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Digiscoping mit Bewegtbild: Der neue Trend - Videoscoping

Eine TV-Legende feierte soeben 50-jähriges Jubiläum: 1960 flimmerten die ersten „Expeditionen ins Tierreich“ auf deutschen Fernsehapparaten. Heinz Sielmann war ein Pionier der Naturdokumentation und konnte auf Techniken zurückgreifen, die nur für seine Projekte entwickelt worden waren. Das versetzte sein Publikum immer wieder in Staunen. Ein halbes Jahrhundert später ist es für jedermann so einfach wie nie zuvor, mit extremen Brennweiten auf die private Expedition ins Tierreich zu gehen. Der neue Trend heißt Videoscoping und revolutioniert gerade das Filmen mit einfachen Mitteln.

Wie schon bei der Digiskopie macht die Kombination von einfacher, kompakter Technik mit den riesigen Brennweiten der Fernoptiken den besonderen Reiz aus. Und der Einstieg ist genauso leicht. Was man braucht ist eine digitale Kamera, die Videos aufzeichnen kann. Das muss gar kein Camcorder sein. Im Gegenteil: Gerade sehr kompakte Fotoapparate mit Videofunktion können beim Digiscoping über sich hinauswachsen. Ferner benötigt man eine Fernoptik, also etwa ein klassisches Fernglas („Feldstecher“) oder ein Spektiv für einäugige Beobachtung mit meist längerer Brennweite; in Österreich firmiert das Spektiv auch unter „Teleskop“, wohingegen in Deutschland damit in der Regel astronomische Teleskope gemeint sind.

Dazwischen benötigt der angehende Tierfilmer eine Anschlusslösung, das ist aber heute kein Problem mehr. Seit dem Digiscoping-Boom haben Hersteller für nahezu jede Optik-Kamera-Kombination passende Adaptionslösungen parat. Die Funktionsweise ist die Gleiche wie beim Digiscoping: 1. Fernoptik für das Auge scharfstellen. 2. Das Objektiv der Digicam hinterm Okular der Fernoptik platzieren. 3. Den Autofokus scharfstellen lassen. Wenn jetzt das auf dem Monitor sichtbare Bild noch kreisförmig abgeschattet wird, variiert man den Abstand zwischen Kamera und Optik. Zudem kann man mit dem Kamerazoom wie in einen Tunnel hineinkriechen, bis sich im Idealfall ein formatfüllender Anblick von Vögelchen oder anderen Wildtieren ohne Abschattungen ergibt.

Dann heißt es „Action!“. Anstatt den Auslöser für ein Foto zu drücken, startet man im Videomodus der Kamera eine Aufnahme. Den Rest erledigt die Automatik und ruck, zuck hat man mit einfachsten Mitteln ein erstaunlich hochwertiges Naturvideo auf dem Kamerachip. Gerade wer Kameras mit der Möglichkeit besitzt, hoch auflösende HD-Videos zu machen, kann Bewegtbilder in einer Qualität anfertigen, die Heinz Sielmann nicht erreicht hätte.

Theoretisch eignet sich jede Kamera fürs Videoscoping. Allerdings müssen Einsteiger beachten, dass Fernoptik und Kamera miteinander harmonieren müssen. Jede Optik hat eine sogenannte Austrittspupille, das ist, sehr vereinfacht gesagt, die Größe des sichtbaren Abbildes. Kleinere Kameraobjektive tun sich vor allem in der Telezoomeinstellung leichter, diese Austrittspupille vollständig zu nutzen. Deswegen sollten Einsteiger am besten im Fachhandel testen, ob ihre Kompaktkamera oder ihr Camcorder zum Fernglas passen. Camcorder erlauben, wenn sie mit Fernoptiken harmonieren, besonders komfortable Aufnahmen und holen bei den gigantischen Brennweiten von weit über 1.000 mm das Beste heraus.

Die langen Brennweiten bedingen in der Praxis ein Stativ. Nur so kommt die Ruhe ins Bild, die eindrucksvolle Videos brauchen. Dafür kann man dann schön mitziehen, wenn das Rudel Hirsche über die Lichtung zieht oder wenn der Graureiher sich majestätisch in die Lüfte schwingt. Kameras arbeiten im Videomodus im Dauerbetrieb, daher ist es umso wichtiger, immer vollgeladene Akkus einzulegen und am besten noch einen oder zwei volle Ersatzakkus in der Tasche mitzunehmen. Nichts ist so ärgerlich wie ein „Game over“ mitten bei der besten Aufnahme. Das Gleiche gilt für Speicherkarten. Videos brauchen viel Speicherplatz, deswegen schadet es nichts, die nächste Speicherkarte eine Nummer größer zu kaufen.

Den besten Überblick über die Möglichkeiten des Videoscopings gibt es bei der photokina 2010 vom 21. bis 26. September in Köln. Bei dieser Weltleitmesse für Foto und Imaging können Besucher alle Komponenten des Digiscopings und des Videoscopings erleben. Auch die renommierten Hersteller von Videoschnittsoftware und Speicherlösungen werden ihre Produkte präsentieren.

Pressemeldungen 09 / 2010

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