Bildleiste

Langzeitarchivierung - Der Zahn der Zeit

Alles ist vergänglich - ein Umstand, mit dem viele Menschen schwer leben können. Vieles wollen wir bewahren für uns, für unsere Kinder und Kindeskinder und für die Nachwelt. Zu den Dingen, die man unbedingt in die nahe und ferne Zukunft hinüberretten möchte, gehören Fotografien. Das betrifft die privaten Familienbilder ebenso wie die aus dem journalistischen, wissenschaftlichen und kulturellen Bereich. Die Digitalfotografie, die alle Generationen gleichermaßen anspricht und die zu signifikant mehr „Klicks“ in der Sekunde beiträgt, bietet unzählige neue Möglichkeiten Fotos zu nutzen, zu versenden und mit anderen zu teilen. Durch den Umstieg von der analogen auf die digitale Fotografie ist aber das Bewahren der Bilder über lange Zeiträume unsicherer geworden. Der Langzeitarchivierung von digitalen Daten drohen viele Gefahren.

Das Verschwinden der Bilder
Wie hatten es unsere Eltern und Großeltern gut! Die Familie für das Porträt aufgestellt, geknipst, Film weggebracht, Abzüge abgeholt, ins Album geklebt und schon waren die Erinnerungen sicher verwahrt - vorausgesetzt sie fielen nicht Katastrophen wie etwa einem Brand zum Opfer. Ansonsten kann man seine Ahnen - wenn vielleicht auch etwas vergilbt - immer noch in hinreichender Schönheit auf Fotos bewundern. So ist es auch mit vielen Archiven von wissenschaftlichen Forschungsstätten oder Museen, in deren Beständen Fotografien lagern, die man heute noch problemlos genießen und verwenden kann. Ähnlich wie mit Papierbildern ist es mit Negativen oder Dias: Einigermaßen vernünftig gelagert, das heißt vor Licht, Hitze und Feuchtigkeit geschützt, überdauern sie ziemlich problemlos Generationen.

Bei digitalen Daten ist das, wie sich schon gezeigt hat, nicht so einfach. Welche schnellen Generationswechsel die modernen Zeiten mit sich bringen, hat fast jeder von uns schon erlebt: den Wechsel von der Schallplatte zur CD, von Disketten auf Speicherchips oder DVDs usw. Und nicht immer hält das Speichermedium, was man gerne bewahren möchte, mit der Entwicklung Schritt.

Wer in den letzten Jahren fleißig fotografiert hat und seine digitalen Daten nicht nur auf seiner Festplatte hat vor sich hindämmern lassen, sondern sie zum Beispiel auf CDs gebrannt hat, der wähnt sich auf der sicheren Seite. Falsch gedacht - denn Datenträger sind anfällig! Noch mehr als etwa Dias sind Datenträger, außer gegen Licht, Hitze und Feuchtigkeit, auch meist noch gegen magnetische Störungen anfällig. Außerdem haben sie nur eine beschränkte Haltbarkeit. Hinzu kommen die Generationswechsel: CDs können eventuell auf dem neuen Computer nicht mehr gelesen werden und auf dem übernächsten schon gar nicht.

Sicher ist sicher
Um digitale Daten auch für lange Zeiten zu bewahren und auf sie zugreifen zu können, gibt es erst einmal ganz simple Vorgaben. Wichtige Daten sollten immer auf zwei verschiedenen Datenträgern gespeichert sein und möglichst an physisch getrennten Orten aufbewahrt werden. Sicherer ist es auch, sie auf unterschiedlichen Technologien oder Datenträgern zu speichern. Dass man dabei qualitativ hochwertige Produkte wählt, sollten einem die Bilder immer wert sein.

Kontinuierliche Migration
Um Daten auch in ferner Zukunft noch lesen zu können, muss man vor allem auch rechtzeitig auf einen Generationswechsel achten. Nicht nur, ob es neue Datenträger gibt, sondern auch ob die dazu nötigen Lesegeräte noch verwendet werden können. Nicht zu vergessen, dass Datenträger auch nur eine bestimmte Lebensdauer haben. In jedem Fall bedeutet ein Generationswechsel, dass man seine Daten neu sichern muss, um sie weiter lesen zu können. Das macht viel Arbeit und umso mehr Arbeit, je kleiner das Fassungsvermögen der einzelnen Datenträger ist. Wer viel fotografiert, der wird mit CDs oder DVDs auf Dauer nicht glücklich werden, nicht nur weil der Zugriff auf jede einzelne Scheibe eher mühsam ist, sondern eben auch weil man jede einzeln neu speichern muss. Da sind externe Festplatten sicher der bequemere Weg. Nicht zu vergessen: Digitale Daten brauchen aber auch bestimmte Programme, um geöffnet zu werden; Programme benötigen ein bestimmtes Betriebssystem und davon die richtige Version und Betriebssysteme brauchen die passenden Hardware-Komponenten. Dabei muss immer auf die Rückwärtskompatibilität geachtet werden.

Das Bildgedächtnis der Welt
Im privaten Bereich spielt sich die Sicherung der Daten noch in einem überschaubaren Rahmen ab. In Forschung, Wissenschaft, im Bibliotheks- und Museumsbereich und in Bildarchiven geht es um riesige Datenmengen und oft unersetzliche Informationen, die verlorengehen würden. Dort versucht man schon lange Standards für die digitale Langzeitarchivierung zu finden, um sicher zu stellen, dass sich digitale Daten auch noch in 100 Jahren und darüber hinaus lesen lassen. Für dieses Ziel versuchen unabhängige Vereinigungen und Institutionen ebenso wie Industrieunternehmen, Lösungen zu finden. In nicht allzu ferner Zukunft soll es Standards geben, mit denen Digitaldaten richtig abgespeichert auch nach Jahrzehnten noch problemlos geöffnet und gelesen werden können. Eine der Überlegungen, um den Verbraucher der Sorge um seine Digitaldaten zu entheben, sind Serviceangebote, bei denen über den Computer online nicht mehr nur auf die Aktualisierung der Software aufmerksam gemacht wird, sondern auch auf die Migration der Daten.

Die kleine Lösung
Viele Digitalfotografen, vor allem, wenn sie nur für den Privatzweck fotografieren, werden den Aufwand der Migration ihrer Daten in andere Generationen fürchten, aber das Verschwinden ihrer Bilder ebenso. Eine sichere und einfache Lösung zur Langzeitarchivierung ist immer noch, die wichtigsten Aufnahmen einfach auszudrucken und sie dann wie Oma und Opa aufzuheben.

Pressemeldungen 10 / 2009

Bewerten 73