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Mit dem Zweiten sieht man besser
Doppelter Spaß: Digiscoping durch das Fernglas

Digiscoping hat die Photographie mit kompakten Kameras revolutioniert. Die Kombination von Spektiven und Photoapparaten ist bei Naturfreunden weit verbreitet und steht hinsichtlich der Qualität der Ergebnisse der herkömmlichen Photographie mit ultralangbrennweitigen Objektiven kaum nach. Renommierte Optik-Hersteller bieten seit geraumer Zeit komplexe Aufnahmesysteme an, die die Fernoptiken mit Digitaltechnik perfekt zu einer neuen Disziplin verschmelzen. Die Aktionsbühne „Weitblick - Look and See“ auf der Piazza der photokina 2008, die vom 23. bis 28. September ihre Tore öffnet, garantiert allen Interessierten einen umfassenden Überblick über die Weiterentwicklungen in diesem Bereich.

Für den Einsteiger gibt es einen einfachen wie günstigen Weg zum Digiscoping, der Spaß macht und tolle Aufnahmen verspricht. Wesentlich weiter verbreitet und in der Regel auch günstiger als die langbrennweitigen Spektive sind binokulare Ferngläser, also alle Optiken für zweiäugige Beobachtungen - vom Opernglas bis zum schweren Feldstecher für die Jagd. Teilt man - natürlich nur gedanklich - einen Feldstecher an der Längsachse, so erhält man ja nichts anderes als zwei kompakte Spektive.

Die Vergrößerung solcher Feldstecher ist geringer als die eines Spektivs; sie liegt etwa bei 7- bis 20-fach gegenüber den 20- bis 70-fach der langen Röhren. Das muss kein Nachteil sein und kann sich sogar in einen Vorteil umkehren. Denn viele Feldstecher sind, durch ihre Bauart bedingt, richtige Lichtgiganten. Entscheidend ist das Verhältnis von Vergrößerung zur Öffnung. Letzteres ist nichts anderes als der Durchmesser der Frontlinse, der vorgibt, wie viel Licht eingesammelt wird.

Große Öffnung bei moderater Vergrößerung bedeutet nichts anderes als viel Licht für den Chip. Ferngläser schneiden in diesem Vergleich meist besser ab als Stative. Feldstecher mit beispielsweise 7-facher Vergrößerung und 50 mm Öffnung („7x50“) oder auch noch „8x50-er“ gelten als regelrechte „Nachtgläser“, was schon auf ihre Licht sammelnden Eigenschaften hinweist.

Warum dieser Umstand so wichtig ist, ist ganz einfach: Bei den riesigen effektiven Brennweiten, die auch mit Feldstechern noch im Bereich mehrerer hundert Millimeter liegen, ist viel Licht das A und O. Nur ausreichend helle Motive machen kurze Belichtungszeiten möglich, die wiederum Verwacklungsunschärfe vermeiden.

Wie funktioniert nun aber Digiscoping mit dem Feldstecher? Im Prinzip wie mit einem Spektiv, nur die Art des Anschlusses dürfte sich in den allermeisten Fällen unterscheiden. Mit passenden Verbindungshülsen sieht es auf dem Feldstecher-Markt eher mager aus, somit sind universell einsetzbare Klemmvorrichtungen für die Digitalkamera die erste Wahl. Die meisten Ferngläser haben ein sehr komfortables Einblickverhalten und viele Geräte verfügen über eine große so genannte Austrittspupille. Auch das macht Digiscoping mit dem Binos unkompliziert, schließlich gilt es ja, die kleine Linse der Kompaktkamera ideal hinter dem Okular des Feldstechers zu platzieren.

Der Aufbau beginnt mit der Montage des Feldstechers auf einem Stativ. Das geschieht entweder über die immer weiter verbreitete Schraubbefestigung an der Längsachse, über eine Universalklemme oder eine Spannvorrichtung. In jedem Fall muss das Glas gut auf dem Stativ fixiert sein und die Verschraubung beziehungsweise Klemmung an der Längsachse straff angezogen sein. Die Kamera samt Befestigung wird nämlich nur an einer der Fernglashälften montiert, was zu einem Ungleichgewicht führt. Bei schlechter Befestigung neigt die gesamte Kombination zum Verkippen.

Die Universalklemme für die Kamera befestigt man an einer der Augenlinsen (Okulare) des Fernglases. Im Vorteil beim Digiscoping mit Feldstechern sind solche Optiken, die per Mitteltrieb scharf gestellt werden. Bei Gläsern, die man getrennt jeweils durch Drehen am Okular scharf stellt, wird es etwas fummelig, weil man zwischendurch die Klemmvorrichtung wieder entfernen muss. Aber nicht verzagen, auch das geht mit einiger Übung, und für das letzte Quäntchen Schärfe sorgt ohnehin der Autofokus.

Auch Feldstecher, die mit einem Mitteltrieb fokussiert werden, haben in der Regel ein drehbares Okular, das bei Fehlsichtigkeit den Dioptrienausgleich zwischen den Augen herstellt. Dieses Okular sollte man meiden, denn es ist bisweilen etwas weniger stabil verankert und neigt - seiner Bestimmung entsprechend - dazu, sich zu drehen. Falls die Okulare über Gummiaugenmuscheln verfügen, sollten diese entfernt oder ausgeklappt sein, damit die Klemme besseren Halt findet.

Das war es im Prinzip schon. Nun gilt es, wie in der Digiscopie allgemein, Ruhe ins System zu bringen und etwa durch die Verwendung eines Fernauslösers, Erschütterungen zu vermeiden. Dass beim Digiscoping mit dem Fernglas eine Hälfte des Geräts unbenutzt bleibt, erweist sich im Gelände schnell als großer Vorteil. Besser als in jedem Sucher und auf jedem Monitor lässt sich das Geschehen auf der Location durch das freie Okular verfolgen. Auch hier gilt: Mit dem Zweiten sieht man besser ...

Pressemeldungen 09 / 2008

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