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Film ab - Nicht immer mit der Totalen arbeiten

Der Einstieg in die Welt des digitalen Films ist so einfach wie noch nie. Camcorder gibt es schon für wenige hundert Euro. Die Geräte warten mit einem Leistungsspektrum auf, das jeden zum Filmer reifen lässt. Technik ist jedoch nicht alles, denn neben der Ausrüstung kommt es auf Ideen und Inhalte an, soll das Video auch überzeugen.

Geschichten gehören erzählt, und da ist es mit dem „Einfach-drauflos-Filmen“ nicht getan. Das sogenannte „Storyboard“ hilft, den roten Faden einzuhalten. Vor dem Dreh werden die erzählerische Struktur wie auch die Bild- und Szenenfolge festgelegt. Stichworte, aber auch Skizzen helfen bei der Planung. Ist zum Beispiel ein Film über einen Kindergeburtstag geplant, so sollte man sich vorher über die Höhepunkte Gedanken machen. Aber auch mit der Kameraposition und dem Lichteinfall muss sich der Filmer auseinandersetzen. Wird im geschlossenen Raum gefilmt, so heißt es im Vorfeld ausprobieren, damit man später die besten Einstellungen und den besten Lichteinfall für sich nutzen kann. Wichtig ist ferner der Weißabgleich, also die Anpassung des Camcorders an die aktuelle Farbtemperatur. Auch, wenn die meisten Camcorder dies automatisch erledigen, so kann gerade bei Kunstlicht ein manueller Weißabgleich ratsam sein. Dazu wird die entsprechende Kamerafunktion aufgerufen und man nimmt die Einstellung durch das Fokussieren auf ein weißes Objekt vor.

Typische Anfängerfehler sind hektische Bewegungen und schwindelerregende Zoomfahrten. Eine ruhige Kameraführung ist das A und O für einen gelungenen Film. Aus diesem Grund sollte man den Camcorder mindestens ein bis zwei Minuten auf eine Szene richten - dies lässt auch genug Zeit für das Ein- und Auszoomen. Wiederholt man das einige Male, so hat man auch genug Filmmaterial für die spätere Bildauswahl. Entscheidend für überzeugende Videos ist zudem die kreative Bildgestaltung. Die Totale, bei der die gesamte Szene im Bild zu sehen ist, ist nicht alles und kann auch sehr nervig und eintönig sein. Abwechslung und Bewegungen lassen sich durch verschiedene Stilformen in Szene setzen. So eignet sich die Halbtotale, bei der nur die Hälfte der Szene im Bild zu sehen ist, beispielsweise für Landschaftsaufnahmen. Mit dem Zoom lassen sich Details in den Film einbauen. Der große Schwenk - erfordert etwas Übung - kann das Video auflockern. Regisseure greifen, um mehr Spannung zu erzeugen, gerne darauf zurück, eine Aufnahme aus mehreren Positionen zu filmen. Dafür werden mindestens zwei Kameras eingesetzt. Für den Privatanwender sind eine Hand- und eine Stativkamera dafür absolut ausreichend. Letztere ist auf die Totale eingestellt und mit der Handkamera ist man frei für Experimente.

Auch, wenn alles im Vorfeld des Videodrehs optimal geplant wurde, so ist dies noch lange kein Garant dafür, dass auch alle Aufnahmen brauchbar sind. So kann der Raum zu dunkel sein oder der Lichteinfall aus einer ungünstigen Position kommen. Hier hilft das sogenannte Kopflicht weiter. Es gehört bei einigen Camcordern zum Lieferumfang und erinnert an die Helmbeleuchtung von Grubenarbeitern. Ambitionierte Videografen geben sich damit nicht zufrieden und greifen auf Studiostrahler und weiße Stellwände zurück. Wer die Neuanschaffung zunächst scheut, der kann sich das Zubehör ausleihen.

Mit dem Filmen alleine ist es nicht getan, denn erst am Rechner entsteht aus dem Rohmaterial der eigentliche Film. Dem Anwender stehen hier unterschiedliche Softwareprogramme zur Verfügung. Einfache Software ist schon für um die € 100,-- zu bekommen. Wer jedoch plant, längere Projekte zu schneiden und auf DVD zu brennen, der sollte auf Qualität setzen. Besonders günstige Programme scheitern oftmals an den großen Datenmengen.

Genügend Zeit ist beim Videoschnitt angesagt, denn die Auswahl der passenden Ausschnitte sollte sorgfältig erfolgen. Die einzelnen Sequenzen werden auf Timeline gezogen - hier entsteht durch die Aneinanderreihung einzelner Schnipsel der fertige Film. Mithilfe von Effekten lassen sich eventuelle Aufnahmefehler korrigieren wobei das Prinzip gilt: weniger ist mehr. Für Spannung sorgt bei der Szenenabfolge das Wechselspiel von der Totalen, Halbtotalen und dem Zoom. Jede Sequenz sollte jedoch eine Weile im Bild stehen. Ist Musikuntermalung gewünscht, so muss diese im Einklang zum Filminhalt stehen. Gerade bei Landschaftsfilmen wird gerne auf „Cut-on-Beat“ zurückgegriffen. Dabei wird der Filmschnitt genau im Takt der Musik gesetzt. Eine weitere Gestaltungsmöglichkeit bietet die Einblendung von Schrift und Grafik. Ist der Film geschnitten und der Tonpegel angeglichen so steht das „Rendern“ und Brennen an. Je nach Filmlänge und Rechnerleistung kann das einige Stunden in Anspruch nehmen.
 

Video 07 / 2009

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