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Multitalente für Foto und Video - Neue Formen der visuellen Kommunikation

Filmen oder Fotografieren? Die neuen Kameras können beides - gleichzeitig und sogar in professioneller Foto- und TV-Qualität. Da Camcorder fotografieren und Fotoapparate filmen können, entwickeln sich komplett neue Präsentationsformen und Gestaltungsmöglichkeiten. Fotofilme als ein kreativer Mix aus Videoclips, Fotografien, Grafiken, Texten, Sprache und Soundelementen haben eine neue Welle der Kreativität ausgelöst, die nicht nur auf Internetportalen wie Flickr oder Youtube Begeisterung bei den Usern auslöst, sondern durch die digitalen Flachbildschirme und Projektoren den Medienkonsum im Wohnzimmer verändert hat.

Das neue Zauberwort, nicht nur in der Spiegelreflexfotografie, sondern auch bei den Kompakt- und Superzoomkameras heißt „Full HD“. Gemeint ist damit die Fähigkeit vieler Fotokameras, Videosequenzen in professioneller HDTV-Qualität aufzeichnen zu können. Genauer gesagt mit einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Bildpunkten. Die meisten aber begnügen sich mit der sogenannten HD-Qualität, die den HD-ready-TV-Geräten entspricht und 1.289 x 720 Pixel auflösen. Wichtig dabei ist zudem die Bildrate, mit der die Kamera die Filme erfasst. Um ein gestochen scharfes Videoerlebnis zu garantieren, gelten Frequenzen von 30 Bildern pro Sekunde als Norm. Viele Kameras begnügen sich allerdings mit 25 Bildern pro Sekunde, was ebenfalls schon eine sehr gute Aufzeichnungsqualität sicherstellt.

Die Bildschirme der HD- und Full-HD-Fernseher verfügen über ein Seitenverhältnis von 16:9. Die Bildröhren der alten VGA-Fernseher dagegen verwendeten ein Seitenverhältnis von 4:3. Fotografen wiederum sind an das Kleinbild- beziehungsweise APS-C-Format mit einem Seitenverhältnis von 3:2 gewöhnt. Wer sich also eine Fotokamera mit Videofunktion anschaffen möchte, sollte darauf achten, dass diese auch das Format des heimischen Fernsehers unterstützt oder besser noch, eine Multiformatwahl ermöglicht. Wer in die Zukunft schaut, wird für seine Videos ein Seitenverhältnis von 16:9 wählen. Das entspricht den neuen Fernsehern mit HD-ready- und Full-HD-Bildschirmen und ermöglicht die beschnitt- und streifenfreie Wiedergabe am TV-Gerät. Auch, wenn inzwischen selbst Fotohandys hochwertige Videos aufzeichnen können und Kompaktkameras ebenfalls sehr gute Qualität liefern, hat das Filmen mit hybriden Systemkameras zusätzlich Vorteile. Diese liegen nicht zuletzt im deutlich größeren Sensorformat. Dies ermöglicht, neben der rauscharmen Bildaufzeichnung mit hohen Empfindlichkeiten, Filmern auch neue Gestaltungsmöglichkeiten, wie sie sie vom Fotografieren und vom Kinofilm her kennt. Gemeint ist der Einsatz von selektiver Schärfe, also das Trennen des scharfen Hauptmotivs vom unscharfen Hintergrund, um störende Bildelemente verschwinden zu lassen und die bildwichtigen Motivpartien zu betonen. Durch die hohen Lichtstärken der Wechselobjektive, verbunden mit dem größeren Sensorformat, sind diese Profitricks nun auch bei der Videoaufzeichnung möglich. Ein weiterer Vorzug, der sich beim Filmen mit den hybriden (Foto und Film) Systemkameras ergibt, liegt in der Möglichkeit, Wechselobjektive mit extremen Brennweiten und Bildwinkeln oder auch Spezialobjektive für Makro-, Shift-, Tilt- oder Softfokusaufnahmen zu nutzen.

Eine wichtige Überlegung, die jeder, der sich mit dem Gedanken trägt, mit seiner Kamera auch zu filmen, anstellen sollte, betrifft auch das benötigte Zubehör. So verlangt das Filmen beispielsweise schnellere Speicherkarten aber auch PCs für die verwacklungsfreie Videowiedergabe. Auch die Anforderungen an die Beschaffenheit von Stativköpfen ist eine andere. Sie müssen der Kamera nicht nur festen Halt verschaffen, sondern sich dabei auch vertikal und horizontal schwenken lassen.

Alle Kameras mit Videofunktion verfügen auch über integrierte Mikrofone und damit über mehr oder weniger gute Möglichkeiten der Tonaufzeichnung. Die meisten davon haben zwei Nachteile. Sie haben nur eine begrenzte Reichweite und zeichnen zudem auch alle Kamerageräusche mit auf. Ein Anschluss für ein externes Mikrofon sollte also unbedingt vorhanden sein, um für den guten Ton zu sorgen.

Ein weiterer Anschluss, auf den der Fotofilmer nicht verzichten sollte, ist die HDMI-Schnittstelle für die direkte und verlustfreie Wiedergabe der Videobilder auf dem digitalen Fernseher. Da Filme nicht selten auch von Kamerabewegungen und Kamerafahrten leben, können sich die Lichtbedingungen während einer Aufnahme schnell ändern. Das hat zur Folge, dass die Automatiksteuerung nicht schnell genug korrigiert und es zu Lichtsprüngen in der Aufzeichnung kommt. Daher empfiehlt es sich, die Belichtungsautomatik abzuschalten und die Blende manuell zu wählen. Die Foto-Videokamera muss also auch eine manuelle Steuerung aller Parameter zulassen. Dazu gehört im besonderen Maße auch die Autofokussteuerung, die sicher nützlich ist, um Objekte in der Schärfe beim Entfernungswechsel verfolgen zu können, doch für den Ton sind die AF-Geräusche häufig äußerst störend. Auch deswegen sind manchmal externe Mikrofone von Vorteil. Ein Positionswechsel der Kamera erhöht auch die Gefahr von Streulicht, das zu flauen Aufnahmen führen kann. Streulichtblenden sind also unerlässlich für qualitativ hochwertige, kontrastreiche Bilder. Noch besser allerdings sind die sogenannten Kompendien, die wirkungsvoll vor Streif- und Seitenlicht schützen.

Auch, wenn Fotografieren und Filmen jetzt mit nur einer Kamera möglich geworden sind, verlangen beide Medien unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Aufzeichnung. Spielt beim Fotografieren der entscheidende Moment die Hauptrolle, so ist es beim Filmen die Zeitspanne, über die eine Szene sich abspielt. Friert die Fotografie den Moment ein, so zeigt der Film seine Entwicklung, seinen Höhepunkt und Ausklang. Fotos können für sich allein stehen. Sie erzählen dem Betrachter ihre Geschichte. Beim Filmen erzählt dagegen der Regisseur die Entwicklung eines Geschehens in schnellen Bildfolgen von 30 Bildern pro Sekunde. Die muss sich der Betrachter einprägen. Die Zeit, die er dafür hat, ist aber durch die Dauer einer Szene oder des ganzen Films begrenzt.

Das Filmen wird die Fotografie sicher bereichern und ganze neue Präsentationsformen hervorrufen. Es wird die Kreativität von Fotografen und Filmern gleichermaßen beflügeln und neue Formen der visuellen Kommunikation begründen.

Pressemeldungen 10 / 2009

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