Filmproduktion - Fesselnde Geschichte mit Spannungsbogen und der richtigen Filmlänge

Filmproduktion
Bei der Konzeption des Filmes sollte man sich am klassischen System von Einleitung, Hauptteil sowie Schlussteil orientieren und versuchen einen Spannungsbogen aufzubauen. Bestmöglich führt man den Zuschauer durch einen Prolog in die Handlung ein. Mit einem Überraschungsmoment, einem so genannten Plot Point wird der Hauptteil eingeleitet, in dem die maßgebliche Geschichte mit stetig steigender Spannung präsentiert wird, bevor sie schließlich in einem finalen Höhepunkt endet. Dieser ist meist als Showdown angelegt und löst die aufgebaute Spannung indem offene Fragen beantwortet, Erklärungen gegeben oder vorliegende Probleme gelöst werden.

Ziel eines jeden Films sollte sein, den Zuschauer mit der präsentierten Geschichte über die gesamte Laufzeit zu fesseln. Als Grundregel kann man sagen, dass das Interesse des Zuschauers im ersten Zehntel eines Films geweckt werden sollte, um diesen dazu anzuhalten, der Handlung bis zum Ende zu folgen. Taucht der Zuschauer in die Handlung des Films ein, so wird er, die dem Medium innewohnende Wahrheit und Logik, automatisch akzeptiert. Wenn der Zuschauer jedoch keinen Zugang zur Handlung bekommt oder ihm der Einstieg zu schwer fällt, kann man davon ausgehen, dass der Film vermutlich nicht bis zum Ende angeschaut wird.

Die richtige Filmlänge festlegen

Es versteht sich von selbst, dass ein guter Film neben der guten Geschichte auch eine passende Länge braucht, um fesselnd präsentiert zu werden. Wie anstrengend es ist, einer langatmigen Handlung zu folgen, kennt jeder aus der eigenen Seherfahrung. In der Kürze liegt die Würze, sagt schon der Volksmund. Der Zuschauer erwartet, dass eine Geschichte auf den Punkt gebracht wird, ohne groß um den heißen Brei zu reden. Werfen wir also einmal einen genaueren Blick auf die bekanntesten Laufzeiten und was sich dahinter verbirgt.

Werbespot

Der Werbespot ist vermutlich die Königsdisziplin, wenn es darum geht, eine Geschichte kurz und knackig zu erzählen. Reduziert auf eine kurze Szene, die sich einem ganz speziellen Aspekt widmet und im Regelfall etwa 30 Sekunden lang ist, sind Werbespots meist für die TV-Ausstrahlung produziert. Der Produktions- und Qualitätsstandard ist immens hoch, ungeachtet davon, wie unterhaltsam oder fesselnd die Geschichte eines solchen Spots sein mag.

Videoclip

Ein Videoclip präsentiert sich mit audiovisuellen Sequenzen und 1 bis etwa 5 Minuten Länge. Kennzeichnend für einen Videoclip ist die Präsentation eines Vorgangs oder einer Geschichte. Ein Videoclip kann als Appetithäppchen daherkommen, eine Momentaufnahme darstellen, aber auch ganz gezielt für eine bestimmte Sache werben. Die qualitativen Unterschiede können so vielfältig sein, wie es Themen für Inhalte gibt. Sucht man beispielsweise bei YouTube nach „Videoclip“ wird man auf 15,5 Millionen Ergebnisse verwiesen. Videoclips kennzeichnet genau das, was man bei Videoportalen sucht: kurzweilige Unterhaltung.

Kurzfilm

Als Faustregel kann man sagen, dass ein Kurzfilm eine Laufzeit von weniger als 30 Minuten hat. Auf nationaler und internationaler Ebene gibt es zahlreiche Festivals, die sich diesen filmischen Kleinoden widmen und je nach Art sowie Ausrichtung sogar eigene Laufzeitvorgaben definieren. Zum Beispiel liegt die Maximallänge für Kurzfilme bei der Berlinale zwischen 15 und 30 Minuten, beim Deutschen Kurzfilmpreis zwischen 7 und 30 Minuten, das deutsche Filmfördergesetzt hingegen schreibt eine Laufzeit – einschließlich Vor- und Nachspann – von 1 bis 15 Minuten vor.

Neben Festivals gibt es zahlreiche deutsche Fernsehsender, die Kurzfilmen ein Forum bieten und in regelmäßigen Abständen entsprechende Programmplätze offerieren oder auch ganze Kurzfilmnächte zeigen. Sehr gelungene Beispiele lassen sich immer wieder bei ARTE (Kurzschluss), hr (Frischfilm), SWR (Kurzfilmrolle), WDR (kurzundschoen), 13th Street (Shocking Shorts) oder bei regionalen Fernsehsendern wie NRW.TV und RNF bewundern. Da private Sender kommerziell ausgerichtet sind, bieten sie Kurzfilmen nur sehr selten eine Ausstrahlungsmöglichkeit.

Die größte Verbreitungsplattform finden Kurzfilme jedoch auf Download- und Videoportalen im Internet, denn die Kürze der Filme ist ihr großer Vorteil. Einen Streifen kann man sich in Windeseile herunterladen oder schnell seinen Freunden auf dem Smartphone/Tablet zeigen. Gut gemachte Kurzfilme, die den Nerv des Publikums treffen, können auf diese Weise zu enormer Bekanntheit gelangen. Das für Filmemacher wohl Spannendste und Schönste aber ist, dass ein Kurzfilm alles kann und nichts muss. Man darf seine eigene Vision inszenieren und dafür jedes denkbare Thema ins Zentrum stellen. Natürlich soll dabei etwas geschaffen werden, was das Publikum anspricht und begeistert. Vielleicht aber auch schockiert und abstößt. Die eigentliche Kunst liegt darin, wie man den Zuschauer an ein Thema fesselt. Kunst kommt von Können und nicht von Wollen, denn sonst hieße es bekanntlich Wunst.

Langfilm

Die Bezeichnung Langfilm ist heute kaum noch gebräuchlich, sondern vielmehr der Begriff des abend- oder programmfüllenden Spielfilms, welcher erwartungsgemäß eine Laufzeit von deutlich über einer Stunde hat. Kennzeichnend für einen Spielfilm ist jedoch auch, dass dieser mit den Mitteln der Dramaturgie inszeniert wurde und die von Schauspielern dargestellte Handlung auf einem Drehbuch basiert. Deutlich abzugrenzen sind daher andere Gattungen wie der Dokumentarfilm, die Reportage oder der Trick-/Animationsfilm.

Vom Anspruch an eine – für den Filmemacher – bestmögliche Qualität einmal abgesehen ist der Produktionsaufwand für einen Langfilm um ein Vielfaches höher als beim Kurzfilm. Im Regelfall sind viel mehr Personen an den Dreharbeiten beteiligt, die Handlung hat einen größeren Bedarf an Szenen und präsentiert verschiedenste Drehorte. Insgesamt gestaltet sich die Arbeit am Filmwerk weit umfangreicher und intensiver, was den zeitlichen sowie finanziellen Aufwand einschließt.

Entscheidungen müssen getroffen werden

Filmschaffende müssen, bevor es mit dem eigentlichen Dreh losgeht, grundlegende Überlegungen anstellen und zahlreiche Entscheidungen treffen, bevor überhaupt die erste Klappe am Set fällt. Welchen Aufwand möchte man betreiben? Wo und wie möchte man seinen Film später präsentieren? Wer soll sich den fertigen Film ansehen? Welche Länge ist passend, um die Handlung spannend zu transportieren?

Natürlich ist ein Kurzfilm aufwändiger als ein Videoclip, aber auch deutlich einfacher zu realisieren als ein Langfilm. Schade nur, dass es keine allgemeingültige Wenn-Dann-Gleichung gibt, sondern je nach Film und Genre andere Mechanismen beim Zuschauer greifen.

Video 01 / 2016

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