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Das eigene Fotostudio - Location mit Ledercouch
Eine Checkliste für Einsteiger

Zwei wesentliche Gestaltungselemente bringen Menschen und Gegenstände vor der Kamera zur Geltung: Licht und Hintergrund. Beides lässt sich perfekt und wetterunabhängig in einem entsprechend ausgestatteten Studio steuern. Das schnelle Bild vom Kinderspielzeug für den Verkauf im Internet oder das ungezwungene Familienporträt – die meisten Fotografen haben sich für solche Aufnahmen schon einmal eine Studioumgebung gewünscht. Dabei war ein eigenes Studio für ambitionierte Fotografen noch nie so leicht erschwinglich wie heute. Ein Satz Studioleuchten oder eine Studioblitzanlage samt Zubehör für Einsteiger müssen nicht mehr kosten als eine Spiegelreflexkamera. Die Auswahl ist groß und bietet für alle Ansprüche etwas. Mit einer paar Fragen an sich selbst finden Einsteiger das Studio, das zu ihnen passt.

Frage 1: Was möchte ich fotografieren?

Wer als Insektenkundler präparierte Käferlein ablichtet, braucht nicht mehr Platz als ein A3-Blatt. Soll aber die gesamte Familie mit zwei Doggen und der Großmutter im Ohrensessel aufs Bild, muss das Studio zwangsläufig großzügig dimensioniert sein. Der Aufnahmezweck gibt vor, welches Studio man sich einrichtet. Beim passionierten Makrofotografen, der kaum größere Objekte als einen Strauß Blumen vor der Linse hat, sind Kompakt- oder Ministudios erste Wahl, die es in verschiedensten Ausführungen gibt. Viele können bequem auf einem Tisch aufgestellt werden; man spricht dabei auch von Tabletop-Fotografie. Sie verfügen über die wesentlichen Elemente: Hintergrund und Lichtführung.

Zahlreiche Fotografen schätzen einfarbige Hintergründe, meist in Weiß. Wenn diese eine Hohlkehle bilden, zeichnet sich keine Kante zwischen Boden und Wand ab; Objekte können perfekt freigestellt werden. Dazu trägt auch die entsprechende Ausleuchtung bei, die über mindestens zwei Lichtquellen oder eine großflächige Beleuchtung funktioniert. Der Handel bietet für jeden Einsatzzweck das ideale Paket an: komplette Ministudios, die in einem Koffer unterkommen, Aufnahmetische mit Rundum-Verstellmöglichkeit der Lampen. Oder zelt- beziehungsweise igluförmige transparente Stoffkabinen, die von diffusem Licht durchflutet werden.

Menschen passen zwar in die größten dieser Kompaktstudios. Wer Porträts fotografieren will, ist aber mit einem großzügiger dimensionierten Studio besser bedient. Niemand muss dazu einen Raum aufgeben oder gleich anbauen. Es genügt, während des Shootings ausreichend „freies Schussfeld“ zwischen Model und Kamera zu schaffen. Lichtanlage und Hintergründe können danach wieder platzsparend verstaut werden. Eine komplette Einsteiger-Blitzanlage mit zwei Blitzgeräten, Stativen und Softboxen verschwindet in einem Trolley. Hintergründe gibt es als Papierrollen oder als Stoff. Beides lässt sich ebenfalls gut wegpacken. Mit Stoff- oder Rollenhintergründen lassen sich schwer transportable Möbel wie eine Ledercouch einfach verhängen, sie verschwinden dahinter.

Frage 2: Wo will ich fotografieren?

Ob man im Wohnzimmer oder im Keller fotografiert beziehungsweise die Location öfter wechseln will, ist eine entscheidende Frage für das eigene Fotostudio. Wer mobil sein möchte, sollte auf leichtes und einfach zu transportierendes Equipment achten. Hintergründe gehören dabei auf Stative. Wer sich dagegen für einen festen Ort in einem Raum – Keller, Dachboden oder Garage – entscheidet, kann Halterungen für den Hintergrund fest an der Wand oder in der Decke verankern. Damit lassen sich auch mehrere Farben, zum Beispiel Schwarz, Weiß und ein neutrales Grau auf Rollen anbringen. Nach dem Shooting werden sie aufgewickelt und nehmen kaum Platz weg. So kann ein Kellerraum weiter für Partys genutzt werden.

Kellerräume sind oft etwas niedriger gebaut als Wohnräume. Das kann bei großen Menschen als Models knapp werden. Fotos, auf denen sie die Arme nach oben strecken, sind dann nicht möglich. Ein großer Vorteil von inhäusigen Fotostudios ist die Stromversorgung aus der Steckdose. Für Dauerlicht ist sie zwingend nötig. Wer lieber mit Blitzlicht arbeitet, kann auch auf mobile Stromversorgungen zurückgreifen, große Akkupacks, die speziell für mobile Studios entwickelt worden sind.

Frage 3: Wofür will ich fotografieren?

Wer Menschen fotografiert, möchte ganz andere Ergebnisse als jemand, der Produkte ins rechte Licht setzen will. Bei Menschen geht es in der Regel um Aufnahmen, auf denen individuelle Reize eines Models herausgearbeitet werden. Dazu ist eine gute Abstimmung mit dem Hintergrund notwendig. Es bieten sich dazu verschiedenfarbige Papierhintergründe ebenso an wie gemusterte Stoffe. Auf einfarbige Hintergründe kann man nach Belieben Muster oder Bilder projizieren. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Viele Fotografen benötigen schnell ein perfekt ausgeleuchtetes Bild eines Gegenstandes – sei es ein Artikel für einen Online-Shop oder das angerichtete Menü von der Tageskarte für die Homepage eines Edelrestaurants. Sie sind mit einfarbigen, oft weißen Hintergründen gut bedient. Produkte lassen sich damit gut freistellen und so einfach am Computer weiterverarbeiten. Ein Clou sind in diesem Zusammenhang Kompaktstudios, in denen die Motive auf transparenten Trägern auch von unten beleuchtet werden können.

Frage 4: Womit will ich fotografieren?

Die Wahl der Kamera bedingt teilweise die Wahl der Beleuchtung (siehe auch nächste Frage). Kompakt-, Bridge-, System- oder Spiegelreflexkameras sind zwar hinsichtlich ihrer Bildqualität in den letzten Jahren enger zusammengerückt. Nicht aber in puncto Flexibilität. Kameras mit Blitzschuh oder sogar einer Blitzbuchse können sehr bequem eine Blitzanlage auslösen. Kompaktkameras können das prinzipiell auch, aber meist über den Umweg der Auslösung über den eingebauten Blitz des Fotoapparats. Dieser zündet und löst die Anlage gleich mit aus. Exakt dosierte Belichtungen sind in diesem Misch-Blitzlicht schwierig. Wer mit gut ausgestatteten Kameras arbeitet, hat die Wahl zwischen Blitzanlagen und Studiolampen. Wer mit Kompaktkameras fotografiert, sollte eher zur Studiolampe greifen.

5. Frage: Wie will ich fotografieren?

Mit Blitz- oder Dauerlicht? Diese Frage ist unter angehenden Studiobesitzern die kniffligste und scheinbar so unauflösbar wie der Dauerstreit zwischen Nass- und Trockenrasierern. Also: Beide Systeme haben Vor- und Nachteile, keines hat eindeutig die Nase vorn. Punkt. Es gibt technische Ausschlusskriterien. Wer mobil arbeiten möchte, wird Probleme haben, den nötigen Strom für tausende Watt Lampenleistung aufzutreiben. Hier sind Blitzgeräte mit Akkupacks im Vorteil. Wer mit Kompaktkameras fotografiert, tut sich bei Dauerlicht einfacher mit der Belichtung.

Ein Nachteil klassischer Studiolampen ist der hohe Stromverbrauch und die Wärmeabgabe. Inzwischen gibt es aber auch Leuchten mit Leuchtstofflampen-Technik, deren Hersteller weniger Stromverbrauch und Hitze im Studio versprechen. Ein gefühlter Vorteil eines Studios mit Dauerlicht ist, dass der Fotograf immer exakt verfolgen kann, was er fotografiert und dass die Lichtführung permanent sichtbar ist. Bei einer Blitzanlage ist nur für Sekundenbruchteile die volle Ausleuchtung wirksam; die gedimmten Einstelllampen können nur bedingt die Lichtsituation wiedergeben. Allerdings hat jede Kamera ein Helferlein an Bord, das diesem Umstand Rechnung trägt: der Monitor. An ihm können die Lichtführung und die korrekte Belichtung sofort nach der Aufnahme abgeschätzt werden.

Bei der Frage Blitz- oder Dauerlicht wird jeder Fotograf auch ein wenig aus dem Bauch heraus entscheiden. Hilfreich bei dieser und anderen Abwägungen sind Fotomessen, auf denen Fotostudios aufgebaut sind und man mit seiner eigenen Kamera ein paar Probeschüsse wagen kann. Auch der gut ausgestattete Fachhandel hilft gerne weiter. Egal, wie die Entscheidung ausfällt und wie umfangreich die Erstausstattung des eigenen Studios ist: Es ist ein Schlüssel, der Fotografen ganz neue Welten erschließt. Im Großen und im Kleinen.

Pressemeldungen 09 / 2011

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