Close Up: Filmproduktion – Die Dreharbeiten beginnen

Close Up: Filmproduktion – Die Dreharbeiten beginnen
Mit den Dreharbeiten kommt die Video- beziehungsweise Filmproduktion wohl in die spektakulärste und nervenaufreibendste Phase. Wir alle haben so unsere Vorstellung, wie Video-/Filmproduktionen ablaufen. Stars und Sternchen tummeln sich vor beziehungsweise hinter der Kamera und gehen mit dem Regisseur letzte Details der Einstellung durch. „Ruhe bitte, wir machen drehfertig!“ schallt es plötzlich durch den Raum und es wird mucksmäuschenstill am Set. Auf die Frage hin, ob der Ton aufgezeichnet wird und die Kamera läuft, wird die Filmklappe geschlagen und der Regisseur lässt das Schauspiel mit einem konzentrierten „Und… Action!“ beginnen. Läuft der Filmdreh wirklich so ab? Wir beleuchten heute mal die geheimnisvolle Welt. Auch wenn unser Ziel beim eigenen Videodreh sicherlich kein Spielfilm ist, so können wir uns von den Großen abschauen wie sich Fehler vermeiden lassen.

Close Up: Filmproduktion – Die Dreharbeiten beginnen
In der Regel sind zwei Personen am Drehort von zentraler Bedeutung: Der Regisseur (engl.: Director), der über alle künstlerischen Aspekte des Filmes bestimmt, und der Kameramann (engl.: Director of Photography), der im Sinne des Regisseurs über alle aufnahmespezifischen Aspekte des Films entscheidet. Jedem von ihnen untersteht ein mehr oder minder großes Ressort an Fachpersonal, die allesamt ihre eigenen spezifischen Aufgaben haben. Ebenso umfassend sind auch die Berufsfelder, die sich an einem Filmset wiederfinden: Regie- und Kamera-Assistent, Aufnahmeleiter, Tonmeister, Beleuchter, Bühnenbauer, Make-Up Artist, Requisiteur und Garderobier bis hin zu Tischlern und Gärtnern, Fahrern und Ersthelfern. Je größer und somit höher budgetiert ein Filmprojekt, umso mehr Personen sind daran beteiligt.

Principal photography

Während der Dreharbeiten (engl.: principal photography) werden die einzelnen Filmszenen mit Schauspielern aufgenommen. Ein Film besteht aus unterschiedlichen Szenen, die jeweils eine in sich geschlossene Handlung zusammenfassen. Ein Szenenwechsel liegt immer dann vor, wenn sich – im Vergleich zur anschließenden Szene – der Spielort oder die Tageszeit verändert. Eine Szene kann dabei aus unterschiedlichen Sequenzen aufgebaut sein. Beispielsweise betritt eine Person in der ersten Sequenz eine Wohnung durch die Haustüre, in der zweiten Sequenz geht die Person durch den Flur in die Küche, in der dritten Sequenz nimmt die Person ein Getränk aus dem Kühlschrank und in der vierten Sequenz setzt sich die Person vor den Fernseher. Eine Szene entspricht somit einer in sich geschlossenen Handlung für eine bestimmte Zeitspanne an einem bestimmten Ort.

Die kleinste filmische Einheit ist die Einstellung (engl. Shot oder auch Take). Diese ist ein einfacher Durchlauf für die Aufnahme eines genau festgelegten Bestandteils einer Szene. Einstellungen können als Master-Shot angelegt sein, wobei der Bildraum dann meist in einer Totalen gezeigt und die gesamte Handlung ohne Unterbrechungen aufgenommen wird. Einzelaufnahmen in unterschiedlichen Einstellungsgrößen ermöglichen später im Schnitt die abwechslungsreiche Montage des Filmmaterials.

Close Up: Filmproduktion – Die Dreharbeiten beginnen
Bei professionellen Filmproduktionen ist es üblich, dass die Szenen nicht chronologisch abgedreht werden. Inhaltlich zusammengehörende Einstellungen werden zunächst ausgeleuchtet und anschließend erfolgt eine Stellprobe mit den Schauspielern. Nachdem alle Einstellungen der Sequenz aufgenommen sind, wird die nächste Sequenz vorbereitet und entsprechend abgedreht. Sind alle Sequenzen einer Szene im Kasten, wird die erste Sequenz einer neuen Szene an gleichem Spielort vorbereitet. Im Regelfall handelt es sich um eine andere Tageszeit oder einen anderen Spieltag in der Chronologie des Filmes. Die Beleuchtung wird der vorgeschriebenen Tageszeit entsprechend angepasst und generell tragen die Schauspieler dann auch andere Kleidung. Nach diesem Muster wird so lange vorgegangen, bis alle Szenen einer expliziten Location abgedreht sind. Danach wird das gesamte Equipment abgebaut und die Location verlassen. Da ein Film nicht nach der Drehbuch-Chronologie gedreht werden muss, sondern die Zusammenfügung einzelner Einstellungen erst im Schnitt erfolgt, ist es möglich, unnötigen Zeitverlust und höhere Kosten durch immerwährendes Auf- und Abbauen der Technik sowie den rastlosen Umzug von einer Location zur anderen und wieder zurück, zu vermeiden.

Mit der ersten Klappe gibt es kein Zurück mehr

Bei einer Filmproduktion stellen die Dreharbeiten die kostenintensivste Phase dar, denn mitunter unzählige Personen, Equipment und technische Gerätschaften sowie Ausstattungsstücke werden für die Realisierung eines Drehbuches benötigt. Das Bild transportiert hierbei die sichtbare Handlung, der Originalton hingegen zeichnet die Gesprächsinhalte und szenentypische Geräusche auf. Als Grundregel für den Produktionsablauf gilt, dass es aus finanzieller Sicht mit der ersten Klappe am ersten Drehtag eigentlich keinen Schritt zurück mehr gibt. Zu diesem Zeitpunkt ist für Mieten, Gagen, Verbrauchsmaterialien und andere Fixkosten bereits ein gewisser Teil des Budgets ausgegeben worden. Um aber die Produktion später vermarkten zu können, muss zuvor das gesamte Material abgedreht sein. Manchmal sogar nach dem Motto „Koste es, was es wolle!“, wenn man an die Produktionsgeschichte von Filmen wie „Waterworld“ oder „Apokalypse Now“ denkt.

Wer seinen Film nicht chronologisch dreht, dem sei unbedingt zu einer Person am Set geraten, die sich ausschließlich um die Szenen-Anschlüsse kümmert. Die Continuity achtet während der Aufnahme einer Einstellung auf jedes noch so kleine Detail: Ist der oberste Hemdknopf offen oder geschlossen, sind die Haare verwuschelt oder gekämmt, ist die Krawatte bordeaux oder marineblau, hält man die Wasserflasche in der linken oder rechen Hand, ist das Weinglas halbvoll oder fast leer. Regisseur und Kameramann müssen viel zu viele Dinge koordinieren, als auch noch auf diese Details achten zu können, weshalb sich Anschlussfehler auch immer wieder bei großen Hollywood-Produktionen finden lassen.

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Da gerade vom Personal die Rede ist, sollte die Maske nicht unerwähnt bleiben. Ein Make-Up Artist kümmert sich ganz speziell darum, dass die Menschen vor der Kamera auch so aussehen, wie es das Drehbuch vorsieht. Sie sind wahre Künstler mit Pinsel und Bürste, beherrschen das Schminken ebenso wie das Frisieren und können jeden Schauspieler in eine ganz eigene Persönlichkeit verwandeln. Effekt-Make-Up kommt zum Einsatz, wenn drastische Veränderungen am Aussehen, wie beispielsweise Hakennasen, Narben oder Wunden, vorzunehmen sind. Da es hin und wieder auch rauer oder turbulenter am Set zugehen kann, muss das Make-Up Department auch immer wieder mit dem Stunt-Team, der Pyrotechnik und der Special Effects Crew zusammenarbeiten.

Jeder Filmschaffende wird einen erlösenden Seufzer von sich geben, sobald am Set die letzte Klappe gefallen ist. Die permanente Anspannung der Drehtage fällt von den Beteiligten ab, denn nun gilt es erst einmal wieder, alles in den Zustand zu versetzen, wie es vorgefunden wurde. Gemietete Filmtechnik muss an den Verleih zurück, Schauspieler und Filmcrew reisen ab. Der Filmemacher sichtet das aufgenommene Filmmaterial auf Korrektheit und Vollständigkeit hin. Vielleicht fehlen einzelne Aufnahmen oder ganze Szenen, die aufgrund von Zeitmangel gestrichen wurden. Manche Aufnahmen sind wegen Versprechern und anderer Missgeschicke unbrauchbar. Auch wird das Ersatz- und Füllmaterial (sog. Pick-Ups) angeschaut, welches am Set aufgenommen wurde. Im weiteren Verlauf folgt nun die Montage des Filmmaterials im Schnitt, womit die Phase der Post-Production beginnt.

Video 03 / 2016

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