wer weiß, was in 10 Jahren ist, welche Möglichkeiten uns dann zur Verfügung stehen. In Verbindung mit persönlicher Entwicklung, Emotionen und Erfahrungen kann ich mir nicht vorstellen, dass sich an meiner Faszination zur Fotografie etwas ändern wird.

In welcher Motivkategorie fühlen Sie sich fotografisch zu Hause?

Tief in meinem Herzen zum einen der Natur- und Landschaftsfotografie und zum anderen der Kinderfotografie. Aktuell arbeite ich in der Produkt- und Reportagefotografie und versuche dabei, meine persönlichen Interessen an den Themen „Gesundheit, Ökologie, Handwerk und erneuerbare Energien“ fotografisch in Beziehung zu setzen.

Worin sehen Sie für sich die größten Herausforderungen in der Fotografie?

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Die Herausforderungen sind vielfältig: Zum einen, weil ich als freiberufliche Fotokünstlerin arbeite und mich tagtäglich auf dem freien Markt beweisen muss. Dabei muss ich die Balance halten zwischen dem, was ich fotografisch machen möchte und was der Auftraggeber verlangt. So muss ich jedes Mal neu wirtschaftlich und emotional abwägen, ob ich den Auftrag annehmen kann, ohne, dass ich mich dabei komplett verbiegen muss. Eine weitere Herausforderung ist für mich, dass ich in der Zukunft gerne als fotografische Autodidaktin mit einer Fachkamera arbeiten möchte. Ich möchte damit fotografische Ideen umsetzten, die bisher nur in meinen Vorstellungen existieren. Das wird noch ein langer und steiniger Weg, aber bisher habe ich mir alles im Selbststudium beigebracht, sodass ich weiß, dass ich es irgendwann schaffen kann.

Ihre Fotobücher werden als „anders“ beschrieben. Warum „anders“?

© Jana Mänz
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„Anders“ klingt so ein bisschen arrogant, als wenn ich das Rad in der Fotografie neu erfinden würde. „Anders“ in dem Sinn, dass ich versuche, von der Reduzierung der Fotografie auf die Technik, die im letzten Jahrzehnt mit Aufkommen der Digitalfotografie immer mehr in den Vordergrund gerückt ist und deren Wettrüsten ich auf keinen Fall mitmachen möchte (das heißt nicht, das ich mich für Technik nicht interessiere), wieder auf den Ursprung der Fotografie zurückzukommen. Die Kamera ist nicht mehr als ein Werkzeug, ähnlich einem Pinsel oder einer Nähmaschine, am Ende kommt es auf die Inspiration, die Kreativität und der Umgang mit dem Werkzeug an. Die meisten Fotoschulen reduzieren aber alles auf die Technik, aber erst das Zusammenspiel von Inspiration, Emotion des Fotografen und ein sicherer Umgang mit der Kamera führt zu guten Ergebnissen. An der Stelle möchte ich die 2. Frage in dem Interview ergänzen: Ich finde es total wichtig, dass man sich als Fotograf mit anderen Künstlern beschäftig: ob Musik, Malerei oder Literatur. Ich hole mir soviel Inspiration aus diesen Bereichen, sodass meine Fotografie ganz stark davon beeinflusst wird. Höre ich melancholische Klassik beim bearbeiten meiner Bilder, wird die Licht- und Farbstimmung der Fotos ebenso melancholisch werden. Ich gehe während meiner Fotografie auch nicht rational vor und überlege mir, welches Motiv beim nächsten Fotowettbewerb gewinnen wird, sondern höre einzig alleine auf mein Bauchgefühl, auch, wenn das Bild technisch nicht perfekt wird.

Was ist Ihre erste Empfehlung an all jene, die die Fotografie für sich entdecken möchten?

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Eine einfache (auch gebrauchte DSLR) reicht für den Anfang völlig aus. Wichtig ist, viel zu üben. Viel auszuprobieren und sich die Arbeiten anderer anschauen und vielleicht nachzumachen. Offen zu bleiben und am Anfang in jedes Genre reinzuschnuppern. Spaß haben, sich mit anderen Hobbyfotografen austauschen und den Mut haben, auch Fotos zu machen, die nicht dem aktuellen Schönheitsideal entsprechen, auch, wenn Letzteres sehr schwer ist, da positives Feedback der Fotografenseele schmeichelt.

Wie würden Sie Kindern die Fotografie näher bringen?

Das kann ich ganz einfach beantworten, da ich einen 6-jährigen Sohn habe, der seit dem 3. Lebensjahr fotografiert: Geben Sie ihrem Kind eine Kamera oder ein Smartphone in die Hand und lassen Sie ihr Kind machen. Ich war selbst erstaunt, welche Bilder ich auf dem Chip der Kamera gefunden habe. Wichtig ist, dass man sich als Eltern für die Fotos interessiert, sie sich gemeinsam anschaut und darüber spricht bzw. die Fotos am Ende ausdruckt, die sich das Kind wünscht. Jetzt, wo mein Sohn in die Schule kommt, kann ich ihm auch einfache Gestaltungsregeln beibringen, wie z.B. ein gerader Horizont oder dass man bei Menschen nicht die Füße abschneidet. Diese einfachen Grundregeln beherrscht er schon sehr gut und ich freue mich sehr darüber, das er später auch mal Fotograf (und Polizist) werden will. Ich hoffe nur, dass er später nicht nur „ungewollte Straßenporträts“ aufnehmen lässt :)

Wie sehen Sie die Smartphone-Fotografie im Vergleich zur klassischen Fotokamera?

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Ich persönlich finde, das beide ihre Berechtigung haben. Für ein neues Buchprojekt fotografiere ich neben der klassischen DSLR sehr intensiv mit dem Smartphone. Dabei habe ich festgestellt, dass ich mit dem Smartphone Bilder mache, die ich mit der DSLR nie gemacht hätte, einfach weil sie zu schwer und zu aufmerksamkeitserrregend ist und ich das Foto mit dem Smartphone quasi unbeobachtend machen kann. Es entstehen so viel mehr Aufnahmen aus meinem Alltag, ohne dass sie einem künstlerischen Anspruch erfüllen müssen. Beide Kameraarten sind Teil meines fotografischen Schaffens und seitdem auch Smartphone-Bilder bei meiner Bildagentur Westend61 vermarktet werden, sind sie auch Teil meiner kommerziellen Fotografie. Eine Entwicklung, die noch vor zwei Jahren undenkbar gewesen wäre.

Was ist für Sie eine gute Fotografie?

Ein Foto, das ich einmal gesehen und nie wieder vergessen habe. Eine Fotografie, die ich mit geschlossenen Augen beschreiben kann und Emotionen – ob positiv oder negativ – tief in mir drin ausgelöst haben. Alle anderen Fotografien sind zwar vielleicht schön oder technisch perfekt, aber im nächsten Moment habe ich sie wieder vergessen…

Portfolios 05 / 2014

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1 Kommentare

Ein Interview, das sehr sehr treffend das beschreibt, wie ich Jana über die Jahre kennen- und schätzen gelernt habe und das, was als "gute Fotografie" von ihr beschrieben wird, ist absolut perfekt beschrieben. Ja, ihr Fotos und Fotobücher sind "anders", eben weil sie berühren und den Menschen mit all seinen Empfindungen ansprechen und nicht nur auf der Sachebene erklären und Wissen vermitteln - das schafft Jana toll und ohne aufdringlich zu sein fast "nebenbei". Ich wünsche weiterhin viel Erfolg und freue mich auf faszinierende weitere Bücher!

von GZi
08. Mai 2014, 15:38:30 Uhr

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